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Steinle 420 Steinte
Ausführung dieser Arbeit übertragen wurde.
Das Ganze ist in Oeltempera auf Gold-
grund gemalt In der Mitte die Krönung
Maria, umgeben von den neun Chören der
Engel: etwas tiefer die zwölf Apostel und
die vier Patrone des Domes: der h. Lau«
rentius. der b. Stephanus, der h. Mater-
nuS und der h Amandus. Unter dieser
Gruppe: die Altväter: Noah. Abraham
Isaak. Jacob und Joseph, die Gesetzgeber:
Moses, Iosua. Gedeon, David und Salo.
mon; über diesen die Ordensstifter: An»
tonius, Basi l ius. Benedictus. Co.
lumban und Oth i l i a , und die Kirchen,
väter.- Gregor ius, Hieronymus, Am»
brosius, Augustinus und Athana.
sius. Zu beiden Seiten noch der h. Dago«
bert und der h. Arbogast. Daran malte und
malt Ste in le fast ganz allein, nur der
Dekorationsmaler Ahl aus Köln und ein
Gehilfe desselben unterstützen ihn in dieser
Arbeit, die im Jahre 4879 vollendet sein soll.
I I . Cartons und Farbenskizzen (chronologisch
geordnet). sMohl war ich bemüht, bei den
einzelnen Cartons den Gegenstand dessel.
ben näher zu bezeichnen, leider aber war
dieß nicht bei allen möglich), a) Zu Altar-,
Fahnen- und anderen Mdern und zn
Fresken. 1833. 10) „Aus Dante's Pa.
radies", zwei colorirte (Zartons (Ba»
ron von Hübner) . — 11) Zwei allego«
rische Figuren: „Die Poesie" und „Der
Glaube" (Baron von Hübner), gleich,
falls colorirte Cartons. — 1838. 12) Car.
tons zu den Fresken in der Capelle
auf Schloß Rheineck, im Auftrage des
Herrn von Bethmann»Hol lweg ent»
worfen. (S t ä d e l'sches Kunstinstitut in
Frankfurt am Main). — 1840. 13) „M a<
d o n n a " auf k r k o o s l i (Baron
T h i e r r y ) ; das nach diesem Carton ge>
malte Oelbild besitzt Herr von Bernus .
— 1848. 14) „D ie Erwar tung des
jüngsten Gerichtes." S te in le führte
diesen farbigen Carton im Auftrage des Kö»
nigsFriedr ich Wi lhe lm IV. von Preußen
aus, der eine Nische des in Berlin zu er<
bauenden Domes mit Fresken schmücken
lassen wollte, und zu Entwürfen dazu, außer
Ste in le . auch noch Vei t , Cornelius
und OVerb eck aufgefordert hatte. — 1852.
15) „Der Kopf der Sibyl la.« Carton
zu dem im Städel'schen Inst i tu te be.
findlichen Oelbilde. — 1854. 16) Carton zu dem in einer Kirche in Riaa befind'
lichen Altarbilde: „Die Pfingstpredigt"
(Karl L u c i u s in Aachen). — 1856.
17) „Madonn u" für eine Fahne im Dom
zu Speyer (Professor Ja nssen in Frank«
fürt a. M.). Das Oelbild ^ nach die<
sem Carton als Fahnenbild im Speyerer
Dome. — 1857. 18) „Die Hochzeit zu
Kanaan", coloricter Carton (Freiherr von
Merk in Hamburg). - 1860. 19) „M a<
donna." Carton des Bildes in der Sanct
Aegydi'Kirche zu Münster in Westphalen
(Fürst Löwenstein). — 20) Die Car.
tons für das Treppenhaus im
Kölner Museum. Es sind auch Farben»
skizzen zu diesen Fresken vorbanden, welche
sich im Besitze des Herrn Guido Oppen«
heim in Frankfurt a. M. befinden. Als die
Cartons im Jahre 1866 im Oesterreichischen
Museum ausgestellt waren, schrieb die „Neue
freie Presse" M-. 5l3) folgende bezeichnende
Worte: „Diese Cartons richten die Auf»
merksamleit der hiesigen Kunstfreunde auf
Steinle, den berühmten Professor an dem
Städel'schen Museum — mit Overbeck
und Führich den hervorragendsten Vertre«
ter der christlichen Kunstrichtung unserer Zeit.
Er ist in Wien geboren, im Jahre 1810 —
und das ist offenbar sein größtes Verbre«
chen. Würde er nicht in der Reichshaupt»
stadt an der Donau geboren sein, wer weiß
ob er nicht in gewissen Kreisen unserer Mä<
cenaten auf eine größere Unterstützung zu
rechnen gehabt hätte. Ste in le ist eS so
gegangen, wie zwei anderen Wienern: Karl
Rahl (geb. zu Wien 18l2) und Moriz von
S c h w i n d (geb. zu Wien 1804) — im
Grunde noch schlechter. R a h l ist wenigstens
in der letzten Zeit seines LebenS zur Aner»
tennung gekommen; Schwind hat für das
Opernhaus einen großen Auftrag erhalten.
Von Ste in le hingegen, dem xar sxool-
lenes katholischen Wiener, findet sich in
keiner einzigen Kirche Wiens ein Gemälde;
in der Gallerte im Beloedere ist Ste in le
ebenfalls nur sehr ungenügend vertreten.
Dafür ist dem Künstler die Ehre zu Theil
geworden, das Kölner Museum mit Fresken
von seiner Hand zu schmücken, und die Wie»
ner haben nun Gelegenheit, die Werke ihreS
gefeierten Landsmannes im Oesterreichischen
Museum in Cartons zu bewundern. S.
hat fast nie, weder von dem reichen katho»
tischen Adel, noch von Kirchenfürsten Oester«
reichs, den großen Klöstern Ungarns. Böh-
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Stehlik-Stietka, Volume 38
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Stehlik-Stietka
- Volume
- 38
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1879
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 398
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon