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SchuppanIigh 216
nahm. Der Adel, der hauptsächlich dem
Kaiser Joseph zu Gefallen den Augar-
ten besuchte, verlor sich nach dem Ableben
des Kaifers allmälig aus demselben. Die
Concerte verloren alle künstlerische Be-
deutung, bis Schuppanzigh kam, der
sie von Neuem zu heben suchte. Schon
im Jahre 1795, als noch Rudolph
dirigirte, hatte S. mit Morgen-Concerten
im Augarten begonnen, später sührte
er die Unternehmung dieser Morgen-Con-
certe allein. So haben sich diese Auffüh-
rungen, welche an Donnerstagen Früh
um 8 Uhr, mitunter gar schon um 7 Uhr
begannen, allmälig gehoben, ohne zwar
die frühere Bedeutung wieder zu gewin»
nen. jedoch immer noch einigen künftleri-
schen Einstuß behaltend. Und das war
S.'s Verdienst, welcher Beethoven's
Ouvertüren hier vorzutragen pflegte.
Die Mitwirkenden waren mitunter Na-
men, die später künstlerische Bedeutung
erlangten, so Mayseder Ad.
S. 493), Linke ^Bd. XV, S.
Pechatschek Ad. XXI , S.
Czerny ^Bd. I I I , S. 104), die Harfen-
Virtuosin Mü l lner -Go l lenhofer
I M . XIX, S. 4t6) u.A. Schuppan-
zigh selbst dirigirte Orchesterstücke, trug
als Virtuose Concerte von Viot t i ,
Kreuzer, Rode vor, was jedoch seine
schwache Seite war, und so hielten sich diese
AugarteN'Morgen-Concerte noch einige
Jahre durch S.'s Bemühungen. Da sie
aber eben Mode waren, kamen sie auch
wieder aus der Mode. Ihre Blüthezeit
waren die 1.1800—1803. dann wurden
sie mit immer schwächerem Erfolge bis
1812 fortgesetzt, verloren sich allmälig
ganz und nur am t. Mai jeden Jahres fand
im Augarten ein Morgen-Concert Statt
und daS bis in daS Jahr 4847. Schup-
panzigh selbst dirigirte dieselben bis
etwa um daS Jahr 1816. In der Zwi- schenzeit nahm S. einen ehrenvollen
Antrag des kais. russischen Botschafters
Fürsten Rasumoffsky sBd. XXV,
S. 6^ an, in seine Dienste zu treten. Der
Fürst war ein großer Musikfreund, spielte
selbst mit großer Fertigkeit die Geige und
bildete daS bald in der Mufikwelt be-
rühmt gewordene Mufik>Quartett, das
aus dem Fürsten, aus Schuppanzigh
und den Viola- und Violinspielern Weiß
und Linke bestand. Hören wir, was ein
Fachmann, der wackere Gaßner, dar-
über berichtet: „Wie bekannt", schreibt
er, „war Beethoven im fürstlichen
Hause so zu sagen Hahn 'im Korbe;
Alles, was er componirte. wurde dort
brühwarm auS der Pfanne durchprobirt
und nach eigener Angabe haarscharf,
genau, wie er es ebenso und schlechter«
dingS nicht anders haben wollte, aus-
geführt; mit einem Eifer, mit Liebe^
Folgsamkeit und einer Pietät, die nur
solch glühenden Verehrern seines Genius
entstammen konnte, und einzig bloS durch
das tiefste Einbringen in die geheimsten
Intentionen; durch das vollkommenste
Erfassen der geistigen Tendenz gelangten
jene Quartettiften im Vortrage Beet-
hoven'scher Tondichtungen zu jener
universellen Berühmtheit, worüber in
der ganzen Kunstwelt nur eine Stimme
herrschte." Als im Jahre 1816 das be-
rühmt gewordene Quartett entlassen
wurde — die Spieler,behielten jedoch
ihr Gehalt — macht.e S. mehrere Jahre
hindurch Reisen nach Norddeutschland,
Polen und Rußland, aller Orten schöne
Erfolge feiernd. Nach Wien 1823 zurück-
gekehrt, nahm er auf den Wunsch seiner
Freunde und früheren Kunstcollegen die
so lange entbehrten Quartett-Unterhal-
tungen wieder auf und daS war die
Glanzperiode des Schuppanzigh 'schen
Quartetts, denn im Jahre 1824 wurden
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Schrötter-Schwicker, Volume 32
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Schrötter-Schwicker
- Volume
- 32
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1876
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 406
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon