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Steinsberg 137 Steinsberg
an Friedel'S „Briefen ausWien, an
einen Freund in Berlin", welche um diest
Zeit (1783 und 1783) erschienen waren,
gehabt, ist nicht festgestellt. Eine Reihl
von Jahren hindurch fehlt eS an allen
Nachrichten über S t e i ^ n s b e r g ; es
fcheint, daß er auch schriftstellerisch un
thätig gewesen, oder doch nichts mi
seinem Namen herausgegeben hat. Erst
im Jahre 1797 tritt er wieder in den
Vordergrund, alS er von dem Freiherrn
Johann von Stentzsch das zweite
Theater in Prag, welches damals den
Namen deS,vaterländischen" führte
und im aufgehobenen Kloster der Hi
berner seine Vorstellungen in deutscher
und öecbischer Sprache gab. übernahm.
Stentzsch hatte nämlich die Direction
des , Nat ional theaters" , welches
dem Grafen Nostitz-Rhienek gehörte
und später in den Besitz der böhmischen
Stande überging, übernommen, und da
er nicht zwei Bühnen zugleich dirigiren
mochte, sich der einen entledigt. Steins»
berg nahm nun den ehemaligen Thea-
terdirector Karl W a h r . einen Mann
von Nildung und Sachkenntniß, als Re-
giffeur auf und stellte mit dessen Hilfe
eine tüchtige Truppe zusammen. Er selbst
widmete sich mit erneutem Eifer der
dramatischen Literatur und schrieb eine
Menge Stücke, theils Originale, theils
Bearbeitungen fremder Literaturen, wo.
durch er sein Repertoire so lebendig wie
möglich und abwechselnd gestaltete. Von
diesen Arbeiten, die übrigens ungedruckt
geblieben, hat sich nichts erhalten. S.'s
Theaterleitung ließ nichts zu wünschen
übrig ' durch die Concurrenz mit dem
von Baron Stentzsch geleiteten Na«
tionaltheater, daS vom Adel besonders
gefördert wurde, war er zu einer ener»
gischen Leitung genöthigt, und in der
That, während Stentzsch durch diesen Wettkampf in seinen Mitteln zurückging,
gedieh, doch nur langsam, Ste ins»
b e r g'S Unternehmen, denn er hatte
einen schweren Kampf zu bestehen. End-
lich, als Sienhsch im Laufe deS Jahres
1797 die Zeitung des Nationaltheaters
niedergelegt, hatte nunmehr S te ins«
berg die Direction auch dieses letzteren
übernommen. Nun als Director beider
Bühnen besserten sich sichtlich Steins-
ber g's Finanzen, und er würde sich wohl
vollends emporgearbeitet haben, wenn
nicht schon mit dem Jahre 1798 der Con»
tract abgelaufen wäre, den Stentzsch
mit dem Bescher des Nationaltheaters,
mit dein Grafen Nostitz, geschloffen
und der nun, nachdem Steinsberg
diese Bühne übernommen, auch für ihn
bindend war. DaS .Nationaltheater"
ging in den Besitz der Stände über.
welche es nun dem aus früheren Iah«
ren als B u f f o bekannten G u a r>
d a s o n i , der sich zur Haltung einer
guten Oper verpflichten mußte, zur Lei»
tung übergaben. Steins berg war
nunmehr wieder nur Director deS ,va«
terländischen" Theaters in der Hiberner-
gaffe mit dessen Gesellschaft er auch
in den Sommermonaten die Badeorte
Karlsbad und Tevlitz besuchte. Mit die-
em Theater hatte Steinsberg wech«
selndeS Glück, obwohl er eS an Nichts
fehlen ließ, um die Theilnahme des Pu«
blicums zu wecken und sich zu erhalten.
So z. B. ließ er einmal ein militärisches
Schauspiel unter freiem Himmel auffüh.
en, bei welchem aus wirklichen Ka«
nonen geschossen und ein damals öder
Festungswall nächst dem Neuthor ge»
stürmt und vertheidigt wurde. Mit dem
Schlüsse des Jahres 1799 trat Steins«
erg die Direction des vaterländischen
Theaters an seinen Regisseur Karl
W a h r ab und selbst begab er
sich nach
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Stehlik-Stietka, Volume 38
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Stehlik-Stietka
- Volume
- 38
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1879
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 398
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon