Page - 220 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Seidl-Sina, Volume 34
Image of the Page - 220 -
Text of the Page - 220 -
Sidsli 22« Sidoli
schickte er mit dieser ohnehin höchst gerin
gen Baarschaft seinen hoffnungsvollen
Sohn nach Mailand, wo er in einer
Pension untergebracht wurde, und im
Jahre 1827. also damals gerade 15 Jahre
alt. den Besuch der Brera begann, an
welcher zu jener Zeit Carlo Amat
I'Bd. I, S. 26^ als Professor der Archi-
te'ctur thatig war. Amat i , in der alten,
starren, akademischen Richtung befangen.
übte auf S. geringen Einfluß. Dieser
trieb mit allem Eifer das Studium der
architektonischen Ordnungen und aller
anderen, mit diesem Hauptgegensiande
verwandten Disciplinen und mit so gutem
Erfolge, daß er schon im dritten Jahre
seiner akademischen Lehrzeit (1830) die
silberne Medaille in den Elementen der
Arckitectur erhielt, eine zweite im folgen
gen Jahre im Perspectivzeichnen. Als
im Jahre l834 Giuseppe Gi ro t t i einen
Iahrespreis für die von der Akademie
anerkannt beste Arbeit in den verschiedenen
Kunstzweigen gestiftet und dieser im Jahre
1833 auf die Architecturzeichnung siel.
gewann S ido l i denselben mit der ge>
lungensten Ausführung des als Preis-
aufgäbe gestellten großartigen Mauso-
leums. Und im nächsten Jahre trug er
wieder mit einem ähnlichen Gegenstände
im großen, von der Akademie ausge
fchriebenen Concurse den ersten Preis
davon. Unter so günstigen, vielverspre«
chenden Verhältnissen beendete S. seine
akademische Laufbahn. Kaum aber war
dieß geschehen, so legte sich der dreiund.
zwanzigjährige Jüngling, der in der
Kunst alle Fesseln abgestreift und seinen
nickt gewöhnlichen GeniuS frei walten
ließ, die Fesseln der Liebe auf. indem er
die anmuthige und heitere Rosa S io l i
zu seiner Lebensgefährtin machte. Um
diese Zeit kam die Frage der Errichtung
eines monumentalen Friedhofes in Mai. land in der dortigen Commune auf die
Tagesordnung und wurde im Juni 1838
der Preis von Einhundert Sovereigns
in Gold für den besten Entwurf eines
OHinpo L3.nto fürMailand ausgeschrieben.
Dabei gab es mancherlei und nicht leicht
zu besiegende Bedingungen, die Anlage
und die Summe betreffend, welch letztere
die Commune dieser Schöpfung zu wid-
men ausgesprochen hatte. Fünfundzwan-
zig Bewerber, darunter Namen auf dem
Felde der Architectur vom bestem Klänge,
waren aufgetreten und nachdem nach
vielen Verhandlungen man sich zunächst
für zwei Entwürfe, deren einer von
Alv iset t i , der andere von S ido l i
herrührte, entschieden halte, wußten In>
trigue und andere unsittliche Mittel dahin
zu wirken, daß man Sidoli 'S Entwurf,
obwohl er zweifelsohne der in jeder Hin»
sickt gelungenste war, bei Seite schob und
die Angelegenheit einstweilen liegen ließ.
S ido l i nahm sich dieses ecbärm-liche
Gebaren tief zu Herzen, und von da ab
griff er zu verwerflichen Mitteln, seinen
Unmuth zu betäuben. So blieben die
Dinge, bis ein neuer.Gemeinderath ge-
wählt wurde, worauf nun Bartolomeo
Sa ld in i , Redacteur des „Hiornais
äsU' InFOFnerft arcliitetto", die Sache
in die Hand nahm, den Entwurf Sido-
li'S in sechs großen Tafeln stechen und
unter seine Abonnenten, wie auch sonst
noch im Publikum vertheilen ließ. Die
Wirkung blieb nicht auS. Alles lernte
nun Sidol i 'S wohlerwogene Entwürfe
kennen. Er hatte zu diesem Zwecke ganz
Italien bereist, um die Friedhöfe der
anderenStädte in Augenschein zu nehmen,
mit dem ganzen Detail der Anlagen
vertraut zu machen, und so, nicht etwa
leine Phantasie mit den Keimen der Phan-
-asten Anderer zu befruchten —- Sidol i 's
Phantasie, wie seine zahllosen Arbeiten
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Seidl-Sina, Volume 34
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Seidl-Sina
- Volume
- 34
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1879
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 402
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon