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Steinsberg 156 Steins berg
1783 ^Nürnberg. Iochner) 8".). Auf
dem Titel befindet sich im Schattenriß
das Bildniß des Grafen K o l o w r a t.
Diese zweite Auflage war noch schärfer
als die erste, aber S tein Sbe rg blieb,
nachdem der Proceß dem Kaiser vorlag,
unbehelligt und konnte schon wenige
Monate nach seiner Flucht ungefährdet
nach Prag zurückkehren. Kaum befand
sich S t e i n s berg wieder in Prag,
als auch die „Predigtenkritik" von neuem
aufgenommen wurde. Ste insberg ist
dazu förmlich gereizt worden, und zwar
durch einen gewissen Friedrich M e e l
tisch, der ihn durch Herausgabe der
,Briefe kritischen Inhalts für Prag«
dazu aufforderte. Steins berg blieb
die Antwort nicht schuldig und so begann
der Federkrieg von neuem. Ein Haupt,
moment bei dessen Wiederbeginn bildete
eine Lobrede auf den h. Johann von
Nepomuk. welche der Dechant von Reich«
stadt Franz Expedit von S c h ö n f e l d
in der nach diesem Heiligen benannten
Kirche auf der Skalka in Prag am
23. Mai 1783 gehalten hatte. Gegen
diese Predigt war ein beißendes Pam«
phlet erschienen, für dessen Autor S.
gehalten wurde. DicseS Pamphlet er»
regte aber nicht nur großes Aufsehen,
sondern auch in den weitesten Kreisen
nicht geringes Aergerniß und mit dersel»
ben beginnt der berüchtigte „Nepornuka»
nische Streit", in welchem mitzusprechen
zuletzt auch die beiden Historiker Gela»
siusDobner M . I I I , S. 331) und
Franz P u b i t s c k k a Mano XXIV,
Seite 41^s veranlaßt wurden. Steins»
berg selbst nahm die Sache durchaus
nicht leicht; er unternahm sogar eine
Reise nach München, um sich dort die
beglaubigte Copie eines DocumentS zu
verschaffen, welche er zu seiner gehar»
nischten Entgegnung brauchte, und gab dann eine der schneidigsten Gegenschrif«
ten unter dem Haupttitel: „Airtrr oin
steinsberg'3 Nricke an Herrn MeeltiZch
über utrbchilüme Gegenstände der Neligian"
heraus, welcher er noch einen kurzen
Nachtrag folgen ließ. So wurde S.
als der eigentliche Urheber der mißlie»
bigen, später geradezu verpönten Po»
lemik angesehen, welche mit dem ohne
Angabe des Druckortes im Jahre 1784
von P. Florenz, einem Augustiner-
Mönch, unter den Pseudonym Math.
Johann Brada , Bürger in Nepomuk,
veröffentlichten Pamphlet „An den irren»
den Ritter von Ste insberg" noch
lange nicht ihren Abschluß fand. Steins»
berg selbst war der widrigen literari-
schen Rauferei, aus der eS doch kein
Absehen gab, müde geworden, nahm
weiter persönlich keinen Antheil mehr an
dem Kampfe und wendete seine Thätig»
keit wieder der Bühne zu, wozu er seit
jeher Neigung gezeigt und für welche
ihm Talent nicht abgesprochen wer»
den kann. Die Titel seiner um diese
Zeit erschienenen Druckschriften sind: Die
„Abhandlung, llb der htil. Iahann nun Nepllmuk
stmülz eiiztirt hübl?" (Prag 1784. 8<>.)
— und nach einiger Pause die Satire in
Romanform, betitelt: „Ner jumnnduierzig.
jährige Aste". 2 Theile. Diese berüchtigte
Schmähschrift erschien anonym und wurde
als Uebersetzung aus dem Französischen
ausgegeben. Sie ist aber nichts weniger
als eine Ueberfttzung, sondern Original,
erschien im Jahre 1786 und mit dem
falschen Druckort „Berlin", wahrend es
festgestellt ist. daß ste bei dem Prager
Buchdrucker Schönfeld gedruckt wor>
den. — Seine nächste, auch ohne Namen
erschienene Schrift war: «Nie Offenbarung
über Heutschlantl, vorzüglich über die Städte
ipzig n. «. ul." (Prag 1785, Schönfeld.
.). Ob und wie weit er einen Antheil
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Stehlik-Stietka, Volume 38
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Stehlik-Stietka
- Volume
- 38
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1879
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 398
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon