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Steinkeller, Rudolph 103 Steinkellner, Joseph
einer gerichtlichen Administration die Leitung
bis zum Jahre 1828 geführt hatte, übernahm
im Jänner i828 Rudolph Steintel ler ,
der das Haus gekauft, als Eigenthümer die
Direction des Theaters und führte sie bis
1830. In dieser Zeit war das Repertoire mit
Stücken der Lieblinge Wiens.- Raimund,
Bäuer le. Gleich. Me iS l . besetzt. So
wurden „Aline oder Wien in einem anderen
Welttheile", von Adolph Bäuerle. stmal,
„Der Varometermacher auf der Zaubecinsel",
von Ra imund . 9lmal, ,,Die Fee aus
Frankreich", von Meis l . 94mal, «Herr
Joseph und Frau Baberl". von Gleich.
88mal. mit der Musik zu den genannten
Stücken von Wenzel Mü l le r . „Der Dia«
mant deS Geistertönigs", von Raimund,
l59mal, „Gisperl und FiSperl", von Bäu<
erle, 94mal, „Das Mädchen aus der Feen»
well", von Raimund. 232mal. mit der
Musik zu de« genannten drei Stücken von
Drechsler, „^ind.ine", von Bäuerle,
mit der Musik von Kanne. 66mal und
„Die schlimme öiesel", von Bäuerle, 75mal
gegeben. Ste ink eller nahm auf Alirathen
seines Secretäls Ritters von C a t h a r i n
nicht unwesentliche Veränderungen vor. Eine
der wesentlichsten war, daß er Ra imund
zum artistischen Directl.'r bestellte, welcher
diese Stelle am l?. April 1828 antrat und
bis l830 führte. Außer den oben genannten
Stücken brachte Raimund in dieser Zeit
und auf dieser Vühne noch „Alpenkönig und
Menschenfeind" und „Die unheilbringende
Zauberkrone" zur Aufführung. Therese Kro<
nes war noch immer der Magnet, der
das Publicum in Massen anzog. Aber als
nach dem Austritte Raimund's, der am
3. August t830 als F l o r i a n in seinem
„Diamant deS Geisterkönigs" zum letzten
Male als Mitglied diese Bühne betreten
hatte, und seit dieser Zeit kein festes Enga»
gement mehr annahm, sich zu diesem Ver-
luste einer beliebten, als Künstler und Dich«
ter hochgeschätzten Persönlichkeit noch innerer
Zwiespalt gesellte, trat Ste inkel ler von
der Leitung der Bühne zurück und übertrug
sie an Franz von Mar ine l l i , den Sohn
deS Gründers Karl von Mar ine l l i sBand
XVI, S. 446). welcher im Jahre l78l von
Kaiser J o s e p h I I . das Privilegium er«
halten hatte, die Direction des Theaters
der Leopoldstadt zu führen und sie auch
durch 22 Jahre biS an seinen l803 erfolgten
Tod mit Geschick geführt hatt«: Steinkellner, Joseph (Priester der
Gesellschaft Jesu, Geburtsjahr unbe»
kannt. gest. zu Wien 15. September
1796). Trat im Jahre 1743 zu Wien
in den Orden der Gesellschaft Jesu, in
welchem er zu Wien die philosophischen,
zu Grah die theologischen Studien been«
dere. Nun entsendeten ihn seine Oberen
zunächst nach Klagenfurt, wo er als
Missionskatechet thätig war. Im Jahre
4763 kam er nach Wien, wo er folge«
weise als Katechet im Profeßhause, als
Präses der Congregation für christliche
Lehre, als Curator der Trivialschulen
und zuletzt als Festtagsfrühprediger und
Lehrer der Convertiten bis zur Auf«
Hebung seines Ordens wirkte. Nach die»
ser blieb S teinkellner auch fernerhin
in Wien und fand in der Seelsorge, und
zwar in der Pfarre zu den hh. Engeln,
dem ehemaligen Profeßhause der Gesell-
schalt Jesu. Verwendung, in welcher er
bis an sein Lebensende blieb. Er schrieb
MehrereS. so eine „NtienZtirschreilmng sammt-
licher hh. ZpllZtel" 2 Theile (Wien 1763
und 1764): — „Fromme Andacht der Feste
des Herrn ynh der Mutter Gattes, wir sie in
der ganzen Nirche ieierlich begangen uierden"
(Wien 1769. Iahn) ; — „Rathalischer
Katechismus der kirchlichen Oeremanien" (Wien
1770): — „Ratechismns der <5untlllllrrsen"
(Wien 1771); — „Nben und Andacht des
lz. Stanislauz Kuztka" (Wien 1772)'. —
„Dben der h. Jungfrau Pulcheria, Naiserin
des Orients" (Wien, 8o.). Obwohl alle
diese Bücder in die zweite Hälfte deS
18. Jahrhunderts, also nach 1730 fal-
len, erscheint doch nicht EineS in Kay«
se r's „Allgemeinem Bücherlexikon", wel-
ches alle seit 1750 gedruckten Bücher ent-
halten soll. daher die vorstehenden Bücher-
titel nicht bibliographisch genau gegeben,
sondern aus dem Lateinischen übersetzt sind.
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Stehlik-Stietka, Volume 38
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Stehlik-Stietka
- Volume
- 38
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1879
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 398
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon