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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Sinacher-Sonnenthal, Volume 35
Page - 169 -
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Page - 169 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Sinacher-Sonnenthal, Volume 35

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Smetana, Augnstm 169 Smetana. Augustiu Kirche freier zu athmen und ihr bis dahin gelähmter Einfluß zu erstarken begann, ' in Folge deffen die Mahnbriefe seiner Airchenoberen immer dringender und dro» hender wurden, ihm endlich ein Freund die verbürgte Nachricht überbrachte, daß die Geistlichkeit entschlossen sei, sich der weltlichen Obrigkeit zu bedienen, um den abtrünnigen Sohn der Kirche mit Ge» walt in's Kloster zurückzubringen, da wurde S. zur Entscheidung gedrängt. S.'s Besorgniß wuchs, Versetzung in eine entfernte Provinz, so wenig angenehm, wäre nicht das schlimmste gewesen, waS ibn bedrohte, er besorgte eine In« ternicung, ja wohl gar Haft im weißen Thurme auf dem Hradschin, dem geistli- chen Correctionshause. Um das ihn be> drohende Unheil mit einem Schlage zu pariren, gab er am 23. März 1830 sofort in dem von ihm redigirten Blatte die öffentliche Erklärung ab, daß er „in Folge sciner Ueberzeugung uon der Unhaltbar» keit des katholischen Lehrbegriffs aufge- hört habe. Priester und Mitglied des Kreuzherrenordens zu sein". Das Auf- sehen, welches diese Erklärung allgemein hervorrief, war sehr bedeutend, AlleS wollle die Zeitungsnummer, welche dieses interessante Actenstück enthielt, besitzen. Die Folgen brachen auch ungesäumt über ihn herein, und von jener Seite zuerst, von welcher S. einen solchen Schritt am wenigsten erwartet hatte. Das Redao tionS-Comitü der Zeitung, an welcher S. bisher gearbeitet, schickte ihm seine Entlassung. Während ihn Freidenkende einen Märtyrer priesen, hielten sich Be> kannte und selbst Freunde unter dem da» maligen Drucke von ihm fern und miß- billigten diesen Schritt. Aber auch die Ercommunication ließ nicht lange auf sich warten: am 23. April 1839 wurde der Kirchenbann über ihn feierlich aus» gesprochen. Hatte S. dieß auch voraus» gesehen, ja voraussehen muffen, so war bei den obwaltenden Verhältnissen dieses Ereigniß von schwerster Bedeutung. Sme- tana's beide Eltern waren noch am Leben. Der Vater, ein ergrauter Kirchen» diener, muß das Blatt, daS seines eige- nen Kindes kirchlichen Fluch enthielt, aus- theilen; und die Mutter, eine alte gebro- ckeneFrau, ein „Licktelweib", muß hören, daß ihr liebster Sohn. ihr Stolz, ihre Seelenfreude, als ein Ketzer, als ein Ab« trünniger von der Kirche verdammt wird. Smetana selbst aber, von Jugend auf durch jahrelange Entbehrungen, Nacht» wachen und .Nummer über die Tücken des Schicksals, die ihn zu verfolgen nie nach» gelassen hatten, seit Jahren schwächlich, ja leidend, fühlte nun erst recht die An» zeichen eines lasch fortschreitenden Brust» leidens, daS die Aerzte für unheilbar er» kannten und nur durch eine Luftverände- rung in seinem zerstörenden Fortgange einigermaßen aufgehalten werden könnte. Dieser sichtbare Verfall des Körpers diente ader fanatischen Clericalen dazu, Smetana als warnendes Beispiel hin» zustellen, wie schon hier auf Erden dem Abfalle von der Mutterkicche die Strafe auf dem Fuße folge. So wurde S. der Gegenstand eines pathologischen Pro- cefsrs, das Uens tolcel u^kräliu. ortho- doxen Fanatismus. Wenn nicht das Leben des stillen bescheidenen Forschers ohne Makel gewesen wäre, es wäre um ihn geschehen gewesen, so aber waren es nur seine Schriften und Artikel, an die man sich klammerte, die ihn als einen vom Teufel Besessenen kennzeichneten. Unter solcken Umstanden war S m e« tana's längeres Verweilen in Prag un» denkbar, und so nahm er mit Freuden den Vorschlag einer edlen deutschen Frau an, die ihm in ihrem Familienkreise in
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Sinacher-Sonnenthal, Volume 35
Title
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Subtitle
Sinacher-Sonnenthal
Volume
35
Author
Constant von Wurzbach
Publisher
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Location
Wien
Date
1877
Language
German
License
PD
Size
13.41 x 21.45 cm
Pages
388
Keywords
Biographien, Lebensskizzen
Categories
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