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Seyfried) Ignaz 178 Seyfried) Ignaz
schen Clavier-Compositionen die Musik
zu dem Drama „AhasveruS" zusammen,
und erlebte damit einen überraschenden
Erfolg, dann bearbeitete er auf Grund
Haydn'scher Motive die Operette
,Nie Gchzenmenmtte". deren Hauptperson
Haydn selbst ist. Bei der ersten Vor-
stellung dieses letztgenannten Werkes
befiel ihn wahrend der Aufführung ein
solcher Anfall seines Magenleidens, an
dem er seit langem, ohne Heilung zu
gewinnen, schwer litt, daß er ohnmächtig
nach Hause gebracht werden mußte.
Aber die Beweise der Theilnahme, die
ihm von allen Seiten wurden (l823),
zeigten ihm auch, in welcher Gunst er im
Publikum sich befand. Achtundzwanzig
Jahre hindurch, bis 1823. blieb er
in der genannten Stellung unter allen
Wechseln der Direction (Schikaneder.
Zitterbarth, Baron Braun, Konsor-
tium der Kavaliere. Graf Pälffy und
HenSler). Als aber im Jahre 1823
die Verhältnisse des Theaters an der
Wien sich der Oper minder günstig er-
wiesen, trat er auS, und in die eben nicht
sehr verlockende Bahn des Musiklehrers,
natürlich nicht in den Elementen, sondern
zur letzten oder doch höheren Ausbildung
kunstbeftiffener Talente, in welcher Siel-
lung er manches tüchtige Talent heran-
gebildet, das seinem Lehrer Ehre machte.
Seine Hoffnung, nach Sal ier i 'S Tode
die durch das Vorrücken Eybler'S er«
ledigte Vice»Hofcapellmeiftersstelle zu er»
halten, war nicht in Erfüllung gegangen.
Die Muße, die ihm nach ertheilten Unter«
richtsstunden übrig blieb, widmete er
nun Compositionen in vorherrschend.kirch»
licher Richtung, darunter vor allem die
„Hll'ssa 6o?snns5" zu erwähnen ist,
welche er zur Feier der Primiz seines
Sohnes Leopold. CapitularS des
Melker Stiftes, zur Zeit Subprior da< selbst, geschrieben. Die Gesammtzahl
seiner Compositionen umfaßt 26 große
Opern. 20 Operetten. 3 biblische Dramen.
24 Melodramen, über 200 einzelne
Musikstücke zu Opern und Schauspielen;
ferner 13 Messen, 4 Requiem, 17 Gra«
duale, 18 Offertorien und sonst noch
eine ansehnliche Menge von anderen
Compositionen für Concerte und Kirche.
Außerdem sind noch erwahnenswerth
seine Ausgaben von Beethoven's
„Studien", Preindl 's «Musik«Ton-
schule" und Albrechtsberger'S
„Sämmtlichen Schriften". Zugleich war
S. als musikalischer Schriftsteller thätig.
Er veröffentlichte meist anonym oder
doch Pseudonym Beurtheilungen über
künstlerische Leistungen und Werke, Ar»
tikel für daS ConversationS - Lexikon
der Tonkunst", deren kleinster Theil mit
seinem Namen bezeichnet ist, Berichte und
Correspondenzen für die „Leipziger all«
gemeine musikalische Zeitung", welche
durchgehends ohne seinen Namen gedruckt
erschienen, und zu deren Autorschaft er
sich unter keiner Bedingung, obgleich die»
selbe ein offenes Geheimniß war, be«
kannte. I n allen diesen mehrere Jahre
hindurch sich fortsetzenden Artikeln sind
ein reicher Schatz treffender Bemer-
kungen und den Gegenstand gründlich
erfassender Urtheile, ferner in Biogra»
phien zuverlässige Beitrage zu einer
österreichischen Geschichte der Tonkunst
u. s. w. niedergelegt. Auch redigirte er
durch Fünfvierteljahre die „Musikalische
Zeitung", welche in den Jahren 1819
big 1820 in Wien herauskam. Noch ist
sein Aufsatz in der Cacilia „Selbsterfah-
rungen auf Berufswegen" sBand XI I I
(1831), Seite 233^ in Erinnerung zu
bringen. Diese seine Wirksamkeit in
verschiedenen Richtungen für seine Kunst
wurde in mannigfacher Weise gewürdigt.
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Seidl-Sina, Volume 34
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Seidl-Sina
- Volume
- 34
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1879
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 402
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon