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Schwaymann 344 Schwarz mann
später zu anderen nach Landeck und end«
lich im Alter von 44 Jahren zu einem
entfernten Verwandten, dem Decora.
tionsmaler Schön Herr. nach München
in die Lehre. Nach einem Aufenthalte
mehrerer Jahre bei Letzterem begab er
sich 1827 als Malergehilfe nach Wien.
wo er drei Jahre verweilte. Das Auf»
blühen der Kunst unter' König Lud«
wig I. führte ihn 4830 wieder zu
Schönherr nach München zurück, wo
sich ihm nun Gelegenheit bot. seine'Kunst>
fertigkeit in einer weit über die Scha»
blone hinaus sich erhebenden Weise zu
erproben. Schönherr hatte unter Hein«
rich Heß die Ausführung des decorati»
ven Theils der Ausschmückung der Aller»
Heiligen-Hofkirche übernommen, da er
sich aber in den romanischen Styl nich-t
finden konnte, hauptsächlich Schwarz»
mann bei dieser Arbeit verwendet, der
auch nach Schön Herr's bald darauf
erfolgtem Tode das bereits Begonnene
unter Heß weiter fortsetzte und vollen»
dete. Bei dieser Gelegenheit lernten ihn
Klenze und bald darauf auch Gart«
ner kennen, welch Letzterer ihm schon in
kurzer Zeit darnach die Ausschmückung
des Kissinger Cursalons übertrug. Von
nun ab verwendeten ihn die genannten
beiden hervorragendsten Architekten der
König Lud w ig'schen Periode ausschließ-
lich und rühren alle Decorationsarbeiten
in den Monumentalbauten des Königs
von Schwarzmann in selbstftändiger
Ausführung her, nämlich jene in der
Ludwigskirche, in beiden Pinakotheken,
im Treppenhause der Staatsbibliothek,
in der Bafilica, theilweise in der könig»
lichen Residenz und im sogenannten Wit>
telsbacher Palast. Später übertrug ihm
König Ludwig die Ausführung des
Pompejanischen Hauses und des Domes
in Speyer, mit welch letzterem er sich ganz besonders die Zufriedenheit seines
hohen Auftraggebers, deS Königs Lud«
wig erwarb. I n der Zwischenzeit voll»
endete S. die Synagoge in Mannheim,
besuchte Italien, in Gär tn er's Gefolge
auch. Griechenland, wo er mit der Leitung
der.Arbeiten des Königsbaues in Athen
über ein halbes Jahr beschäftigt war.
Gleichzeitig in Zwischenpausen mit den
bisher angeführten Arbeiten führte S^
allenthalben in Deutschland und den
angrenzenden Landern derartige Aus»
schmückungen, namentlich in Kirchen aus
— eine Thätigkeit, für die er eine Haupt«
Vorliebe zeigte. Es dürften hundert und
wohl noch mehr Kirchen in Bayern und
auswärts sein, welche alle S. mehr oder
weniger reich, aber immer i:i höchst ent-
sprechender Weise mit seinen Decoratio-
nm geschmückt hat. Leider gelang es -
allen meinen Bemühungen nicht, die
Namen jener Kirchen' zu erfahren, in
denen S. gearbeitet. Er bekundete darin
ebenso große Erfindungsgabe, als einen
geläuterten Geschmack und feinen Far-
bensinn, und steht, da er in seinen Arbei-
ten keine Vorbilder hatte, in diesem
Kunstzweige als Bahnbrecher da. Nach
dem Tode des kunstsinnigen Königs
Ludwig I., bei der geringen Neigung
des Königs Maximi l ian und der
ganzlichen Abneigung des jetzt regie«
renden Königs Ludwig I I . zu monu»
mentalen Bauten, war dem Schaffen
unseres Künstlers eine natürliche Grenze,
gesteckt. Die Decoration d.eS Maximilia»
neums, einiger Kirchen, der Synagoge
zu Mannheim, dann hin und wie'der die
reichere Ausschmückung eines Bahnhofes,
wie z. B. jener zu Kissingen, Würzburg,
dann einzelner, für den Hof bestimmter
Salons in Bahnhöfen, endlich einiger
Schlösser — hauptsächlich seinem, vor
mehreren Jahren verstorbenen Freunde,
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Schrötter-Schwicker, Volume 32
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Schrötter-Schwicker
- Volume
- 32
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1876
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 406
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon