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Steinte 137
müller, Romanzen vom Rosenkranz, colorirte
Cartons, l834i.- Frankfur ter (5onver<
sat lonsblat t 1857. Nr. 2l7. — Bccker
(D) , Ed. Steinle's neuere Kunstschöpfun»
l,en (Regensburg <839. Manz. 8») S. 43.
— Entwürfe zu den Wandbi ldern in der
Aegydiuskirche zu Münster (l8Z8): das belle«
, tristische Blatt Deutschland. Redigirt von
G. H. Hedler. 1838. Nr. 56. — Die
Wandgemälde im Treppenhause deS
städtischen Museums in Köln (l860
bis 1863).- Kölnische Zei tung i6. Oc<
tober 1864. — Wiener Zei tung 1866,
Nr. 35. Von K.(arl) W.(eiß?). — Presse
(Wiener ftolit. Blatt) 1866, Nr. 42. im
Feuilleton: „Steinle's Fresken". — Becker
(D.), Eduard Steinle's neuere Kunst»
schöpfungen (RegenSdurg 1839. Manz, 8«.)
S. 48—62.
I I I . Urtheile ülier Steinle, den Künstler. Der
ungenannte Biograph S t ei nl e's im „Vtinia»
tur» Salon" des „Rheinischen Taschenbuches"
schreibt über unseren Künstler: „E. Ste in le
ist unter den jüngeren Meistern, die aus der
durch O o erb eck, Vei t , Cornel ius und
Schadow in Rom bewirkten Regeneration
der Kunst hervorgegangen sind, unbestritten
der erste im Kreise der heiligen Malerei. Er
ist O verb eck's größter Schüler, von diesem
selbst als der würdigste, begabteste in seiner
Richtung anerkannt, sein, wie uns scheint,
gleich großer, wenn auch jüngerer Zwillings»
bruder, der sogar in seiner Erscheinung auf.
fallend an Overbeck erinnert. Wir sagen
sein Zwillingsbruder und nicht sein Sohn,
denn ein so entschiedener, selbstständiger Geist,
wie er aus S te in le selbst in den kleinsten
Zeichnungen sprichr. hat nicht erst an Ande.
ren sick entzündet, sondern seine Flammen
haben sich vereinigt, um im gemeinsamen
Brande emporzulodern, zum Preise dessen,
dem sie entstammt sind, der ihnen den großen,
herrlichen Beruf übertragen hat. Wenn man
gesagt hat, Steinle's Arbeiten seien häusig
mit denen seines Lehrers und Freundes
Ov erbeck verwechselt worden, so zeigt das
eben die innige Wahlverwandtschaft beider
Geister, denn Nachahmung würde gerade
bei Overbeck's strenger, durchaus eigen»
thümlicher Richtung nur unbeholfen, kalt.
manierirt erscheinen, wovon jeder Strich
Steinle 's das Gegentheil beweist. Over<
b eck war eS, der in Rom einen neuen Auf,
schwung in das Streben der dortigen Kunst. Steinte
ler brachte und im Vereine mit seinen viel«
genannten deutschen Freunden eine Schule
des Gemüthes, wenn wir so sagen dürfen»
gründete, in der das Gemüth genährt und
für daS Technische befähigt, durch eifriges
Studium der Natur und der herrlichen Werke
alter Meister in seiner Kunstrichtung geleitet
und, versenkt in die Fülle göttlicher Offen,
barungen, aus seiner eigenen Tiefe schöpft
und mit freudiger Begeisterung seine inneren
Anschauungen frei und kräftig dem Auge dar»
zustellen vermag. Wer solcher Richtung folgen
will. der k.mn zwar Anregung und mannig»
fache Unterstützung von außen empfangen,
aber nur der Reichthum deö eigenen Ge«
müthes. die Lebendigkeit der eigenen inner«
sten Anschauung, der göttliche Genius in
seiner Brust wiro ihn befähigen, die Mister»
schaft zu erringen, und wenn dieß für die
Kunst im Allgemeinen gilt, so ist es hier
mehr wie irgendwo in einer anderen Rich«
tung unerläßlich. Ein solcher Genius ist in
Eduard Steinte in großer Fülle und
Kraft erschienen. Kühn und gewaltig das
Höchste ergreifend und ebenso innig und
warm sich auch in das Kleinste versenkend;
die Tiefen des Lebens muthig durchdringend
und mit köstlichem Humor dem Scherze und
dem Muthwillen sich hingebend und überall
eoel und voll Grazie in dem Kleinsten, wie
in dem Größten, bleibt er immer treu seiner
Richtung, Leben und Welt als eine große
Offenbarung göttlicher Liebe zu betrachten,
schaut er unverwandt nach seinem hohen
Ziele, diese Fülle der Liebe in würdigen
Werken preisend zu verherrlichen. Vollkom»
men Meister des Aeußellichen seiner Kunst
und vertraut mit dem Geiste und den Wer«
ken seiner großen Vorgänger und Vorbilder,
schasst er mit Leichtigkeit und Lust, und trotz
seiner erstaunlichen Fertigkeit vermag er doch
kaum Alles auszuführen, was in der Ueber»
fülle seines Gemüthes lebendig wird. Daher
ist er unerschöpflich in Zeichnungen, und
selbst daS Kleinste möchte man kaum flüchtig
nennen, denn er zeichnet gleichsam mit dem
Geiste, und wie die Idee gleich in ihm fer.
tig ist, ohne daß er ihr durch großes Nach«
denken nachzuhelfen braucht, um sie zur Klar«
heit zu bringen, so zeigt sich auch eine rei>
zende Vollendung in diesen kleinen Zeich«
nungen. Ich möchte sie mit den Goethe'«
schen Liedchen vergleichen, die so innig, so
bezaubernd klingen, wie ein einziger sanft
aus der Ferne tönender Accoid, Dagegen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Stehlik-Stietka, Volume 38
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Stehlik-Stietka
- Volume
- 38
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1879
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 398
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon