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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Sinacher-Sonnenthal, Volume 35
Page - 198 -
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Page - 198 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Sinacher-Sonnenthal, Volume 35

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Smolka 198 Smolka mit. Smolka's Mutter war eine geb rene Deutsche. So geschah es denn, da Polen und Deutsche sich um seine Abstam mung stritten, die jedenfalls mehr zu dei deutschen Seite hinneigt, da der Vate schon als Officier nichts weniger als po nisch dachte und fühlte und auch späte als kaiserlicher Beamter stark deutsch cu gehaucht, wahrend die Mutter nach Ge- burt und Familiennamen eine Deutsche war. Bei der oft beobachteten Ersche nung, daß die Kinder jener Eltern, die ir einem ihnen fremden Lande sich ansiedeln, eben dieses Land, das ihren Eltern di zweite Heimat geworden, mit einer Hw gebung und Begeisterung lieben, die bei den Einheimischen selbst in solcher Mach selten zum Ausdruck kommt, ist es eben kein Wunder, daß auch der Sohn Franz Smolka ein begeisterter Pole wurde, de sich frühzeitig an Alle anschloß, die sich mi Plänen zur Befreiung seines Vaterlandes trugen. Bald nach Beendigung der denk- würdigen polnischen Erhebung im 1.183 l, welcher damals ganz Europa mit Begei sterung folgte und deren Bewältigung mit schmerzlicher Theilnahme gewahrte, hatte Smolka schon seinen Entschluß gefaßt und wollte zunächst in die Reihen derjenigen treten, welche noch nach be« wältigtem Aufstande für ihr Vaterland kämpften. Dazu kam es nun nicht, aber schon im Jahre 1832 schloß er mit R o s- ciszewski und Tyszkiewicz von der Emigration, mit den Brüdern Hugo und Theophi l Wiszniewski und mit Dawid einen heimlichen Bund, dessen Endziele auf die Befreiung und Herstellung deS alten Polen hinausliefen. Indessen setzte S. seine Studien auf rechts- wissenschaftlichem Gebiete an der Lem> berger Hochschule fort, erlangte im Jahre 1836 daraus die Doktorwürde und wurde 1840 Advocat in Lemberg. Aus seinem polnischen Patriotismus machte er kein Hehl und trug seine begeisterten Gefühle für sein Vaterland offen zur Schau. Da kam die Behörde zur Kenntniß einer weit- verbreiteten heimlichen politischen Ver- bindung, auch Smolka's Name fand sich darunter und die Verhaftung ließ nicht lange auf sich warten. Vier Jahre und darüber dauerte der Proceß, welcher damit endete, daß S. des Hockverrathes schuldig befunden und zum Tode verur- theilt wurde. Die Vollstreckung des Nr» theils verzögerte sich. Es kam überhaupt bei Smolka nicht dazu. Franz Graf Stad ion, damals Gouverneur von Galizien, hatte seine begründeten Vor« stellungen erhoben (Bericht an die Oberst- Polizei-Hofstelle, Z. 13723, 2ü. December 184?) und S. würd«: in eine mittlerweile erlassene Amnestie eingeschlossen, der Frei- heit wiedergegeben, aber seines Doctor» Titels und der Advocatur blieb er ver- lustig. Er erlangte beide später wieder. Smolka, der bald nach Erlangung der Advocatur sich mit 3 eo cad ia Becker, der Tochter eines deutschen Beamten, ebenso gepriesen od ihrer seltenen Anmuth und Sä'önheit, als bekannt ob ihrer be» geisterten Schwärmerei für Polen, ver> malt hatte, lebte nun in völliger Zurück» gezogenheit. fern sich haltend von allem politischen Treiben, ja er hatte den Antrag er Führerschaft für einen bevorstehenden llusbruch, den ihm Eduard Dembowski ^bracht, entschieden abgelehnt, da er in solchem Beginnen kein Heil erblickte. Unter solchen Verhältnissen kam das Jahr 1848, kamen dieMärz»Tage Wien's heran, nelche in Galizien, namentlich in Lemderg, !inen lebendigen Nachhall fanden. Die Wiener Märzen-Idus des Jahres 1848 brachten auch der nationalen Partei in Nalizien, zunächst in Lemberg, wo sich ?ald Alles concentrirt hatte, neues Leben.
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Sinacher-Sonnenthal, Volume 35
Title
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Subtitle
Sinacher-Sonnenthal
Volume
35
Author
Constant von Wurzbach
Publisher
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Location
Wien
Date
1877
Language
German
License
PD
Size
13.41 x 21.45 cm
Pages
388
Keywords
Biographien, Lebensskizzen
Categories
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