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Steinschneider, Moriz 162 Steinschneider, Moriz
damals im Theresianum studirten, deren
Schwester und deren Schwager, dem Für«
sten Richard Khevenh ü lle r - M e tsch.
S. hatte die Absicht,
sich zum Rabbiner und
Prediger heranzubilden; es wurde ihm
oder, nachdem er seine öffentlichen Stu«
dien beendet hatte, der fernere Aufent-
halt in Wien von der Polizei untersagt,
und selbst die Empfehlung des auch
außerhalb derIndenkreise hochgeachteten
Predigers Isak Noa M a n n h e i m e r
sBllnd XVI, Seite 386) war nicht im
Stande, die Rücknahme dieses VerboteS
zu bewiiken. Er bemühte sich nun um
einen Paß ins Ausland, und zwar zu-
nächst nach Berlin, war auch jchon. auf
Nebenwegen und unter mancherlei Be-
schwerden bis Leipzig gekommen, als ihn
dort die Nachricht von der Verweigerung
deS Paffes erreichte. So war denn Vor>
und Rückweg abgeschnitten. S te in« !
s
ch
n e i d e r blieb in Leipzig imd ließ
sich daselbst immatriculireu. Er setzte
nun unter Fleisch er das Studium des
Arabischen fort. unternahm den Versuch
einer wörtlichen Uebersetzung des ,Ko»
ran" in's Hebräische und bei heiligte sich
an der von Fr. D el i
tz
sch begonnenen
Herausgabe des „N2 <^1l«.^ 'im> uo:i
Ahron ben Elia. welche anch im Jahre
1841- gedruckt erschien; die österreichi»
scheu Censurverhaltliiffe aber hinderten
ihn, sich offen als Mitherausgeber zu
nennen. Nebenbei schrieb er Artikel über
jüdische und arabische Literatur für Pie-
re r'ä , Universal-Encyklopädie". Im
Herbst 1839 kam S. mit einem Leip-
ziger Unioersitatspaffe nach Berlin, wo er
vergleichende Sprachkunde (bei Bopp),
Geschichte der orientalischen Literatur
u. f. w. hörte, und mit Z u n z uud
G e i g e r in nähere Verbindung trat.
Im Jahre l842 kehrte er nach Prag
zurück und lebte vom Unterrichtgeben; einen in dieser Zeit an ihn ergangenen
Ruf, die Direclion der P e r l'schen
Schule in Tarnopol zu übernehmen,
lehnte er ab. Auch verkehrte er damals
bereits mit S. 3. Rapopor t sBand
XXIV, S. 31-i^. Michael SachS und
Ad. Ie l inek sBx X, S. 133^. I m
Jahre 1843 folgte er dem Di-. S a ch s
nach Berlin, aber die orthodoxe Rich«
tung desselben wirkte auf S te insch n ei»
der abstoßend, und in Folge dessen gab
er den Gedanken an das Rabbinat ganz«
lich auf. Wohl ermunterte ihn im Jahre
l847 der bekannte Statistiker Diete-
r ic i . sich der akademischen Laufbahn
zuzuwenden, aber damals zeigten sich
nach dieser Richtung hin für die Iu>
den wenig verlockende Aussichten' daher
legte S t ein schnei d er das sogenannte
Nectoreramen ab. Nur durch bedeu»
tende Empfehlungen und nach Besiegung
mannigfacher Schwierigkeiten gelang es
S., das preußische Bürgerrecht zu ettau«
gen. König Friedrich W i lt) e I m IV.
^n'.terschrieb das Nieoerlaffungsdecret an
dem denkwi'udigen Abend des 1?. März
1848. Es mochte wohl das letzte ge«
wesen sein, das er unterschrieb. Die Er»
eigniffe des Jahres l848 führten auch
S. auf das politische Gebiet, und so war
er im Sommer genannten Jahres als Ne«
richterstatter der „National'Zeitung" über
die Sitzungen der Nationale Versamm«
lung uud als Correspondent der von
dem Professor H a S n e r sBand VII I ,
S. 32, im Tert^ redigirten „Präger Zei»
tung" thätig. I u demselben Jahre aber
erhielt er auch den Auftrag zur Anferti-
gung eines' Kataloges der hebräischen
Bücher in der B o dl ei a n i'schen Bi«
bliothek, welcher Arbeit w^gcn er bis
zum Jahre 18ö8^ durch vier Sommer,
seinen Aufenthalt in Oxford nehmen
mußte. Dieser Aufenthalt in England
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Stehlik-Stietka, Volume 38
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Stehlik-Stietka
- Volume
- 38
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1879
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 398
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon