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Seyfried) Ignaz 179 ) Ignaz
Der König Friedrick Wi lhe lm I I I .
verlieh ihm für die zum Reformations
feste componirte Iubelhymne die goldene
Medaille für Kunst und Wissenschaft,
von anderen Regenten und fürstlichen
Häuptern erhielt S. für seine Arbeiten
werthvolle Andenken, die Gesellschaft der
Musikfreunde des österreichischen Kaiser»
siaates in Wien ernannte ihn 4826 zum
Ehrenmitgliede, der Musikverein zu
St. Anna zum außerordentlichen Mit
gliede. Der Reigen der Mitgliedschaft
von Musikvereinen war eröffnet, es
folgten nun in kürzeren oder längeren
Pausen Gratz. Stockholm, Rotterdam,
Paris, Prag, Preßburg und viele
Andere, deren Verzeichniß er mit der
Ruhe eines Weisen noch auf dem Sterbe«
bette niederschrieb. Seltsamer Con«
traft, angesichts der Pforten des Todes
das Aufzeichnen solcher Nichtigkeiten!
S. hat auch seine eigene Biographie
geschrieben, und auS diesen Aufzeich»
nungen schöpfte Dr. Aug. Schmidtdie
ausführliche LebenSskizze, welche er in
den „Denksteinen" mittheilte. Die Auto»
diographie selbst hatte S. noch auf dem
Sterbebette an seinen Freund, den Kunst.
Händler Tobias H aSlinger, übersendet.
WaS seine Wirksamkeit und seine Siel-
lung im Gebiete der Tonkunst anbelangt,
so ist er nach mehreren Seiten, u. z. als
Dirigent, als Lehrer und Componist, in's
Auge zu fassen. Als D i r igent , so
umsichtsvoll und steißig er sein Orchester
und Gesangspersonale leitete, stand ihm
doch jener Mangel an Energie entgegen,
der sich auch an dem Menschen kundgab,
denn S. war nichts weniger als eine
starke, energische Natur. Daher seine
Scheu, sich in seinen Referaten zu nen>
nen. oder überhaupt feine kritische Autor«
schaft zuzugeben. Als Lehrer war er
vorzüglich, sein Unterricht war klar, bestimmt, leichtfaßlich. in seinem Wissen-
vielseitig, vermochte er auch seinem Vor«
trage jenen Charakter zu verleihen, wo«
durch er seine Schüler ebenso fesselte, wie
anregte. Dabei war er sympathisch in
seinem Wesen, so daß der Verkehr der
sich zwischen Schüler und Lehrer an»
knüpfte, sich oft über die Zeit hinaus
erhielt, nachdem dieses Lehrverhältniß
langst gelöst war. Er hatte eine ansehn»
liche Schaar Schüler, unter denen sich
berühmte Namen von Nahe und Ferne
befinden, gebildet ssehe S. 187 die Lifte
seiner Schülers. Als Componist end»
lich. nimmt S. in einer Zeit musikalischer
Wirrnisse, in welcher Zeit ficv Altes und
Neues befehden, eine vermittelnde Stel«
lung ein. Er war ungemein fruchtbar,
trug einen fast unerschöpflichen Fond an
Mateciale in sich, schuf in Folge seines
andauernden Fleißes und Thätigkeits-
triebes viel, und immer wieder, aber
doch nichts eigentlich Großes, wozu seine
über daS Normalmaß gar nicht angelegte
Natur auch nicht fähig war. Hingegen
war. was er schuf, gefällig, enthielt
manchen bedeutenden Gedanken, und
genügte immer den bescheidenen Anfor-
derungen seiner Zeit. Es gibt keinen
Zweig der musikalischen Composition, in
welchem er sich nicht — und mit Geschick,
ja, in der Kirchenmusik sogar mit sehr
glücklichem Erfolge versucht hatte. Als
Theatercomponist grenzt die Zahl
seiner Compositionen — wie dieß auS
der unten folgenden Uebersicht seiner
Tonwerke ersichtlich — an'S Unglaub«
liche. Wirklich Großes, Bedeutendes
befindet sich darunter wohl nicht, aber
sehr viel Gefälliges. Ansprechendes, und
m Komischen gar Manches, waS sich
heute ebenso gut verwerthen ließe, wie
daS aus der Fremde Herbeigeholte. Es
st ein Unrecht, daS ihm zugefügt wird,
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Seidl-Sina, Volume 34
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Seidl-Sina
- Volume
- 34
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1879
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 402
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon