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Schumacher 212 Schumacher
Dativ construirte". Die in verschiedenen
Nekrologen verzeichneten vier Bande „No«
vellen und Erzählungen", welche 1833
erschienen sein sollen, konnte ich in keinem
Bücherkataloge auffinden. Außer in Wie-
ner Kreisen war Schumacher'S Name
tzar nicht bekannt und selbst in diesem
wenig; so geschah es denn, daß weder
Lorm in seinen „Poetischen Federn und
Schwingen", noch Seid l ih in seinem
„Die Poesie und die Poeten Oesterreichs',
weder Graffer'S „Oesterr. National-
Encyklopädie", noch Mosenthal in
seinem „Museum" seiner gedenken, und
daß ihn dann Rudolph Gottfchal l ,
Heinrich Kurz, Kehrein und andere
deutsche Literaturhistoriker auch den Na-
men nach nicht kennen, kann unter solchen
Umstanden nicht befremden. Und doch
zählt S. zu den besten und ganz und gar
nicht unbedeutenden Schriftstellern des
Vormärz in Oesterreich und seine Ueber«
setzungen der literarischen Dichtungen
Shakespeare'S geben ihm ein Anrecht
auf eine Stelle im deutschen Parnaß. Die
Kosten des Begräbnisses wurden von der
Vereinscafse der „Concordia" bestritten,
der Leichnam auf dem Matzleinsdorfer
Friedhofe im eigenen Grabe be/tattet.
S. hinterließ eine Witwe und zwei Töch.
ter, von diesen ist eine an den in der
botanischen Literatur bekannten Heraus»
geber des „Botanischen Wochenblattes".
-Dr. Skofitz. verheirathet. I n seinem
literarischen Nachlasse sollen sich unter
Anderem Memoiren befinden, die bei
dem Umstände, daß S. mit den meisten
literarischen Capacitäten seiner Zeit im
regen Verkehre stand, nicht gewöhnliches
Interesse besitzen dürften.
Neue freie Presse (Wiener polit. Blatt)
1868. Nr. 1263. im Abendblatt in der „Bücher.
Zeitung": „Andreas Schumacher", von Em.
Ranzoni .— Neu es Wiener Tagblat t
1868. Nr. 63. — Der Wanderer (Wiener polit. Blatt) 1868. Nr, 62. — Zel lners
Blät ter für Musik. Theater u. s. w. (Wien,
kl. Fol.) 1868, S. 80. — Presse (Wiener
polit. Blatt) 1868, Nr. 62, in der „Kleinen
Chronik". — Schumacher's Charakteristik.
Schon der berüchtigte „Oesterreichiscke Par,
naß, bestiegen von einem heruntergekommenen
Antiquar" schildert ihn als lang, knochig,
mit armseligem Exterieur, still und zurück«
gezogen, sehr thätig und sprachkundig, der
viel Studium hat, Lyriker und Novellist ist
und mehr Talent als Anerkennung besitzt;
aber treffend zeichnet ihn Cajetan Cerr i in
seiner „Iris" im April 185t: „Wie dieser
herzensgute Mann", schreibt Cerr i . „welcher
augenscheinlich die Bequemlichkeit selbst und
des Typus der altsprichwörtlichen Wiener
Gemüthlichkeit ist, zu einem „Rebell" gewor«
den — wissen nur die lieben Götter, und
vielleicht auch seine mißlichen Verhältnisse;
schon seine ganze äußerliche Erscheinung ver»
räth die unschädliche, friedliche Natur; mittet«
große Statur, kernige, feste Constitution. nie.
dere Stirne, kurzes, stark ergrautes Haar,
das eine Auge verletzt, hie und da blatter-
narbig, uncultioirter Bart, etwas stotternde
Sprache, höchst schlichte Kleidung, schwerfäl»
liger Gang. träge Haltung. Schumacher
hätte, bei seinem Talente, unstreitig Bedeu-
tendes werden können, wenn er etwas mehr
Klarheit und viel weniger — Faulheit be»
säße; so ist sein ganzes Wesen unharmonisch,
confus und ohne Bestimmtheit; er verliert
sich gerne in transscendentalen, halb mysti-
schen Erörterungen, wie z. B. in seinem neue-
sten Producte „Sympathie", die übrigens
nebstdem beweist, daß er das eigentliche
Wesen des Romans nicht versteht; Schu-
ln acher hat bereits zahllose literarische Unter«
nehmungen begonnen, von welchen ihn aber
noch keine einzige auf einen grünen Zweig
gebracht."
Nebenher ist auch eines Namensvetters unseres
Schumacher zu gedenken, des Dichters
August Schumacher (geb. zu Corbach
4. November 1790, gest. zu Moskau 18. Jän-
ner 1K64), der zu Oesterreich in mannigfacher
Beziehung steht, abgesehen davon, daß er
den „Wiener Pratec" in einer Scene, wie
jene in Goethe's Faust „Vor dem Thore"
besungen hat. Sie steht im Taschenbuche
„Cornelia" 1826, S. 267 u. f.. mitgetheilt.
Schumacher, der anfänglich die theolo»
gische Laufbahn erwählt und 1811 Pfarrer
in Wetterburg war, begleitete als Consisto»
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Schrötter-Schwicker, Volume 32
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Schrötter-Schwicker
- Volume
- 32
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1876
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 406
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon