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Steinwendner 169 Steinwendner
worden, so sind in wenigen Jahren noch
mehrere andere Oesterreicher. >o R o cd
aus Tirol, Otma aus Salzburg, Franz
S u b s t e r z i n auS Görz. Ferdinand
M a y o s k i aus Böhmen und Franz
P ick le r aus Steiermark, Opfer ihres
heiligen Berufes geworden.
Wiener Zei tung <86:j. Nr. 204.
Steinwendner, Joseph (Bauer,
geb. in 3 ungau im Salzk^mmergute
im Jahre 1722, gest. zu W e r f e n
6. October l788). Diesen merkwürdigen
Mann hat ein deutscher Autor, um zu
der „eisernen Maske" der Franzosen, für
welche Erfindung ihnen ein für alle Mal
die Priorität eingeräumt werden muß. ein
Gegenstück in Deutschland ;u haben, als
die „Deutsche eiserne Maske" bezeichnet,
obwohl S t r inwendner weder stumm
war, noch eine Maske trug. Die Sache
verhalt sich so: Im Jahre 1893 sind bei
Geßner iu Zürich zwei Bände .Briefe
eines reisenden Franzosen über Deutsch,
land. Aus dem Französischen" erschie-
nen, welche von einer eisernen Maske im
Schlosse Werfen im Salzburgiscben berich.
ten. Diese „Briefe eines reisenden Franko«
sen" haben nun eine eigene Geschichte.
Nach Einigen waren sie weder von einem
Franzosen geschrieben. noch auS dem
Französischen überseht, sondern ihr Ver»
faffer wäre Ioh. Casp. RiSbeck lgesi.
9. Februar 1786). Nach Anderen wären
diese Briefe wirklich nur eine Ueber»
sehung des Werkes: „I^ttrss sur 1'^ils-
wa^llk« (Mannheim 1784. 42".). als
dessen Verfasser C. Alexandre Col l in i
(geb. ;u Floren; 1727, gest. 22. März
1806). der Secretär Voltaire's, be-
zeichnet wird. Klarheit über die Autor»
scbaft dieser Briefe, über welche Weiß
im Artikel RiSbeck der „VioFrapKis
ferner Beuchot im Ar» tikel C o l l i n i derselben „Li
univer56lle" und auch Barbier ihre
Ansichten ausgesprochen haben, fehlt
noch zur Stunde und uns damit zu be«
fassen. ist nicht unsere Aufgabe. Aber
diese Briefe gedenken einer ,Eisernen
Maske" im Schlöffe Werfen, an welcher
der Titel „Eiserne MaSke" eine plumpe
Lüge, am Ganzen aber dock ein Funk»
chen Wahrheit liorhanoen ist. Das
Schloß Werlen hatte wirklich einen merk'
würdigen Gefangenen, der I o s e p h
S t e i n w e n d n e r hieß und ein
Baller auf dem Iasaberge im Lungau
war. Dieser Bauer nun wäre die eiserne
Maske des Schlosses Werfen. S te in -
wenduer war ein der Heterodorie
verdächtiger Mann, und wurde in >>'olge
dessen unter der Regierung des Gczbi-
sä'oi's S i g i s m u n d aus dem Hause
Schrattenbach nach dem Schlöffe
l Werfen gebracht und daselbst in Hclft
gehalten. Kaum war S lein we udne r
in Haft genommen worden, als er die
Nolle des S'ummen spielte und sie mit
Staunen erregender Consequenz bei«
nahe sieben Jahre fortspielte, ohne je
in irgend einer Beziehung aus derselben
zu fallen oder sich in irgend Etwas zu
verrathen. Erst nach diesem Zeitraume
gelang es dem Zünden eines ManneS.
zu dem Steinwendner ein beson»
deres Vertrauen zu haben schien, ihn
zur Sprache zu bewegen. Mit diesem
Bruch seiner Hartnäckigkeit hatte flch S.
auch sein LooS wesentlich verbessert; er
wurde mit großer Schonung behandelt,
die zwei Scdloßgeistlichen besuchten ihn
und luden ihn oft zu sich und der Pfleger
; PattizKurz von Goldenstein machte
! ihn zum Aufseher über die übrigen Ge»
fcmgenen. Er dürfte nicht nur frei auf
dem Schlöffe herumgehen, sondern sich
auch auf mehrere Stunden daraus ent»
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Stehlik-Stietka, Volume 38
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Stehlik-Stietka
- Volume
- 38
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1879
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 398
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon