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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Sinacher-Sonnenthal, Volume 35
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Page - 202 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Sinacher-Sonnenthal, Volume 35

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. Smolka 202 Smolka Angelegenheiten, in seltenem Ansehen. Die Summe der bei ihm deponirten Gelder erreichte oft eine ungeheuere Höhe. Um Politik kümmerte er sich in jenen Tagen der Reaction wenig, er wußte es, daß eine andere Zeit bald erscheinen muffe, weil es auf die Dauer nicht länger so gehen könne. Und er hatte sich nicht getäuscht. DaS October-Diplom 1839 hatte die Bestrebungen der Provinzen nach Autonomie entfesselt, und nun be« trat Smolka wieder den politischen Schauplatz. Nach dem Urheber deS Oc- tober<Diploms, Graf Gotuchowski, ergriff Schmerl ing das StaatSruder. Die Verfassung vom 26. Februar wurde gegeben. Galizien beschloß die Absen- düng einer Delegation, welche die For- derungen des Iandes vor dem Staats» Minister auSsprechen sollte. Mit Smolka waren Adam Fürst Sapieha und Aler. GrafDzieduszycki Mitglieder dieser Delegation. Aber der Staatsminister er» klärte, dieselbe als solche nicht annehmen zu können. Als darauf die Wahlen für den galizischen Landtag Statt fanden, wurde S. von der Stadt Lemberg als Abgeordneter gewählt. Der Landtag schickte ihn in den Reichstag. Es mag im ersten Augenblicke befremden, daß S. dieses Mandat annahm, und erst spater erfuhr man die Motive, welche ihn zur Annahme desselben bewogen hatten. Er trug sich nämlich mit der Hoffnung, im Reichs rathe seinem Vaterlande zu seinen Rechten und Forderungen verhelfen zu können. Und kaum hatte er seinen Sitz im Reichsrathe eingenommen, als er auch bei jeder Gelegenheit für die Autonomie und möglichste Selbstverwaltung Gali« ziens seine Stimme erhob. Offen sprach er es aus, daß er für Galizien dieselben Rechte fordere, wie sie Ungarn besitze. Um den Nachweis der Rechtstitel küm. merte er sich weniger. eS war ihm nur darum zu thun, seine Forderungen zu formuliren. So wurde er bald nicht bloS der Führer der sogenannten polnischen Partei, welche eine Sonderstellung Gali» ziens im österreichischen Staatencompler forderte, sondern bald der Führer der Förderalisten in Oesterreich. Aber auch in anderen nicht immer eben politischen, wie z. B. in national-ökonomischen Fra- gen, ergriff S. das Wort. So 5. B. sprach er in der durch Bischof Zitwino« wicz ^Bd. XV, S. 296) angeregten Diatenf rage, in welcher seine Rede, wenn sie auch nicht daS von ihm ange- strebte Ergebniß erzielte, allgemeine Bcach» tung fand. Noch gespannter folgte man seinen Auslassungen in der Sitzung vom 29. Mai 186t, bei Gelegenheit der Gene» raldebatte über die I m m u n i t a t der Deput i r ten , wo seiner meisterhaften Rede selbst im Zager seiner politischen Gegner gerechte Würdigung zu Theil wurde; ohne etwa aufregend oder her- ausfordernd zu sein, fesselte sie durch das Schlagende seiner Bemerkungen, und in dieser Frage war der Pole Smolka des Hauses einziger politischer Redner von Bedeutung. Eine gleiche Stimmung bemächtigte sich des Hauses in der Sitzung vom 49. Juni, in welcher über Antrag des Dr. M ü h l fe ld über die p erfö n- l i che F r ei heit berathen wurde. Auch da trat S. als entschiedener Förderalist auf, und hier war eS auch, wo zum ersten Male im österreichischen Parlamente ein Abgeordneter die Worte sprach: „Immer noch betrachten wir Polen, wenngleich es zerrissen ist, als eine auS einem Stücke gegossene Ganzheit und halten dafür, noch ist Polen nicht verloren". „Unser Stand- punct", bemerkte S. an anderer Stelle, !st dem Reichsrathe nicht ganz klar. Ich 'chicke voraus, ungeachtet aller bitteren
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Sinacher-Sonnenthal, Volume 35
Title
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Subtitle
Sinacher-Sonnenthal
Volume
35
Author
Constant von Wurzbach
Publisher
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Location
Wien
Date
1877
Language
German
License
PD
Size
13.41 x 21.45 cm
Pages
388
Keywords
Biographien, Lebensskizzen
Categories
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