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Smolka 203 Smolka
Worte, welche die Föderalisten hier zu
hören bekommen, ist uns doch alle Feind»
schaft völlig fremd." Weiter meinte S.,
indem er den Standpunct der Polen klar
legre, in vielen Stücken würde sich seine
Partei selbst mit den Centraliften einigen,
und dort, wo eS nicht der Fall wäre, dort
wird der Kampf um die Autonomie
Statt finden:' „Wir lieben uns wie Brü.
der und feilschen wie die Juden" ; dieses
alte polnische Sprichwort mögen die Deut-
schen immer bedenken, wenn sie mit den
Polen verhandeln. Ein anderes Mal
erhob S. seine Stimme in der Frage des
ungarischen Ausgleiches (28. August
1861), in welcher er mit dem ganzen
Aufwande seiner Beredsamkeit für die
Rechte des ungarischen Volkes einstand.
Die Rede ist in den stenographischen Pro»
tokolien ihrem vollen Inhalte nach zu
finden; wem diese nicht zugänglich, der
kann sie im Wiener Journal „Der Wan-
derer" 1861. Nr. 193. nachlesen. Am
bezeichnendsten aber ist eS, daß eben diese
Rede in polnischer Nebersetzung in Par is
in der Druckerei Martmet erschienen ist.
Von nicht geringerer Bedeutung war seine
Thätigkeit als Obmann des Ausschuffes
für religiöse Angelegenheiten, aus wel»
chem dec bekannte Entwurf eines Reli-
gionS-E.dicts hervorgegangen ist. In diese
Zeit politischen Wirkens fallt ein Schick-
salsschlag, welcker selbst das durch man-
nigfache schwere Ereignisse, die ihn bereits
im Leben getroffen, gestählte Gemüth
S.'s zu tiefst erschütterte. Im Herbste
1861 starb Smolka's Frau. W'er das
innige Zusammenleben dieser in einander
aufgehenden Seelen, der die Frauentu-
genden der Verewigten kannte, der konnte
ermessen, wie ihn der Tod der Frau traf,
mit der er etwaS über zwanzig Jahre
verbunden gewesen. Ergreifend war die
Leichenrede, welche der Bernhardiner» Mönch Buls i ew i cz an ihrem Sarge
gehalten, und in welcher derselbe die
Scene schilderte, welche die eigentliche
Quelle der jahrelangen Leiden wurde,
denen sie endlich erlag. Bald nach seiner
Vermälung war. wie bereits berichtet
worden, Smolka's Verhaftung erfolgt.
Die Untersuchung hatte lange gewährt,
das Urtheil endlich auf Tod durch den
— Strang gelautet. Mit schwerer Mühe
erhielt der Verurtheille die Erlaubniß,
seine eben damals verstorbene Mutter
sehen zu dürfen, um an ihrer Bahre zu
belen. Unerwartet trat er unter starker
Militär-Escorte in's Zimmer und fand
daselbst seine Frau am Katafalk kniend.
Bei seinem Anblicke siel sie bewußtlos
nieder und die Gemüthsbewegung dieses
Augenblickes hatte ihr ein Leiden zuge«
zogen, an dessen Heilung die Kunst der
berühmtesten Aerzte scheiterte. Auch der
Einfluß des italienischen Klimas, daS sie
häusig auszusuchen genöthigt war, hatte
ihr Leben nur gefristet, ohne ihr Leiden
zu heilen. Von diesem Schicksalsschlage
wurde die oft geschilderte eiserne Ruhe
S m olka's völlig erschüttert. Dazu ge>
fellten sich Bekümmerniß über die Ver-
irrungen seiner Nation, welche sich durch
den damals eben wieder ausgebrochenen
Aufstand neuerlich in die höchste Bedrang-
nip gestürzt. Er selbst hatte sich, wahrend
die Revolutionären den Aufstand in ganz
Galizien organisirten, von aller Theil»
nähme daran zurückgezogen. Diese Ent-
hallsamkeit genügie nun, daß ihn — den
einst Vergötterten — die Heißsporne
rücksichtslos erst verdammten, dann.be-
schimpften, zuletzt bedrohten. Diese Kran«
kungen und eine seit dem Tode seiner
Frau schwankende Gesundheit hatten
ihn endlich zu einem unheilvollen Schritte
gedrangt. Am N. August 1863 hatte
man S., der plötzlich vermißt worden,
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Sinacher-Sonnenthal, Volume 35
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Sinacher-Sonnenthal
- Volume
- 35
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1877
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 388
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon