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Siegl, Johann 230 Sieg!) Johann
Erinnerungen sBd. XV, S. 390 und
Bd. III, S. 235^ gewidmet hat.
Dr. Czubtrka'ö Oesterreichischer Studenten-.
Kalender (Wien, Fromme. Z2<>.). 3. Jahrg.
(1868).
Siegl, Ioh. (Organist und C 0 m-
positeur, geb. zu Mahrisch'Neustadr
im Jahre l82l). Sein Vater gleichfalls
Johann, war Schullehrer und zugleich
ein tüchtiger MustcuS, der den ersten
musikalischen Unterricht seines Sohnes
persönlich leitete. Spater ging dieser
nach Wien. wo er sich in der Kunst deS
Orgelspiels theoretisch und praktisch aus«
bildete. So tüchtig geschult, erhielt er
im Jahre l846. nach vorangegangener
Concursprüfung, in welcher er über alle
anderen Mitbewerber den Sieg davon»
getragen, an der Stadtpfarrkircke zu
St. Jacob in Brunn die Organistenstelle.
Auf diesem Posten wirkr er zur Stunde
noch im Geiste eines Mannes, der keinen
Stillstand kennt, sondern auch in der de-
scheidensten Slelwng, die er einnimmt,
mii der Zeit fortschreitet und alleS. waS
in sein Facl) einschlägt, mit Elfer und
Sachkenntniß verfolgt und verarbeitet.
War schon seine Jugend eben keine
rosige, da er, nachdem er daS Vaterhaus
verlassen, sich durch Drangsale und Ent-
behrungen durchkämpfn mußte, so hatte
dieß seinen Geist nicht niedergebeugt, viel»
mehr seinen Sinn gestählt und ihn die
Wahrheit der alten Devise: „Durch
Kampf zum Licht" erkunden lassen. Ging
er auch dem Broderwerbe nach, bloßes
Handwerkern war nicht seine Art, er
studirte fleißig weiter und machte syste-
matisch mit den classischen Werken eines
Koch, Händel u. A. sich bekannt und
so in gediegener Weise sich selbst fort«
bildend, trug er das Durchgearbeitete
auch feinen zahlreichen Schülern vor und
wirkte so als Lehrer in wohlthätigster, fördernder Weise. Denn die Muße seines
irufeS als Organist benützt S.» um
Clavierstunden zu geben, und bald war
S. der gesuchteste, weil gediegenste Cla>
vierlehrer Brunn's. Aber nichts weniger
als einseitig, lernte er nicht allein die
alten Meister kennen, auch die neueren
unterzog er seinem sorgfältigen Studium,
dabei sammelte er fleißig die Meister-
werke der Tonkunst aus den Gebieten
der Kirchen« und Kammermusiken, ferner
die wichtigsten, auf seine Kunst Bezug
habenden theoretischen und geschichtlichen
Werke, so daß er in feiner musikalischen
Bibliothek einen bei Privaten nicht hau-
ßgen Schatz besitzt. Als Organist steht
S., wie sein Biograph schreibt, in Brunn
ohne Rivalen da, aber auch unter den
bedeutenderen Orgelspielern Oesterreichs
und Deutschlands behauptet er einen
hervorragenden Platz. Alljährlich in der
Fastenzeit führt er in der St. Jacobs»
kirche eine Reihe großer berühmter Orgel-
stücke vor, bewahrt so daS lebendige
Andenken der großen Meister seiner
Kunst und ist für Pflege und Förderung
guter Kirchenmusik hochverdient. Aber
auch in der Hausmusik stellt er seinen
Meister und ist in Brunn allgemein be>
kannt als einer der tüchtigsten Reprüsen»
tanten und Förderer gediegener Kammer«
musik. S. lst auch als Componift ge«
schätzt, wenngleich seine Werke nicht durch
den Stich veröffentlicht sind. Er hat
Mehreres für sein Lieblingsinstrument,
die Orgel. u. z. theils für sie allein, theils
aber für dieselbe mit Gesang componirt
und wiederholt zur Aufführung gebracht,
waS. wie sein Biograph bemerkt, „von sei»
ner gediegenen.musikalischen Nildung und
höchst achtbarer Schöpfungsgabe zeugt".
d'Eluert (Christian Ritter), Geschichte der
Musik in Mähren und Oesterreichiich'Schlesien
(Brünn «573, gr. 3".) Anhang, 3. 174.
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Seidl-Sina, Volume 34
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Seidl-Sina
- Volume
- 34
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1879
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 402
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon