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Schröder Sophie 328 Schröder^ Sophie
kam in diesen Tagen ihrer Krankhei
nicht von ihrer Seite. Am 28. Februar
des Morgens um vier Uhr sprach sie noch
die Worte: „Heute macht eS der liebe
Gott aus mit mir"; es waren ihre letzte,
Worte, ruhig entschlief sie im Alter von
87 Jahren. Da Sophie S. alle ihre
Papiere vernichtet, so erscheint es um so
wicbtiger, AlleS aufzuzeichnen, was die
Zeitgenossen von ihr erzählen. Daher
folgt unten eine, leider doch sehr lücken
hafte Uebersicht von Quellen, welche
manchen interessanten Zug anö ihrem
Leben, manchen Beitrag zu ihrer Biogra
phie enthalten. Ebenso folgt dann eine
und, ich meine, vollständige Uebersicht
ihrer Bildnisse und sonstige Einzelheiten.
Ueber ihre künstlerische Bedeutung dürfte
das Urtheil Heinrich Laube's, welches
auch mitgetheilt wird, als ein durchaus
unbefangenes und auf gründlicher Sach
kenntniß beruhendes maßgebend sein.
Diese Darstellung aber sollen die Worte
einer Kollegin der Künstlerin schließen
und so das Bild der großen Tragödin
würdig vollenden. „Ich werde nie",
schreibt diese, „den überwältigenden Ein-
druck vergessen, als die Schröder als
Gavpho im weißen Gewände mit Pur»
purmantel und Lorbeerkranz auf golde»
nem Triumphwagen und unter dem nicht
enden wollenden Jubel des ganzen Hau»
ses (in Berlin) — imposant, majestätisch
wie eine Konigin des idealen classischen
Griechmthums —. edel, berauschend, nn>
betungswürdig wie eine gottbegnadete,
begeisterte Dichterin auf der prächtigen
Scene erschien. ... Dann schwoll ihre
herrliche, sonore, so überaus modulations»
fähige Stimme, wie ich keine zweite ge-
härt habe, gleich Orgelten an, bis sie in
voller, seltener Kraft und Klangfülle das
ganze große Haus durchrauschte. . . .
Ihr Vortrag war ihre Hauptstärke; sie hatte aus der edlen Redekunst ihr ganzes
Bühnenleben lang ein ernstes, unermüd.
liches Studium gemacht und es hierin
zu einer Meisterschaft gebracht, wovon
unsere heutige Theaterwelt keine Ahnung
mehr hat. Sie stammte aus der alten
classischen, ernsthaften Schule von Lud'
wig Schröder in Hamburg und hat
diese nie verleugnet. Jedes Wort, jede
Betonung war bei ihr überlegt, erprobt
und — vollberechtigt. Und daß doch das
Ganze in reinster Harmonie dahincnioll
und der Hörer von Absichtlichkeit und
langem, mühsamen Studium nicht merkte
— das war eben die nie übertroffene
Kunst von Sophie Schrüder. Mit
diesem wunderbaren Vortrage gingen
ihre seelenvolle Mimik uud classische Pla»
stik Hand iu Hand. Und doch hatte
Mutter Natur diesem Lieblinge der Musen
und Grazien so bitterwenig Hilfsmittel
und Zehruug mit auf die Neife über die
bretterne Welt gegeben. AIs ich am an»
dem Morgen die damals schon fünfund»
vierzigjährige Schröder in der Probe
zur „Medea" zum ersten Male mitten im
alltäglichen Leben sah, erschrack ich förm-
lich. War diese kleine, dicke, starkknochige
Frau mit dem robusten Gesichte und der
kurzen starken Nase — im jugendlichen,
kurzen Indienuekleide und koketten Häub»
chen, zierliche Kreuzbäuder an den Schn-
hm.. . die königliche, ideale, berauschende
Sappho von gestern Abends? Nichts
erinnerte mehr an die — Auferstandene
des schönen Griechenthums, als das
eelenvolle, große, leuchtende Auge.
Freund Krüger, der mich begleitete,
sah mein Erstaunen. Gr lächelte: „Nur
Geduld — Sie werden trotz der Kreuz»
bänder bald in derMedea eine würdige
Schwester derSnppho wiederfinden".
AIs er mich dann der Schröder vor<
stellte, reichte sie mir herzlich die Hand
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Schnabel-Schrötter, Volume 31
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Schnabel-Schrötter
- Volume
- 31
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1876
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 402
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon