Page - 109 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Stehlik-Stietka, Volume 38
Image of the Page - 109 -
Text of the Page - 109 -
Steinle Stcinle
sich von der akademischen Schablone
lossagte und den naturgemäßen Weg
des Studiums der großen Künstler ein>
schlug. Kupelwieser wendete sich auch
einem jungen, empfänglichen und eif>
rigen Schüler theilnahmsvoll zu, und
Stein le wurde damals Mitglied einer
Compofitions'Gesellschaft. in welcher er
ein paar Jahre hindurch derBenja-
min war. Aber wenngleich der Jüngste,
so doch nicht der Letzte, und die Fort«
schritte, welche Steinle, damals erst
48 Jahre alt, bereits gemacht, brach-
ten den Vater, der den Fortgang und
das Talent seines Sohnes sorgsam beob»
achtet hatte, zu dem Entschlüsse, den-
selben nach Rom reisen zu lassen. Im
September 1828 kam der wohlerwogene
Plan zur Ausführung und S., der bis
dahin daS Weichbild der Residenz nicht
überschritten hatte, trat die große Reise
nach Italien an. Ungefähr einen Monat
dauerte es, bis er in Rom eintraf. Er
brachte anOverbeck und Veit Em>
pfehlungen mit, und wurde außer von
seinen Landsleuten von diesen mit liebe»
voller Güte und Theilnahme aufgenom»
men. Nun begannen erst Ste in le 'S
eigentliche Lehrjahre. Ohne Meister
mußte er nun selbst lernen und winde
bald inne, wie gering die eigentliche
Ausbeute des in der Normalschule zu
Wien genossenen Unterrichtes sei, welch
ein Kreis von Kenntnissen vor ihm un»
bebaut lag, was AlleS, wenn er ein
rechter und richtiger Künstler werden
wolle, von ihm noch nachzuholen sei.
Steinle feierte auch nicht, und mit
rastlosem Eifer studirte und malte er.
Im folgenden Jahre. 1829, lud Over-
beck den damals l9jährigen S teinle
ein, ihn nach Assifi, einem in der Dele»
gation Spoleto des ehemaligen Kirchen»
staats gelegenen Stadtchen, zu begleiten. wo er eben damals eines seiner Herr»
lichsten. wenn nicht daS herrlichste Bild,
,Das Rosenwunder des heiligen Fran-
ciscus von Aff'si" in der Kirche Jan,
Uarig. äy^Ii ^.nFioli malte. Steinle
folgte dieser Einladung, lernte auf die»
sem Ausfluge Umbrien nnd Orvieto ken>
nen und bildete sich bei den fleißigen
Besuchen Overbeck'S emsig und mit
Erfolg weiter fort. Als er im Herbst
nach Rom zurückgekehrt war, zeichnete
er einen Carton für die Kirche Irinita.
äs' klont!, in welcher er in einer Ca-
pelle zwei Fresken ausführen sollte. Mit-
ten in der Ausführung seiner Arbeit,
im Frühling des Jahres l830. wurde er
aber durch die Nachricht von dem Tode
seines Vaters unterbrocken. Nun war
feine Rückkehr nach Nien nöthig gewor»
den, und in Folge dessen übertrug S.
die Ausführung der ihm übertragenen
Fresken seinem Freunde Joseph Tun-
ner. zur Zeit Director an der ständi«
schen Kllnst-Akademie im Ioanneum zu
ratz. in welcher Stelle Tunner dem
tüchtigen Historienmaler Joseph August
Stark M . XXXVII, S. 2l7^ gefolgt
war. Den Sommer i830 verlebte S.
mit Ordnung der Angelegenheiten nach
dem Tode seines Vaters in Wien. Im
Spatherbst genannten Jahres kehrte er
wieder mit seinem Freunde Franz von
Bruckmann nach Rom zurück, wo er
nunmehr noch drei Jahre seine Kunst«
studien fortsetzte. Diese Zeit war für den
Künstler nach jeder Seite hin eine reiche.
Durch Reisen in Italien, wo er die
Kunstwerke der verschiedenen Malerschu-
len in ihren Meisterwerken, überdieß die
Reize einer herrlichen Natur und die
Schöpfungen eines in mannigfaltigster
Weise wechselnden, aber immer großar.
tigen, architektonischen Geschmackes ken-
nen lernte, erweiterte er den Kreis semer
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Stehlik-Stietka, Volume 38
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Stehlik-Stietka
- Volume
- 38
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1879
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 398
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon