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Sigmair 272 Sigmund
tor, dann dem Nikolaus Am Hof zu
Niederndorf, dem Joseph Leitgeb vom
Pfafftngerhofe in Anthorz. auch Peter
Sigmair , der Sohn deS Tharerwirthes
zu Mitteralang, Georg Sigmai r .
Pe te rS igma i r hatte sich geflüchtet;
sein Vater Georg, ein Greis mit Silber-
haaren, den schon sein Alter gehindert,
am Aufstande theilzunehmen, wurde am
Thomastage sti. December) 1809 zu
Bruneck verhaftet, weil fein flüchtiger
Sohn Peter, welcher Oberlieulenant in
der Compagnie des HauptmannS Zeller
von Neunhäusern gewesen, und über-
dieß beschuldigt war, Ordonnanzen beför«
dert zu haben, nicht gefunden und ver>
haftet werden konnte. Der französische
General B roussier gab die kategorische
Erklärung, daß der alte Georg Sig«
mair erschossen werden sollte, wenn sich
der Sohn Peter nicht innerhalb drei
Tagen stellen werde. Kaum war dem
Sohne die Gefahr, in welcher des VaterS
Leben schwebte, zu Ohren gekommen, als
er, ohne sich ;u besinnen, sein sicheres
Versteck verließ, und sich — seiner Kin-
despflicht eingedenk — den französischen
Vergewaltigein stellte. Der Greis war
nun gerettet) Peter aber wurde in
Ketten geschlagen, und nach Botzen ab»
geführt. In den ersten Tagen des
Monats Jänner l8lO wieder nach
Bruneck zurückgebracht, wurde er dort
einige Zeit im Gefängniß gehalten, dann
wurde ihm daS TodeSurtheil mit dem
Beisatze angekündigt, daß er vor dem
Tharerhause in Mitteralang. also vor
der Wohnung seines Vaters erschossen
und dann sein Körper zum Schrecken
der Gegend an einen Galgen aufgehängt
werden solle. Vergebens warf sich S.'S
junge Frau zu Füßen deS feindlichen
Commandanten, vergebens flehten die
kleinen Kinder den General um das Leben ihres Ernährers, ohne Erbarmen
befahl er den Vollzug des Todesurtheiles,
welches auch am zweiten Sonntage nach
Neujahr, am Namen Iesu.Feste voll«
zogen wurde. Die einzige Begünstigung,
welche von dem, den Verurtheilten biS
zum Tode begleitenden Priester Franz von
Mör l erwirkt wurde, bestand darin,
daß die Execution nicht vor dem Wohn«
hause des alten Vaters, sondern vor
dem Baumgartnerhause zu Mitteralang
Statt hatte. An der Stelle, wo diese Un-
that geschah, erhebt fich nun eine Kapelle,
an deren Mauer diese Gewaltthat der
Franzosen zu bleibendem Gedächtniß an
die an der Spitze der Civilisation schrei«
tenden Franzmänner bildlich dargestellt
und noch heute zu sehen ist. Peter
S igmai r starb im Alter von 36 Jahren
diesen erhebenden Tod auS Kindesliebe,
und dieses Märtyrthum eines Sohnes«
Herzens verdient der Vergessenheit ent»
rissen zu werden. Ein Poet Namens
M. Beyrer hat diese Heldenthat des
SohneS, die mit jeder Waffenthat auf
dem Schlachtfelde wetteifert, in einigen
Versen verherrlicht.
Staffier (Ioh. Iac.), Das deutsche Tirol
und Vorarlberg, topographisch mit geschicht»
lichen Vemetkungen u. s. w, (Innsbruck
1847, Felic. Rauch, ä".) Bd I I , S, 337.
Sigmund von Ilauor, Karl Ludwig
Ritter (Arzt und Fachschriftstoller,
geb. zu Scd äß bürg in Siebenbürgen
27. August 1810). Der altere Sohn des
1842 verstorbenen Denndorfer Pfarrers
Michael Sigmund; die unteren Schu«
len und das Gymnasium besuchte er m
seiner Vaterstadt und in Klausenburg, dar-
auf trat er in die medicinisch, chirurgische
Iosephs.Akademie in Wien. in welcher
er den chirurgischen Doctorgrad nebst
dem Magisterium der Augenheilkunst und
Geburtshilfe, dann im Jahre 1837 an
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Seidl-Sina, Volume 34
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Seidl-Sina
- Volume
- 34
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1879
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 402
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon