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Stehhamei, Ficmz 179 Stel)hamer^ Franz
gütl" verlebte S. seine Kinder- und Iu«
gendjahre, besuchte die Dorfschule zu
Pramet (Pfarre Schildern), wo er an»
fanglich geringe Fortschritte machte, spa-
ter aber viel Eifer und FleiĂź zeigte. Im
Jahre 1816 kam er nach Salzburg und
besuchte dort bis 1821, dann 1822 in
Grah und 1823 und 1824 wieder in
Salzburg die Gymnasial, und Lyceal«
clafsen, worauf F r a n z nach dem
Wunsche des Vaters sich dem geistlichen!
Stande widmen sollte. wozu er sicb
jedoch nicht verstehen wollte. So begab
er sich denn 4823 nach Gratz und hörte
dort durch drei Jahre die Rechte, gab
jedoch auch dieses Studium auf und
ging im Jahre 1829 nach Neindorf als
Erzieher in der Familie eines Herrn von
Ostertag und im nächsten Jahre in
gleicher Eigenschaft in ein gräfliches
Haus zu Bielih in Schlesien. Als er in
sich das Talent zum Zeichnen entdeckte,
wollte er mit einem Male Maler wer«
den, reiste 1831 nach Wien. ĂĽbernahm
1832 eine Erzieherstelle im Institute
eineS Herrn I . Blöchl inger und be«
suchte zugleich die Akademie der bilden-
den KĂĽnste. Nach einiger Zeit legte er die
Erzieherstelle nieder, gab aber auch alsbald
den Gedanken,
sich
zum KĂĽnstler zu bilden,
auf. da ihm alle Mittel, sich selbst fort-
zubringen, fehlten, und so von der Noth
gezwungen, entschloĂź er sicb, dem Wunsche
deS VaterS gemäß, Theologie zu stu»
diren. Er ging also nach Linz und trat
dort 1832 als Externist in die Theolo-
gie ein. Damals schon entstanden seine
ersten Lieder in obderennsischer Volks«
mundart: „DaDaubä.",— „d'Stern".
— „'S Heumahda G'song". — „Dö
Blüeml",— „'s GottSnam" u.a., welche
bald in Abschriften Verbreitung fanden,
und im Iimvieltel nach Gesangsweisen,
welche 3 öhrer, Conventual des Stiftes Reichersberg, ein Freund des Dichters,
dazu gesetzt hatte, allgemein gesungen
wurden. Eine PrĂĽfung am SchlĂĽsse des
zweiten theologischen Curses sollte fĂĽr
den Poeten verhangnißvoll werden. Be»
fragt ĂĽber das Wunder der Vermehrung
der Brode und Fische, gab S. eine Ant»
wort, die ihm eine scharfe Rüge ein«
trug, worauf Stelzhamer verletzt den
Saal verlieĂź und nicht wiederkehrte. S.
ergriff nun den Wanderstab und schritt
planlos in die Welt hinein, als ihn der
Zufall in Paffau mit einem Gratzer Stu«
dienfreunde Namens Beck to ld zu«
sammem'ĂĽhrte. der nun Theaterdirector
einer wandernden Truppe war. Bech-
told gewann bald seinen ehemaligen
Kameraden fĂĽr seine Truppe und S.
wurde Schauspieler, als solcher den Na«
men R e i t z h a m e r annehmend. Er
spielte Intriganten, so den Ăśasa ra
in „Johanna vun Montfaucon" , den
F r a n z in Schi l ler 's „Räuber",
den Gott l ieb Kocke iu Ziegler 'S
„Parteiwuth"; auch ward ihm die Gunst
zu Theil, damals Unterweisung im Spiel
von der berühmten Sophie Schröder
zu erhalten, welche eben zu jener Zeit
auf einem Gastspiel anwesend war. Als
nach drei Viertel Jahren Director B ech«
told sich für insolvent erklärte, und in
Folge dessen auch Franz im Gasthause
„hängen geblieben-, mußte die Mutter
schleunigst herbei, um ihren Sohn auszu»
lösen. Mutter und Sohn kamen im
März 1833 in Scharding an. Dort be.
gegnete er einem Salzburger Schul»
kameraden, der seine Gedichte kannte
und ihm den Rath ertheilte, dieselben
zu sammeln und herauszugeben. Im
Wirthshause uoch wurde ein Subscriv«
tiousbogen aufgelegt, auf dem sich fĂĽnf-
zehn Verehrer seiner Muse mit je einem
Gulden unterzeichneten. Für den Augen«
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Stehlik-Stietka, Volume 38
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Stehlik-Stietka
- Volume
- 38
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1879
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 398
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon