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169 Schulte
„Nie Macht der römischen Päpste iiber Fürsten,
Länder, Völker, Individuen, nach ihren Hund»
lungrn seit Gregor VlI., zur Würdigung ihrer
Ankehlbmklit blleuchtet und den entglgengezch-
ten 3chren der Päpste und Ounrilien der ersten
acht Jahrhunderte über das Verhiiltniss der mrlt-
lichen Gemalt zur Kirche gegenübergestellt"
(Prag 18?l. Tempsky, gr. 8".); eine
zweite, sehr vermehrte Auflage dieses
Buches, das großes Aufsehen erregte,
erschien noch im nämlichen Jahre. Die
vorgenannten, mit einem ^ bezeichneten
Schriften sind sämmtlich Sonderabdrücke
aus den Sitzungsberichten phil.»histor.
Classe der Wiener kais. Akademie der
Wissenschaften. Diese schriftstellerische
Thätigkeit bekommt aber erst nach der
Verkündung des Unfehlbarkeits-Dogma's
ein bestimmtes Gepräge, das die Blicke
der Kirche und der Laien auf den uner-
schrockenen Verfechter der gesunden Ver»
nunft richtete. Als nämlich das Unfehl.
barkeitS-Dogma vom 48. Juli 1870 ein
neues Schisma in die katholische Kirche
brachte — es erhoben sich die Altkatho«
liken dagegen und trennten sich unter
dem Münchener Stiftspropste Döl l in -
ger von der römisch-katholischen Kirche
— da trat auch Professor Schulte in
seiner Schrift: „Die Macht der römischen
Päpste u. s. w." gegen das Papstthum
auf, und seine Stimme, als die eines
Mannes, der viel zur Vertheidigung der
Rechte der Kirche und des PapfteS ge-
schrieben, der selbst bekennt, so gering seine
Stellung war, doch im besten Glauben,
auch das Seinige dazu beigetragen zu
haben, der Strömung des blanken Abso»
lutismus in der Kirche zum Siege zu
verhelfen, mußte schwer in'S Gewicht
fallen. S. handelte dabei im besten Glau»
bm. Ueberzeugt von der Göttlichkeit
seiner heiligen Kirche, überzeugt von der
Nothwendigkeit und Stellung deS Pri- mateS in der Kirche, wie ihn der alte
Glaube hat-, überzeugt davon, daß die
Mission der Kirche heute, wie vor acht«
zehnhundert Jahren dieselbe sei, konnte
er, wie er selbst gesteht, von dem Gedan-
ken ausgehen, die Kirche könne und muffe
unwandelbar in ihrem Fundamente, in
ihrem äußeren Wirken sich derjenigen
Mittel und Wege bedienen, welche da«
durch als nothwendig bezeichnet werden,
daß sie in der Zeit für die Zeit wirken
muß. Was die Fesseln der Kirche brach,
daS mußte ihm licb sein. Und so begrüßte
er auch das österreichische Concordat freu-
dig und trat für dasselbe wiederholt in
die Schranken, obwohl er von Anfang
an mehr als einen Punct nicht billigte.
Aber in seinem guten Glauben durfte er
für das ihm besser Scheinende nicht das
Gute opfern, was vorlag, und konnte
das minder Gute ignoriren. Jetzt, nach.
dem die Erfahrung von mehr als einem
halben Menschenleben ihm den Einblick
zu thun gewährte in die Zustände der
Kirche vieler Diöcesen, nachdem er all«
malig das innere Getriebe durch die viel«
faltigste Verbindung mit leitenden und
arbeitenden Personen durchschaut, viele
Reisen ihm eine Kenntniß der Zustände
verschiedener Lander und Völker ver.
schafften, jetzt, wo die Beschlüsse deS
48. Juli 1870 ihm in der päpstlichen
Constitution ?2.8tor asterQUZ mit der
ganzen Gesetzesschärfe des von Gott ge«
offenbarten Glaubenssatzes entgegentra»'
ten, konnte er nicht länger umhin, auszu«
rufen: er Habeineinert iefen Täu»
schung gelebt. „Nicht meine Grund»
sätze". schreibt S., „nicht meine Wünsche
find andere geworden. I H hoffe mit
Gottes Hilfe bis zum letzten Athemzuge
zu halten an dem Glauben meiner Väter.
Aber meine Anschauung über das Ver-
hältniß von Kirche und Staat, sowie
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Schrötter-Schwicker, Volume 32
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Schrötter-Schwicker
- Volume
- 32
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1876
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 406
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon