Web-Books
in the Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Lexika
Wurzbach-Lexikon
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Schrötter-Schwicker, Volume 32
Page - 173 -
  • User
  • Version
    • full version
    • text only version
  • Language
    • Deutsch - German
    • English

Page - 173 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Schrötter-Schwicker, Volume 32

Image of the Page - 173 -

Image of the Page - 173 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Schrötter-Schwicker, Volume 32

Text of the Page - 173 -

Schultes 173 Schultes läge vollends änderten. Man hatte ihn für Oesterreich zu gewinnen gesucht, aber zu sehr mit den Napoleonifchen Ideen verwachsen, konnte er sich nimmermehr zur Rückkehr entschließen, er wollte baye» risch bleiben, dabei machte er aus seiner Gegnerschaft Oesterreichs kein Hehl, sprach sich offen gegen diesen Staat und seine Regierung aus, und griff die Alles ver« dummende und bevormundende Geistlich» keit rücksichtslos an. So widerfuhr ihm denn auch, als der Aufstand geglückt und Tirol wieder kaiserlich geworden, die seiner offen zur Schau getragenen Feind» seligkeit entsprechende Behandlung, indem er alsbald, nachdem die Sieger in Inns» brück eingezogen waren, verhaftet und zunächst nach Fünfkirchen in Ungarn ge» bracht wurde. Seine und seiner Amts« collegen widrige Schicksale erzählte er dann auch ausführlich in einer Geschichte ihrer Deportirung, in welcher er vor- nehmlich gegen Freiherrn v. Hormayr schonungslos auftrat. Nachdem er seine Freiheit wieder erlangt, kehrte er nach Bayern zurück, wo er von dem Könige Max huldvoll aufgenommen, auch von Seite der königlichen Staatsbehörden ihm der wohlwollendste Empfang berei» tet und er noch im nämlichen Jahre zum Professor der Naturgeschichte und Botanik an der Universität in Landshut ernannt wurde. Aber hier war seine Stellung eine durchaus nicht angenehme. Besonders waren es zwei Puncte, die für ihn die Quelle vieler Betrübnisse wurden: seine Anhänglichkeit an Napoleon, dem seiner Ansicht nach Bayern so viel verdankte, und fein feindseliges Auftreten gegen den damals in vollem Fahrwasser segelnden Tugendbund. Die Anhanger desselben, dann alle Altbayern, denen Napoleon und was zu ihm stand, ein Greuel war, und die Geistlichkeit, die vor Schuttes' Freigeisterei einen nicht ge« ringen Abscheu kundgab, verbitterten ihm seine Existenz. Indessen lebte S. ganz seinem Berufe, hob den bis dahin völlig vernachlässigten botanischen Garten, daß der Ruf desselben mit jedem Jahre wuchs, und hier trafen seine Gegner die ver- wundbare Stelle, denn sie hatten es dahin zu bringen gewußt, daß dem Gar- tm die Hälfte der bisher für ihn ver- wendeten Einkünfte entzogen und der Verfall des Gartens auf diese Weise so zu sagen amtlich wieder eingeleitet wurde. Während er indessen seinem Lehramte mit allem Pflichteifer oblag, verstand eS die Intrigue, ihn auch noch in anderer Weise zu quälen, indem man ihm ver- schiedene medicinische Vortrage übertrug, ohne ihn jedoch in entsprechender Weise für diese erhöhte Mühewaltung zu ent- schädigen; als dann die Universität nach München übertragen wurde, machte man S. zum Director der chirurgischen Schule in Landshut, einer in solchem Verfalle befindlichen Anstalt, daß S. dieselbe in seinem ersten Jahresberichte an die Re» gierung ganz offen als „eine stehende Pest im Lande" bezeichnete. Diese Zurück- setzung und Kränkungen waren offenbar das Werk der Obscurantenpartei, die, in S. ihren entschiedenen Gegner gewah« rend, nichts unterließ, um ihn in seinen Bestrebungen zu lahmen. S., dessen viel« jährige, selbst im Auslande auf das Ehrenvollste gewürdigte Thätigkeit ihn zu anderen Erwartungen berechtigte, fühlte sich tief gedemüthigt; von einem in Kreisen der Wissenschaft gefeierten Universitätslehrer war er zum Lehrer von Landwundärztm herabgesetzt, deren Un» terricht auf die engsten Grenzen beschrankt war; er mußte also für sich selbst einiger« maßen Ersatz suchen gegen so unverdiente Demüthigungen, und so gab er sich denn
back to the  book Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Schrötter-Schwicker, Volume 32"
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Schrötter-Schwicker, Volume 32
Title
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Subtitle
Schrötter-Schwicker
Volume
32
Author
Constant von Wurzbach
Publisher
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Location
Wien
Date
1876
Language
German
License
PD
Size
13.41 x 21.45 cm
Pages
406
Keywords
Biographien, Lebensskizzen
Categories
Lexika Wurzbach-Lexikon
Web-Books
Library
Privacy
Imprint
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich