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Siegel, Heinrich 248 Sieges Heinrich
galt. ein Berufästudium zu wählen, ließ
sich S. im Herbst 1869 als Jurist imma-
triculuen. Im folgenden Jahre bezog er
die Universität Bonn, daselbst aroeite:e
er eine von der Heidelberger Juristen»
Facultat aufgegebene Preisfrage deutsch'
rechtlichen Inhaltes aus. und wurde die»
selbe, als S. im Jahre 1831 wieder an
die heimatliche Universität zur Fortsetzung
feiner Studien zurückgekehrt war, mit dem
Preise gekrönt. Dieser Umstand sollte
fm den weiteren Gang und die Gestal-
tung seines Lebens von entscheidender
Bedeutung werden. Die begonnenen
Studien wurden fortgesetzt und noch als
Studiosus übergab S. die nunmehr um-
gearbeitete und erweiterte Preisfchrift als
selbstständiges Buch: „Nu5 deutsche Erb-
recht", der Oeffentlichkeit. während er
gleichzeitig zum Entschlüsse gekommen
war. seinen künftigen Beruf in der aka-
demischen Laufbahn zu suchen. Nm die
Ausführung dieses Beschlusses zu beschleu-
nlgen< verließ s. sein eigenes Vaterland
und begab sich an die hessische Hochschule
Gießen, wo damals die juristische Facul»
tät eine durchgreifende Erneuerung er-
fahren hatte. Nachdem er daselbst am
30. November 1832 den Doktorgrad er»
worden hatte, wurde ihm schon im nach-
sten Jahre die Veniu. loFQnäi für deut-
sches Recht zu Theil. Jedoch die mit
jedem Jahre drückender werdende Stel-
lung eineS Priuatdocenten empfand auch
Siegel, und umsomehr. als damals
die Regierungen noch keinerlei Vcrpfiich-
tung gegenüber diesem Stande kannten,
und es üderdieß sich herausstellte, daß so
manche protestantische Universität 'dem
Katholiken verschlossen sei. Inzwischen
(1833) war in Oesterreich unter dem
Ministerium Leo Thun für die rechts-
und siaatswissenschaftlichen Facultäten
eine den deutschen "Einrichtungen ent- sprechende Studienordnung erlassen wor-
den, welche mit dem Jahre 1838 auch in
dem Prüfungswesen ihre volle Verwirk»
licbung finden sollte. Mit Rücksicht dar-
auf wurde für die Wiener Universität
eine doppelte Besetzung der Lehrkanzel
für deutsches Recht in Ausficht genom-
men und im Sommer erging an Siegel
der Ruf. eine außerordentliche Professur
für deutsche Reichs- und Rechtsgeschichte
und deutsches Privcitrecht daselbst zu
übernehmen. Die kaiserliche Ernennung
erfolgte am 18. October, und seitdem
lehrt Siegel , der im Jahre 1862 in
Folge einer Berufung nach Tübingen
zum ordentlichen Professor befördert
wurde, an der Wiener Hochschule das
deutsche Recht. Indessen hatten auch die
schriftstellerischen Arbeiten S.'s die Auf.'
merksamkeit der staatSwifsenschaftlichen
Kreise auf den jungen Gelehrten gerich»
tet, und so fand im nämlichen Jahre, in
welchem die von ihm abgelehnte Beru>
fung,nach Tübingen erfolgt war, feine
Wahl zum correspondirenden Mitglied
der philosophisch.historischen Classc der
kaiserlichen Akademie der Wissenschaften
Statt, welche auch am 14. Juni 1862
genehmigt wurde. Am 24. Juni 1863
wurde er wirkliches Mitglied, im Jahre
1873 erster Vice-Präses der rechtShistori<
schen Staatsprüfungs - Commission in
Wien, welcher er schon seit seiner Ernen»
nung zum Professor als Mitglied angehört
hatte. 1874 Secretar der philosophisch-
historischen Classe, und 1875. nach dem
AblebendesHofrathesSch rö tterRitter
von Cri stellt, dessen Nachfolger in der
Stelle des GeneralsecretarS der kaiser«
liehen Akademie der Wissenschaften. Durch
seine Wahl in die kaiserliche Akademie der
Wissenschaften bot sich S. Gelegenheit,
der von ihm vertretenen Wissenschaft den
einen und anderen Dienst zu leisten durch
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Seidl-Sina, Volume 34
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Seidl-Sina
- Volume
- 34
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1879
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 402
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon