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Schuselka-Irünning 235 Schuselka-Zrünning
seine Tochter Ida Brünning in Wien
gastire, dort aber in die Klauen Carl'S
gerathen sei, aus denen zu befreien er
AlleS, jedoch vergebens versuche. Er bat
nun Schuselka. in dieser traurigen
Affaire ihm behilflich zu sein und seines
Kindes sich anzunehmen, und durch seine
Verbindungen dahin zu wirken, daß sie
dem Einflüsse Carl 's entzogen werde.
Schuselka gestand nun Woh lbrück,
in welcher Lage er selbst sich befinde,
daß er als Deutschkatholik aus Oester»
reich verbannt und seiner politischen
Schriften wegen auch in Deutschland von
der österreichischen Regierung verfolgt,
somit außer Stande sei, in dieser Ange-
legenheit irgendwie wirksam einzugreifen.
Wohlbrück sah die Sachlage ein und
mußte sich bescheiden. Da brach das
Jahr 4848 an, Schuselka eilte nach
Wien, nahm aber vorher nock von sei»
nem Wohlthäter Wohlbrück, der in
Weimar im Sterben lag, Abschied. Die-
ser erzählte ihm nun, daß seine Befürch»
tung hinsichtlich seiner Tochter leider in
Erfüllung gegangen und diese ganz in
der Gewalt Carl 's sei. Dabei fühle sie
sich in diesem Verhältnisse mit dem herz»
losen Manne tief unglücklich. Da nun
Schuselka nach Wien reise, bitte er
ihn, sich seiner Tochter anzunehmen und
was an ihm liege, für sie und ihre Be-
freiung aus den Händen Carl'S zu
thun. Schuselka gab Wohlbrück
auf dem Sterbebette daS Ehrenwort,
seine Bitte zu erfüllen. Die politischen
Ereignisse des Jahres 1848, Schu-
selka's Eintritt in daS Frankfurter Vor-
Parlament, dann seine Wahl in's deutsche
Parlament und zuletzt in den österreichi»
schen constituirenden Reichstag gestatteten
ihm lange nicht, an die Erfüllung deS
Wohl brück gegebenen Versprechens zu
schreiten; nach Auflösung des Kremfierer Reichstages aber begann er in dieser
Angelegenheit zu wirken. Bald aber
überzeugte sich S., in welch unglücklichen
Verhältnissen sich Frau Brünning ab»
quäle und wie der schlaue Director Car l
durch seinen Contract und die nieder»
trächtigen Clauseln desselben sie an seine
Bühne und durch dieselbe indirect an
seine Person zu fesseln verstanden hatte.
Die arme Frau litt unsäglich unter der
Tyrannei dieses Mannes und war außer
Stande, sich zu befreien. Es gab nur
Ein Mittel: die Heirath. Nachdem S.
über die Ausführung dieses Schrittes
mit sich zu Rathe gegangen und der
Wohlthaten gedacht hatte, welche er
dem dahingeschiedenen Wohlbrück ver-
dankte, war er auch bald mit sich einig
geworden, trug Frau Brünning seine
Hand an und diese, die in dem stattlichen
und gefeierten Volksmanne daS Glück
ihrer Zukunft zu finden hoffte, schlug
gern ein und am 20. Juni 1849 wurde
Ida Brünning mit Dr. Schuselka
in der protestantischen Kirche in Wien
getraut. Sie schrieb sich seither Schu«
selka« Brünning. Als Director Car l
davon Kenntniß erhalten hatte, geberdete
er sich wie ein Wahnsinniger. Der Con-
tract, der auf zehn Jahre lautete und in
welchem ihr mit allen Nebenbezügen eine
Summe von 7000 st. zugesickert waren,
war nunmehr gelöst. Frau Schuselka»
Brünning hatte aber ihre theatralische
Laufbahn nicht ganz aufgegeben. Mitte
Februar 1830 begann sie im Theater an
der Wien einen Gastrollen-Cyklus, den
sie mit „Chonchon" eröffnete. Als ihr
Gatte, den die Polizeihehe in Wien
aus der Residenz und abermals in die
Fremde getrieben hatte, in Dresden sein
Domicil aufschlug, wurde seine Gattin
am 1. August 1833 an der Dresdener
Hofbühne engagirt und wirkte an der«
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Schrötter-Schwicker, Volume 32
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Schrötter-Schwicker
- Volume
- 32
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1876
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 406
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon