Page - 193 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Seidl-Sina, Volume 34
Image of the Page - 193 -
Text of the Page - 193 -
Seyler, Karl 193 Seyler, Karl
in derselben, machte aber zu gleicher Zeit
den üblichen Schulbesuch durch. Im
Jahre 1334. damals 19 Jahre alt. aber
bereits tüchtig musikalisch vorgebildet,
begab er sich nach Wien und nahm dort
bei Ignaz Ritter von Seyfr ied, der
damals als Lehrer großen Ruf besaß und
viel gesucht war, Unterricht in der Com-
Position und war zugleich in seiner An-
stellung im Orchester des Kärnthnerthor-
Thearers thatig. Als einige Jahre
später. 1841, sein bereits greiser Vater
die Stelle als Regenschori am Graner
Dome niederlegte, wurde sein Sohn
Kar l als Nachfolger auf diesem Posten
berufen, welchem er sofort Folge leistete
und ihn bis zur Stunde versieht. Ka r l
S ey l e r's Leben geht nun ganz in Musik
und zunächst in der herrlichsten Richtung
derselben, in der kirchlichen, auf. Daß er
sich diesen wenig dankbaren Zweig der
Tonkunst zu besonderer Pflege erwä hlt
mag auch die nächste Ursache davon sein,
daß Sey l er's Namen über den kleinen
Kreis der Auserwählten. welche der
gleichen Richtung huldigen, nur wenig
bekannt geworden ist. Die Zahl seiner
Werke — von denen auf Seite 194 eine
Uebersicht der bisher im Drucke er«
schienenen folgt, ist ungemein groß. und
dürfte uhne Uebertreibung mehrere Hun-
derte übersteigen. So z. B. hat S.. ohne
die kleinen Votiualmeffen für den tag»
lichen Gebrauch am Graner Dom zu
rechnen. 30 große Messen componirt. von
denen jedoch nur etwa zehn im Drucke
erschienen sind. Außerdem schrieb er
seit Jahren alle Musik, die nur in der
Kirche vorkommt, was theilweise durch
seine Stellung am Dome veranlaßt
wird, woran aber auch der verstor-
bene PrimaS, der Cardinal Grzbischof
Sci towsky von Nagy-Ke-r. nicht un-
wesentlichen Antheil hatte, da unter dem- selben an und für sich ungewöhnlich viele
Festlichkeiten vorkamen, und der Car-
dinal nebenbei jede Gelegenheit benutzte,
deren zu veranlassen, wozu dann O. vou
dsm musikliebenden Kirchenfürsten stets
aufgefordert wurde. Neues, besonders
aber Chöre fürdie Alumnen des erzbischöf«
llchen Seminars zu componicen. Von
diesen Letzteren fanden insbesondere große
Anerkennung die vielen Chöre, welcke
S. zur Einweihung des Graner Domes
geschrieben, bei welcher bekanntlich Liszt
seine große Messe, die er selbst dirigirte,
zur Ausführung brachte, während daS
dabei vorgetragene 's6 Oeuu^ Graduale
und Offertorium Comvositionen Sey-
ler's waren. Eberiso bekam S.'s Talent
Anlaß zu manchen Werken durch die
vielen Bischofsweihen, welche an der
Graner Domkirche, als der Reichskathe.
drale, vorkamen, so daß er bei diesen
Gelegenheiten dann immer entweder ein
neues „Noo<3 öHceräos uia^nuZ" zum
Eintritte des Bischofs in die Kirche, oder
ein neueS / I^D^mn lg.uag.iuu8" schrieb.
Bei S.'s unwiderstehlichem Hange zur
edlen Tonkunst erklärt sich denn auch leicht
— obgeich es an dem kleinen, sonst wenig
besuchten Orte an jeder Aufmunterung
und im Ganzen auch an dem rechten Ver>
siändniß dieser Kunst gebricht — die
große Menge seiner Tondichtungen, von
denen er freilich bei dem völligen
Mangel an sonstiger Mitwirkung, da zu
Versuchen und Proben, außer denen bei
kirchlichen Aufführungen, die Mittel und
auch sonst Lust und Liebe fehlen, die
meisten nur mitden Augen hören kann.
Um in dieser Richtung einigermaßen die
Lücke auszufüllen, hat es S. den Vir-
tuosen nachzumachen gesucht, >md von
Zeit zu Zeit Neisen in's AuSland unter-
nommen, auf welchen er seine größeren
kirchlichen Tonwerke den Freunden und
a
ck.biogr.
Lcrikon. XXXlV. ^Wedr. 3l. Mai l577.) 13
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Seidl-Sina, Volume 34
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Seidl-Sina
- Volume
- 34
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1879
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 402
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon