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Schulz Leop. Ludw. 199 Schulz Leop. Ludw.
siens (Brünn 18?o. Rud. M. Rohrer, gr. 8".)
Beilagen. S. l12 u. l13. — Statistische
Monatsschrift (Wien). I I . Jahrg. (1876),
S. 26 u. 37, im Aufsatze: „Der Unterricht in
der Statistik an den österreichischen Universi»
täten und Lyceen", von v i . Ficker. —
Oesterre.ichische Biedermanns »Chro»
nik. Ein Gegenstück zum Phantasten« und
Prediger» Almanach (Freiheitsburg ^Akademie
in Linz) 1785. kl. 8".) I. (und einziger) Theil,
S. l7ö. sDie daselbst enthaltene Schilderung
der damaligen Verhaltnisse (1772) an der
Olmützer Hochschule ist ein zu wichtiges Cul«
turbild jener Tage. um sie übergehen zu kön-
nen. Man ersieht daraus, mit welchen Hin«
verrussen Schulz zu kämpfen hatte. Also
wir lassen den Biedermamis-Chronisten selbst
sprechen.- „Die politischen Wissenschaften,
sammt den Lehrern derselben, sind fast überall
von Vorurtheilen. Dummheit und Bosheit
verfolget worden; in Olmütz, dem Sitz der
hochwürdigen Geistlichkeit, der einzigen grö»
ßerenProvinzialstadt der österreichischen Mon,
archie, wo man noch jetzt die Aufklärung
scheuet, konnte es damit nicht besser gehen.
Im November 1772 wurde die Kanzel der
politischen Wissenschaften von Klagenfurt (wo
sie sich seit 1768 befand) nach Olmütz über«
seht und stand bis zu Ende des Schuljahres
1778 unter der geistlichen Macht und Gewalt,
sowie alle Studien nebst der ganzen Univer-
sität. Schon ein paar Jahre zuvor sollte sie
zu Olmütz errichtet werden; aber der Prälat
von Allerheiligen, Thaddäus Slawinzek,
als damaliger Nector der Universität und
Director der Theologie, widersetzte sich einer
so profanen Neuigkeit. Man zeigte ihm die
Grundsätze der Polizei, wovon damals der
erste Band erschienen war. Er schlug das
Buch von hinten auf und fand im Register:
Almosen geben ist abzustellen. Jesus Maria,
schrie er auf. das ist ketzerisch, und warf das
Buch mit einem Bannfluch aus der Hand.
Endlich erfand er ein Mittel, diesen Lehrstuhl
einzuführen und dabei alle Gefahr der Ketzerei
zu verhindern. Er übergab ihn einem Iesui»
ten, dem ?. Joachim Zimmert , damaligen
Lehrer der heiligen Schrift, einem winselnden
kranken Mann, der zugleich Galgenpater war.
Diesem trug er auf, die Polizei» und Came.
ralwlssenschaften, unter einem mit der heili«
gen Schrift, bei vorkommenden Stellen des
weisen Salomons und anderen füglichen Ter«
ten, zu lehren und mit einzuschieben. Indeß
kam Schulz als Professor von Klagenfurt I und man kann sich vorstellen, wie willkom?
men dieser Mann in Olmüh war. Der
schmutzigste Winkel auf der Universität, der
schon feit vielen Jahren nicht gesäubert war.
wurde ihm zu seinem Vorlesungsorte ange-
wiesen. In der ersten Vorlesung entstand,
von einer Menge muthwilliger Buben aus
jeder Classe, die man ihm in's Collegium
gejagt hatte, ein Poltern. Stampfen und
Brüllen, daß er abbrechen und von der Kan-
zel steigen mußte. Als er sich beim Rsctor
uikFniäcuL darüber beschwerte, so antwortete
ihm der Prälat: daß dieß in Olmütz schon
so Mode sei! Um sich vor dieser ungestümen
Rotte Ruhe zu schaffen, und vor den Spio-
nen, die aus allen Klöstern, Stiften und Ca»
piteln in seine Vorlesungen geschickt wurden,
sicher zu sein, so zog er sich von der Univer-
sität weg und hielt seine Vorlesungen, gleich
den dasigen Rechtslehrern, in seiner Woh»
nung. Nun schloß man ihn aus der Zahl der
Professoren und der Universitätsgemeinde aus;
er wurde zu keiner Versammlung, zu keiner
Universitätshandlung vorgeladen; man inti«
mirte ihm keine Decrete, Befehle und Anord,
nungen, und sogar aus der jährlichen allge»
meinen Schultabelle wurde er weggelassen.
Der Domherr von Olmütz und Kanzler der
Universität, Baron Schubirz, der durch
Heucheln und lauter Nänke sein Ansehen er<
schwungen hatte, warf einen töotlichen Haß
auf ihn und kränkte und schikanirte ihn auf
alle nur ersinnliche Weise. Kam eS zu einer
Prüfung, so durchstrich er ihm die Censur
seiner Lehrsätze gleich einem Schulknaben,
obgleich sie mit Vorbedacht aus dem vorge-
schriebenen Lehrbuche öfters wörtlich heraus«
gezogen waren. Wenn sie nun so verhunzt
und castrirt abgedruckt und angeschlagen
waren, so ließ er sie alsbald unter irgend
einem Vorwand durch den Pedell wieder
abreißen. und was dergleichen Kniffe mehr
waren. Mitten unter seinen größten Verfol,
gungen wurde Sckulz 1776 zum k. k. Rath
ernannt. Nachdem Schubirz die Universität
und die Studien in Olcnüh fünf Jahre mit
Füßen getreten hatte, traf ihn ein Schlagfluß
und er starb unter den Händen eines Radbi»
ners, der eben zum Wagen hinkam, worin
er lag. Als im Jahre 1778 die Universität
nach Brünn übersetzt wurde, hatte Schulz
Gelegenheit, der Gunst und Unterstützung der
Großen des Landes sich würdig zu machen^
und die Wissenschaften und Studien waren
unter der Leitung des Grafen Mi t t rows ty
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Schrötter-Schwicker, Volume 32
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Schrötter-Schwicker
- Volume
- 32
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1876
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 406
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon