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Steinte 140 Steinte
sächlich als einen Vertreter der Ov erb eck''
schen Richtung behandelt, so können wir
diesem Ausspruche nicht unbedingt zustim
lnen. Steinte scheint uns eine durchaus
selbständige Natur zu sein. Die Art und
Weise, wie er an die Italiener anknüpft, ist
ihm ganz und gar eigenthümlich. Sein großes
Schönheitsgefühl ist nicht entliehen, sondern
ursprünglich. Dabei offenbart sich mttunter
unverhohlen eine Vorneigung für üppige und
sinnliche Formen. Wir müssen überhaupt ge-
stehen, daß uns dieser Meister vorzüglich ge»
fällt, wo er anmuthige, heitere Gegenstände
zur Anschauung bringt. Und hier ist es gleich,
ob er sie in der heiliaen Geschichte, aus der
Legende, aus der deutschen Sane oder aus
dem romantischen Volksleben wählt. Man
möge nur die Predella im Treppenhause
des Kölner Museums betrachten, welche
das Leben der alten und der neuen Zeit
dieser Stadt wiedergeben. Sie sind alle
unendlich anmuthig und reizend. Ebenso
haben wir eine Menge von Aquarellen und
Zeichnungen der vollendetsten Alt auf der
großen historischen Ausstellung gesehen. Da
waren „Joachim und Anna vor der golde«
nen Pforte" ebenso lieblich dargestellt, wie
ein Verbrecher, der einem Cardinal die
Beichte ablegt. Ganz besonders hervorragend
ist aber Steinte im deutschen Märchen,
das er ebenso meisterhaft behandelt, wie
Moriz von Schwind. Das Haus der Fa«
milie von Guai ta enthält namentlich die
Illustration zu den Märchen von Cle.
menS Brentano, die freilich schwer zu-
gänglich sind. Außerdem hat Steinte eine
Menge von jenen hübschen Geschichten be»
handelt, die wir bei den Gebrüdern Gr imm
sinden. Warum unternimmt er nicht einmal
eine Reihe von Compositionen dieser Art
mit begleitendem Texte? Jeder Buchhändler
würde sie gern nehmen; sie würde das
ganze Polt erfreuen. So reich wie der Künst»
ler in der Comvosition ist, so fein und scharf
erscheint er in der Zeichnung, so geschmack.
voll im Aquarell. Ueberall ist er durch und
durch Poet. In diesen flüchtigen Zeilen
läßt sich S.'s Bedeutung und Fruchtbarkeit
nicht erschöpfen Noch weniger ist aber die
Frankfurter Ausstellung im Stande, ein Bild
von der vielseitigen Thätigkeit des Meisters
zu geben. Sie besitzt nur drei Zeichnungen,
nämlich: „Müller Radlauf", nach Cl. Bren»
tano, „Shylock", nach Shakespeare,
und die Madonna aus der Leonhardslirche." n . Porträte. Unterschrift: Facsimile des
Namenszuges: „ I . E. Steinte" C. von
Strahlendor f f äol., Ioh. Karl Mül»
ler Loulo. ( I . D. Sauerländers Verlag in
Frankfurt a. M., 8». und 4«.). Dieses spre.
chend ähnliche Bild ist von Strahlen»
dorff gezeichnet, der mit Alfred Rethel.
Eduard I h l s e . Nikolaus Settegast,
Veit's Schwiegersohn, Christian Becker,
Veit's Schwaqer und dem Franzosen
Gr imaut zum Vei t ' S te in l e'schen Künst.
lerkreise gehört. Das Vildniß erschien zuerst
im „Rheinischen Taschenbuche" für das Jahr
1847 als Titelbild desselben und als Porträt,
spende des diesem Taschenbuche alljährlich
beigegebenen „Miniatur» Salon". — Eine
gute Copie nebst Facsimile, im Holzschnitte
von A. I . , brachte seiner Zeit das von Lud.
wig Lang herausgegebene „Hausbuch für
christliche Unterhaltung" im I I I . Jahrgange
(l835) an der Spitze des Artikels: „Christ,
liche Kunst und christliche Künstler der Gegen-
warc", von Dr. B rüh l . der mit Eduard
S t ei nie eingeleitet ist. — Noch ist ein
zweites von V. Schertle lithographirtes
Bildniß Steinte's vorhanden. — Ein
lebensgroßes Brustbild in Oel malte C. von
Strahlendor f f im Jahre i854; es ist im
Besitze der Gattin S te in l e's. — Der Künstler
selbst hat sich wiederholt abconterfeit. So ein.
mal in Aquarell auf einem Porzellantäfelchen
im Jahre 1852, welches zuerst im Besitze der
Frau Schöff Brentano ruar und nach
deren Tode in jenen ihres Schwiegersohnes
Anton gelangte. Ein gezeichnetes Bildniß
aus dem Jahre 1849 besaß Ov erbeck, nach
dessen Ableben eS in den Besitz des Herrn
August Reichensperger kam, und ein
gleichfalls im Jahre l849 gezeichnetes Selbst«
bildniß des Künstlers besitzt ein Herr von
Reutern.
2. Besitze« der Werke von Gd. Steinte.
2.) Einzelne Personen. l^ Bei Porträten nahm ich,
wo nicht ein Besitzer ausdrücklich angegeben
ist, den Porträtirten als Besitzer an.) Das
allerhöchste Kaiserhaus Habsburg:
Erzherzog Johann ^73); — Erzherzog
Ludwig Sa lva tor s^96); — Erzherzogin
Sophie ^379^; — Großherzogin von T o s.
cana s?5). — Achim von Arn im. Maxi-
miliane ^Il3 und 328). — Graf Bat.
thyäny in Wien l^ 83). — Frau von Brau»
lieu in Kopenhagen s291). — Julius Beer
in London s^2l7). — BentHeim. Graf
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Stehlik-Stietka, Volume 38
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Stehlik-Stietka
- Volume
- 38
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1879
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 398
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon