Page - 323 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Schnabel-Schrötter, Volume 31
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Schröder^ Sophie 323 Schröder, Sophie
Paithien mußten ihr nach dem Gehör mit
der Violine eingeübt werden. In Bres»
lau wurde in gemeinsamer Uebereinstlm-
mung der Gatten im Jahre 1799 ihre
Ehe mir Sto.lmerö wieder getrennt.
Sto lmerS hatte nämlich die theatra»
lische Laufbahn aufgegeben und war
unter seinem eigentlichen Familiennamen
Smets von Ehrenstein in seine frühe»
ren juristischen Verhältnisse zurückgetre»
ten. Von Breslau wurde SophieSt o l»
mers durch den Director Herzfeld für
Hamburg gewonnen, woselbst ste 1801
ihr Engagement antrat. Ihre Vertuen»
düng im tragischen Fache, welche sie
längst wünschte, erfolgte erst im Jahre
1803, als in Folge einer Erkrankung der
Darstellerin der Johanna in Kotze»
bue's „Johanna von Montfaucon" sie
die Rolle der Johanna aushilfsweise
übernahm. Der Erfolg, den sie mit dieser
Rolle erzielte, wor ein so durchgreifender,
daß man ihr diese Rolle beließ, während
man ste immer noch im komischen Fache
als Salondame und in der Oper ver»
wendete. Im Jahre 1804 vermalte sich
Sophie Sto l lmers zum zweiten
Male mit dem gleichfalls an der Ham-
burger Bühne angestellten Baritonisten
und Schauspieler Friedrich Schrö»
der. Nllmälig verbreitete sich der Ruf
ihrer außerordentlichen Leistungen in lra»
Zischen Rollen so sehr, daß sogar der
berühmte Tragöde Friedrich Ludwig
Schröder, der unfein vo"N Hamburg
auf seinem Landsitze Rellingen lebte, be»
stimmt ward, nach Hamburg zu gehen,
um die Künstlerin selbst spielen zu sehen.
Seine Neugierde wurde durch das, was
er sah, weitaus befriedigt. Er sprach sich
auch der Künstlerin gegenüber unverhoh»
len aus. und gab ihr in einem Gespräche
über ihre Art, zu stuoken, den Rath, bei
der Darstel lung einer Rolle nicht blos zu empfinden, sondern auch
zu denken. Von nun an lag die Kunst-
lerin, wie sie selbst sagte, ihre Rollen so
lange durch, bis sie sich dabei ausgeweint
hatte, erst dann ging sie an daS eigent»
liche Studium und sucht« die gehabten
Empfindungen im richtigen Maße der
Steigerung zu reproducirm. Als im
Jahre 1810 die berühmte Händel in
ihrem Gastillllen.Cykluö auch pantomi-
mische Darstellungen gab, fand sich auch
Sophie durch diese Darstellungen zu
ähnlichen Leistungen angeregt, wodurch
sie zum Studium der Antike hingeführt
wurde, ein Umstand, der unzweifelhaft
ihren späteren tragischen Gebilden jene
hohe, ja höchste künstlerische Weihe ver>
lieh, wodurch sie denn eben einzig in
ihrer Art dastand. Die kriegerischen Er»
eignifse, welche nun eintraten und auch
Hamburg nicht verschonten, veranlaßten,
daß das Ehepaar Schröder, welches
um halbe Gage nicht weiter spielen wollte,
18l3 seine Stellung aufgab, Hamburg
verließ und mehrere Gastspiele auf ver»
schiedenen Bühnen gab. Ein Ueberblick
der Leistungen der Künstlerin während
ihrer dreizehnjährigen Thätigkeit auf
dem Hamburger Theater wird das zuver»
lässigste Conterfey der Künstlerin als
solcher geben. Ihr Repertoir umfaßte
unter den großen Rollen Werke von
Shakespeare, Schil ler, Lessing
und Kotz ebne, außerdem mehrerer an»
derer einzelner Poeten: von Shake»
speare die Porcia im „Kaufmann
von Venedig", die Ophelia im „Ham«
let", die Beatr ice in „Viel Lärmen
um Nichts" und die I fabe l la in
„Maaß für Maß"; von Schille r zuerst
die El isabeth, spater die Mar ia in
Maria Stuart". zmrst die Kön ig in ,
später die Eboli in „Don Carlos",
zuerst die Agnes Sorel , dann die
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Schnabel-Schrötter, Volume 31
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Schnabel-Schrötter
- Volume
- 31
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1876
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 402
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon