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Schröder^ Sophie 326 Schröder, Sophie
sionscasse m so weit, daß die Künstlerin
schon nach fünfjähriger Wirksamkeit in
volle Pensionsansprüche treten konnte.
Von den in München neu gespielten
Rollen find als d!e bedeutendsten zu
nennen: Iphigenie in Goethe's
gleichnamiger Tragödie, die Civa in
Schenk's „Die Krone von Cypcrn"
und die Sybi l le in „Kaiser Hein-
lich VI." von Raup ach. Im I . 1833
kam Sophie zu einem längeren, zwanzig
Abende umfassenden Gastspiele wieder
nach Wien, welches sie am 13. März mit
der Isabel la in der „Braut von Mes»
sina" eröffnete und am 17. Mai mit der»
selben schloß. An neuen Rollen spielte sie
in diesem Cyklus nur die Elisabeth in
„Die Flucht von Kenilworth" nach Wal-
ter Scot t von Lembert, und am
44. und 19. April die Medea in Gr i l l -
parzer's gleichnamigem Stücke. Nach
fünfjährigem Aufenthalte in München
machte Sophie ihren Anspruch auf
Pension geltend, um dann abermals,
1836, in ihre alten Verhältnisse zum
Wiener Burgtheater zu treten, wo sie
noch im Jahre vorher an sieben Abeiv
den, vom 12. bis 29. Juni, doch in lau«
ter schon bekannten Rollen, gastirt hatte.
Die drei Debutrollen, mit welchen sie
ihr neues Burgtheater-Engagement an»
trat, waren am 6. April 1836 die I fa -
bella in der „Braut von Messtna", am
8. April dieMerope, am 16. die G l i>
sabeth in der „Maria Stuart". In
diesem letzten Engagement verblieb sie
etwas über drei Jahre, während welchen
fie nur in zwei neuen Rollen auftrat, am
24. September 1838 als Frau von
Lobeck in „Die Zurücksetzung" von
Töpfer, und am 6. October d. I . als
Anna Lamber tazz i in Halm's
„Imelda Lambertazzi". So hatte die
Künstlerin während ihrer verschiedenen Engagements und Gastspiele im Burg.
theater im Ganzen fünf und siebenzig
verschiedene Rollen und von diesen sie»
ben und dreißig zum erstenMale
gespielt. Unter den hervorragendsten der
von ihr geschaffenen Charaktere find
Gri l lparzer'S „Sappho" und „Me<
dea", Ho uwa ld 'S „Margaretha",
Schenk's „Antonina" und Raup ach's
„Brunhilde" zu nennen. Aus Gesundheits»
rückfichten hatte sie um ihre Entlassung
und Pensionirung gebeten. Beide Gesuche
wurden ihr gewählt und nun, 69 Jahre
alt, nahm sie Abschied von der Bühne.
Sie bezog ein lebenslängliches Iahrge-
halt von 1200 st. von Bayern und von
800 fl. von Oesterreich. I n bescheidenen,
jedoch gesicherten Verhältnissen zog sie
sich in's bürgerliche Leben zurück. Sie
verdankte ihre sorgenfreie Lage im Alter
der Huld und Anerkennung dreier Mon-
archen, der Kaiser Franz und Franz
Joseph und des Königs Ludwig I.
von Bayern. Tief und innig dieß empfin-
dend, pflegte sie auch zu sagen: „Habs»
bürg und Wittelsüach sind die Schuß»
engel meines Lebens gewesen und nichts
kann meiner Verehrung und Dankbarkeit
gegen Beide gleichkommen". Nachdem
sie der Bühne entsagt, zog sie sich nach
Augsburg zurück, wo ihr Sohn Ale>
xander in Garnison stand. Durch ihren
Künstlerberuf gezwungen, hatte sie bisher
dem Familienleben ferne gestanden, jetzt,
da sie frei, sich selbst, ihrem Denken und
Fühlen angehörte, gab sie sich demselben
auch ganz hin, und zwischen Mutter und
Sohn knüpfte sich ein Band verwandt«
schaftlicher Liebe und Anhänglichkeit, daö
den Lebensabend der Künstlerin ver>
schönte. Ab und zu machte sie kleine Rei«
sen, um ihre Kinder zu besuchen, trat noch
einmal auf Verlangen 1847 in Hamburg
als Isabe l la von Messina auf und
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Schnabel-Schrötter, Volume 31
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Schnabel-Schrötter
- Volume
- 31
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1876
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 402
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon