Page - 243 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Schrötter-Schwicker, Volume 32
Image of the Page - 243 -
Text of the Page - 243 -
Schufte^ Ignäz 243 uftev) Ignaz
Bühne, i828 aber verließ er dieselbe,
jedoch nicht, um sich an eine andere zu
binden, sondern nur um an verschiedenen
Bühnen des Auslandes zu gastiren.
immcr. wieder aber kehrte er zu dem
Hause zurück, wo sein Ruhm die ersten
Wurzeln gefaßt und er so oft Alles
ergötzt hatte. Bald, nachdem S. seinen
Ruf als Komiker begründet hatte, fehlte
eS auch nicht an Einladungen zu Gast»
spielen, so spielte er 1816 in Baden,
wohin er sich beinahe jeden Sommer
begeben mußte, w^il Kaiser Franz. der
diesen Curort sehr liebte und immer
einige Wochen deS Sommers daselbst
zuzubringen pflegte, an Schufter'S na«
turwüchfiger Komik besonderes Gefallen
fand und wünschte, daß er daselbst auf»
trete. Der Kaiser ließ einmal den Kunst»
ler nach Laxenburg kommen, es war ge«
rade zur Congreßzeit und die Kaiser,
Könige und Fürsten befanden sich als
Gäste auf dem Lustschloffe. Ueber diese
mit den Laxenburger Schulbuben von
Schuster improvisirte Farce berichtet
der alte Bä uer le in seinen „Memoiren"
in ergötzlichster Weise und wird der kost«
liche Schwank in den „Coulifsengeschich»
ten" verballhornt wiedererzählt. So hatte
sich denn S. bei sämmtlichen Fürsten deS
CongreffeS beliebt zu machen verstanden
und wurde reichlich mit den kostbarsten
Geschenken, als Uhren, Dosen, Busen»
nadeln. Ringen u. dgl. m. von den er>
lauchten Potentaten beschenkt. Andere
Gastspiele gab er zu Preßburg, im Jahre
1817 nicht weniger als dreimal, zu
Brunn 1818 und 1820. zu Prag 1819
und 1820, zu Pesth 1824. deS Troppauer
Gastspieles wurde bereits gedacht, ebenso
wurde er wahrend der Congresse zu Lai«
bach und Aachen dahin berufen. Nach»
dem er sich von der Bühne frei ge<
macht, gastnte er auch längere Zeit in Berlin. Sein letztes Gastspiel gab er auf
der Bühne, auf welcher er seinen Künst»
lerruf begründet und die er am 14. Octo»
ber 1833 als Wol fer l in der .Syl-
phide" zum letzten Male betreten hatte.
Drei Wochen später nahm er. einem
Nervenschlage erliegend, bleibenden Ab-
schied von der großen Bühne — genannt
die Welt. Groß ist die Zahl der Rollen,
welche S. gespielt und in denen er eine
nicht geringe Anzahl künstlerisch geschaf.
fen. so daß sie ihm überall — freilich in
matten Abklatschen deS unerreichbaren
Originals — nachgespielt wurden. So
seien denn nur von den bedeutendsten,
außer den schon genannten des Staber l
und Lustig, erwähnt: Purgant iuS
in „Rochus Pumpernickel", Jup i ter
in „Jupiter in Wien", über welche Rolle
Ludwig Tieck, als er im Sommer 1825
in Wien Schuster dieselbe spielen sah,
in seinen „Dramaturgischen Blattern"
den Ausspruch that: „Man thut nicht zu
viel, wenn man Ignaz Schuster einen
großen Schauspieler nennt, diese Ruhe
und Gemessenheit ist zu bewundern";
NachtwächterGoti fr ied im „Kirch»
tag zu Petersdorf", der Souf f leur in
Meisl 's „Benesizvorstellung". Fabian
in «Fee Sanftmuth. Fee Gallsucht",
Knokerl in „Fiaker als Marquis", der
Regimentstambour in „Iulerl, die
Putzmacherin". StrumpfwirkerWür-
fel in „Der Loopoldstag", eine Rolle,
welche ihm Keiner nachspielte; Herr von
Spr inger l in „ Fleisch Hauer aus Oeden-
bürg", Herr von Hirschkopf in
„Hans in Wien", Tancredi im trave»
stirten „Tancred", wo er die damals so
beliebte Madame Borg ondio in Gang,'
Haltung, Ton und Geberde mit einer
Meisterschaft ohne Gleichen copirte;
Schieber! in „Die Heirath durch die
Güterlolterie". der Bediente Wiesel
16"
back to the
book Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Schrötter-Schwicker, Volume 32"
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Schrötter-Schwicker, Volume 32
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Schrötter-Schwicker
- Volume
- 32
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1876
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 406
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon