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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Schnabel-Schrötter, Volume 31
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Page - 331 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Schnabel-Schrötter, Volume 31

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Schröder, Suphie ZZ1 Schröder^ Softhie Schlagwort älterer Leute heißt „d ä in onis ch", wenn sie von diesen Schrö der'schcn Aus' brüchen sprachen. Ich glaube, sie haben nicht ganz Unrecht, aber auch kaum ganz Recht. Wir suchen im Dämonischen ein gute« Theil wüder Phantasie, weltstüniienden, völlig un> abhängigen Gedankens. Nm gerade habe ich nie wahrgenommen in ihr; ich habe sie nie gedankenreich, nie ungestüm und dreist in der Gedankenwelt gefunden, Ihre Kmft war die eines starken Willens, mächtiger, unnahbarer Entschlüsse, In dksem Bereiche werden sich auch ihre stärksten Rollen finden, und man spricht gewiß mit Fug und Recht uon ihrer außerordentlichen Lady Macbeth, Eine ratw> nell erwachsende Leidenschaft besaß sie gewiß in starkem Grade, Desgleichen die Leiden» schaft eines herben, ja harten Naturells. Schwerlich die einer warmen Gluth. — Und nun.- Besaß sie Schönheit genug? Man wird die Frage nicht mißuerstehen und an die blos äußerliche Schönheit der Trschri« nung denke». Diese besaß sie bekanntlich nicht. Sie war klein und mehr robust als schön gebaut. Auch im Antlitz waren starke Knochen und eine kurze Nase dem schönen Eindrucke nicht förderlich. Dieß Alles hindert nicht, im Ganzen und namentlich in der Bewegung des Körpers ästhetisch schön zu wirken. Das vermochte sie. Sie hatte eine so lange und so gründliche Schule durchgemacht, daß ihr volles Ebenmaß der Haltung und des kölper« lichen Ausdruckes gnnz und gar eigen war. Alle Schilderungen ihrer ankiken Rollen stim< men darin überein. Was die Schönheit in mehr äußerlicher Bedeutung betrifft, in der Bedeutung, daß die bloße Erscheinung gewin» nend und liebenswürdig sei, darüber ist sie selbst beizeiten streng gegen sich gewesen im eigenen Zutrauen. Naö alte Soufflirbuch des „goldenen Vließes" in der Abtheilung „Die Argonauten" hat mir darüber einen merkwür. digen Aufschluß gegeben. In diesm „Nrgo> nauten" ist vielfach uon dem, wenn auch wilden, Mädchenreiz? der Medea die Rede in den Liebesscenen mit Iason. Mit Schrecken sah ich, daß all das gestrichen war. Was auf Medea's Liebreiz nur irgendwie hindeutete, war ausgelöscht. Das hatte Sophie Schiö« der nicht passend erachtet für sich. Es blieb nun freilich unklar, auf Kosten der Dichtung, woher denn wohl die Neigung Iason's stammte, aber die Darstellerin der Wedea war nun gesichert, daß man ihr nichts uo« einer Liebhaberin zutrauen durfte. Sie war II.Zur künstlerischen ClMMcr iM. Laube iidcr Sophie Schröder. „Was", schreibt Laube, „war der Gnmdchamkter ihrer Kunst und wodurch ist sie für uns die aroße Schauspie. lerin geworden? Ihr Grundchuralter war schwerer Ernst und omch den Vort rag in erster Linie ist sie die große Schauspielerin geworden. Ihr Organ war sonor, ihr Nccent rein, ihre Vintheüung der Rede meisterhaft. Sie stammte aus der guten Zeit, welche gespannten Sinnes eine neue Literatur auf° nahm, welche jedes schöne Wort begrüßte, welche die Bedeutung eines jeden Wortes genau würdigte. Eine solche Zeit spricht in ihrer Redekunst so klar als möglich, sie sucht für jede Wendung des Snßes den entspre- chenden Ton. Sie stammte ferner aus einer Zeit, welche neben der ideal auffliegenden Literatur doch in der Schauspielschule uon Schröder undI f f land einen realen tech< nischen Voden hatte. Diesen Vodm durften damalige Schauspieler nicht leicht verlassen in unverstandener Ueberschwenglichkeit. Leute wie Schröder und I f f land verlangten auch für die Ueberschwenglichkeit Erklärung, Motimrung lind stufenweise» Gang. Aus die> sen Einflüssen ist Sophie Schrö der in ihrem Schauspiel-Charakter hervorgegangen. Dieser Charakter war nicht so bloZ ideal, wie jetzt oft behauptet wird; er ruhte auf einer sehr realen technischen Grundlage; er holte sich gar manche Begrürwung oder Ausschmückung vom realen Felde. Die nächste Frage ist: War sie nur declamirend, oder war sie zu sehr declamireno, wie ihr neuerdings nach» aesagt wird? Ihre Declamat ion drängte sich nicht vor, löste sich nicht ab vom dramatischen Charakter. Sie sprach schön, sie sprach — man empfand es wohl — mit Bewußtsein, daß die Art des Sprechens eine Hauptsache wäre, abrr sie hiett die Verbin« düng mit dem dramatischen Gedanken und Gange unzweifelhaft fest, sie sprach dramatisch schön. Die letzte Frage wird sein- Hatte sie Leidenschaft genug? Entwickelte sie Schön« heit genug? Hatte sie Leidenschaft ge> n u g? Zur Beantwortung dieser Frage gibt ihre persönliche Bekanntschaft mir Anhalts- puncte näherer Art. Sie war eine tief ernst« hafte, strenge Natur und hat mich in ihren Aeußerungen wohl an puritanische Leiden« schuften aus Cromwel l 's Nähe erinnert. Nicht an die Leidenschaft des Südens, wohl aber an die schonungslos leidenschaftlichen Nusbrüche der Nordlandstecken. Das beliebte
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Schnabel-Schrötter, Volume 31
Title
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Subtitle
Schnabel-Schrötter
Volume
31
Author
Constant von Wurzbach
Publisher
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Location
Wien
Date
1876
Language
German
License
PD
Size
13.41 x 21.45 cm
Pages
402
Keywords
Biographien, Lebensskizzen
Categories
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