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StelHammer, Johann Christoph ^ 98 StelHammer, Johann Christoph
zu erledigende Professur der Experimen»
talphysik. Als die Akademie eröffnet
wurde, stand S t e l z h a m m e r zu»
erst der Abtheilung der Rechtscandi.
daten als Präfect vor. Nach einiger Zeit
schon übernahm er aber die Vorlesungen
über Montanistik und Mineralogie. I n
dieser Stellung richtete er den ziemlich
verwahrlosten mineralogischen Saal ganz
neu ein, und um ihn in einer den For-
derungen der Zeit entsprechenden Weise
auszustatten, unternahm er im Jahre
4798 eine Reise in die ungarischen Berg.
städte. Nachdem er durch fünf Jahre die
genannten Lehrfächer vorgetragen, wurde
er zum ordentlichen Professor an der the-
resianischen Akademie ernannt. In den
Herbstferien 1800 aber erhielt er einen
Ruf an den k. k. Hof von Este nach
Neustadt, um den Erzherzogen F ra nz
und Mar im i l i an von Oesterreich« Tste
die mit der Chemie verbundenen neuesten
Versuche aus der Naturlehre vorzutra»
gen, welchen Vorträgen später auch nock
der Erzherzog Ferdinand beiwohnte.
Stelz Hammer hatte diese ihm über-
tragene ehrenvolle Aufgabe in so ent>
sprechender Weise gelöst, daß er spater
berufen wurde, in Wien dem Erzherzoge
Kar l Ambros Mand V I , S. 388,
Nr. 140^, nachmaligem Primas von Un-
gärn, Vortrage aus der ga-'zen Natur-
lehre zu halten. Als bald darauf, im
Jahre 4862. die Stelle eines Custos bei
dem vereinigten k. k. physikalischen und
naturhistorischen Cabinete, dessen Direo
tor Andreas Stütz war, erledigt war,
bewarb S. sich um dieselbe und erhielt
sie auch, doch unter der Bedingung, daß
er die Vortrage an der theresianischen
Ritterakademie auch weiters zu versehen
habe. Stelzhammer hielt auch noch
später, als besagte Akademie an die
Priester der frommen Schulen überge« ! gangen war. seine physikalischen, Vor<
träge an derselben. Als nach dem Tode
deS Directors Stütz im Jahre 1806
die Cabinette getrennt wurden, erhielt
S. die Leitung des physikalischen mit der
gleichzeitigen Besorgung des astronomi»
schen Thurmes im Schweizerhofe der
k. k. Burg, wohin dann im Jahre 1K10
auch daS Cabinet verseht und ihm eine
Wohnung eingeräumt wurde. Daselbst
trug er nun dem gefammten kaiserlichen
Hofe durch zwei Jahre an den Winter«
abenden die neuesten Versuche a»S der
Naturlehre vor, denen der Kaiser selbst
so lange beiwohnte, bis ihn die Kriegs-
ereigniffe ins Feld riefen. Später hielt
er diese Vortrage den Erzherzoginen
Leopoldine und Clementine, bei
denen auch die Kaiserin Mar ia 3u«
d ovi ca zugegen war. Als im Jahre
1816 die Errichtung des polytechnischen
Institutes beschlossen wurde, überließ
der Kaiser die erblandischen Producte
und Alles dahin Gehörige deS kaiser»
lichen physikalischen Cabinets dem neuen
Institute als Grundlage zum Geschenk,
und Stelzhammer hielt an demsel»
ben mehrere Monate hindurch die Vor»
lesungen auS der Naturlehre, bis der
eigenS hierzu ernannte Professor dieselben
übernahm. Auch an der therefianischen
Ritterakademie gingen die Vorträge,
welche S. bisher gehalten an die Prie«
ster der frommen Schulen über. Stelz»
Hammer behielt demnach nur mehr die
Aufsicht über das k. k. optische und astro«
nomische Cabinet und hatte noch dem
Kronprinzen Erzherzog Ferdinand die
Vorlesungen über das Neueste aus der
Natur« und Maschinenlehre zu halten.
Zugleich hielt er in den Wintermonaten
öffentliche Vortrage für Liebhaber der
Naturlehre beiderlei Geschlechtes. Diese
vielseitige und verdienstliche Thätigkeit
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Stehlik-Stietka, Volume 38
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Stehlik-Stietka
- Volume
- 38
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1879
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 398
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon