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läge vollends änderten. Man hatte ihn
für Oesterreich zu gewinnen gesucht, aber
zu sehr mit den Napoleonifchen Ideen
verwachsen, konnte er sich nimmermehr
zur Rückkehr entschließen, er wollte baye»
risch bleiben, dabei machte er aus seiner
Gegnerschaft Oesterreichs kein Hehl, sprach
sich offen gegen diesen Staat und seine
Regierung aus, und griff die Alles ver«
dummende und bevormundende Geistlich»
keit rücksichtslos an. So widerfuhr ihm
denn auch, als der Aufstand geglückt und
Tirol wieder kaiserlich geworden, die
seiner offen zur Schau getragenen Feind»
seligkeit entsprechende Behandlung, indem
er alsbald, nachdem die Sieger in Inns»
brück eingezogen waren, verhaftet und
zunächst nach Fünfkirchen in Ungarn ge»
bracht wurde. Seine und seiner Amts«
collegen widrige Schicksale erzählte er
dann auch ausführlich in einer Geschichte
ihrer Deportirung, in welcher er vor-
nehmlich gegen Freiherrn v. Hormayr
schonungslos auftrat. Nachdem er seine
Freiheit wieder erlangt, kehrte er nach
Bayern zurück, wo er von dem Könige
Max huldvoll aufgenommen, auch von
Seite der königlichen Staatsbehörden
ihm der wohlwollendste Empfang berei»
tet und er noch im nämlichen Jahre
zum Professor der Naturgeschichte und
Botanik an der Universität in Landshut
ernannt wurde. Aber hier war seine
Stellung eine durchaus nicht angenehme.
Besonders waren es zwei Puncte, die für
ihn die Quelle vieler Betrübnisse wurden:
seine Anhänglichkeit an Napoleon,
dem seiner Ansicht nach Bayern so viel
verdankte, und fein feindseliges Auftreten
gegen den damals in vollem Fahrwasser
segelnden Tugendbund. Die Anhanger
desselben, dann alle Altbayern, denen
Napoleon und was zu ihm stand, ein
Greuel war, und die Geistlichkeit, die vor Schuttes' Freigeisterei einen nicht ge«
ringen Abscheu kundgab, verbitterten ihm
seine Existenz. Indessen lebte S. ganz
seinem Berufe, hob den bis dahin völlig
vernachlässigten botanischen Garten, daß
der Ruf desselben mit jedem Jahre wuchs,
und hier trafen seine Gegner die ver-
wundbare Stelle, denn sie hatten es
dahin zu bringen gewußt, daß dem Gar-
tm die Hälfte der bisher für ihn ver-
wendeten Einkünfte entzogen und der
Verfall des Gartens auf diese Weise so
zu sagen amtlich wieder eingeleitet wurde.
Während er indessen seinem Lehramte
mit allem Pflichteifer oblag, verstand eS
die Intrigue, ihn auch noch in anderer
Weise zu quälen, indem man ihm ver-
schiedene medicinische Vortrage übertrug,
ohne ihn jedoch in entsprechender Weise
für diese erhöhte Mühewaltung zu ent-
schädigen; als dann die Universität nach
München übertragen wurde, machte man
S. zum Director der chirurgischen Schule
in Landshut, einer in solchem Verfalle
befindlichen Anstalt, daß S. dieselbe in
seinem ersten Jahresberichte an die Re»
gierung ganz offen als „eine stehende
Pest im Lande" bezeichnete. Diese Zurück-
setzung und Kränkungen waren offenbar
das Werk der Obscurantenpartei, die, in
S. ihren entschiedenen Gegner gewah«
rend, nichts unterließ, um ihn in seinen
Bestrebungen zu lahmen. S., dessen viel«
jährige, selbst im Auslande auf das
Ehrenvollste gewürdigte Thätigkeit ihn
zu anderen Erwartungen berechtigte,
fühlte sich tief gedemüthigt; von einem
in Kreisen der Wissenschaft gefeierten
Universitätslehrer war er zum Lehrer von
Landwundärztm herabgesetzt, deren Un»
terricht auf die engsten Grenzen beschrankt
war; er mußte also für sich selbst einiger«
maßen Ersatz suchen gegen so unverdiente
Demüthigungen, und so gab er sich denn
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Schrötter-Schwicker, Volume 32
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Schrötter-Schwicker
- Volume
- 32
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1876
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 406
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon