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Stimulier 200 aller
i l . Juni 185« als Pfarrer ander St. Galli
tirche in Prag und fürsterzbischöflicher Notar
gestorben.
Etelzmüller, Adalbert (Poet und
Componist, geb. in Wien im Jahre
4838, gest. zu B i fa mb erg nächst Kor
neuburg 30. November 1868). Ueber
die Lebensverhältniffe, seine Erziehung
und seinen ferneren Bildungsgang lie
gen knappe Nachrichten vor. Seine in
die Oeffentlichkeit gelangten schriftstelle,
rischen Arbeiten lassen wohl auf ein
durch Halbbildung beeinträchtigtes Stre»
bcn schließen. Uekerdieß bekleidete er die
Stelle eines Capellmeisters und war als
solcher auch populär. S t e l z m ü l l e r
war als Componist und als Schriftsteller
zugleich thätig. Als Componist war er
ziemlich fruchtbar, denn schon im Jahre
1860 begegnen wir seinen Kompositionen,
von denen ^O?-?'on. H5sHe'ilat?'on <ms?o
ck'Fne« (Wien, Spina) als 0p. 9; —
„Oin Vlick in i>it Ferne. Gliginlll-MelMe"
(ebd.. Weffely und Büsing) als Ox. 12,
und ein „Ellluerwalzer" (ebd., Lewy) als
Op. 2? bezeichnet sind. Nun folgten im
Jahre 1861: ein „Nachruf an Saphir.
Grllnermlllzer" 0p. 4 (Wien, Lewy)' —
„Nrei Neber«. Nr. 1: „Der schönste Wan<
derstab"; Nr. 2: „Der ungestüme Wan-
derer"; Nr. 3: , Im Stillen" 0x. 14
(Wien, Glöggl)'. — „Gnt'n Morgen, mein
Nebchln" 0z>. 13 (Wien, Glöggl), jedes
für eine Singstimme mit Begleitung dcs
Pianoforte; — im Jahre 1864: „Nie
Mutter und du5 Kind" (^Wie ward zu
solchem Jammer"), Gedicht von C h a-
misso. 0p. 15 (Wien, Glöggl) für
eine Singstimme. Ueber den Werth sei.
ner Lieder'Compositionen finden wir nir«
gends etwas bemerkt; nur die Fürst
CzartorySki'schen „Recensionen" be.
richten anläßlich eines Concertes in kurz
abweisender Haltung, daß „ein Com> ponist A. Stelz müller seine Com»
Positionen habe vorsingen lassen". Hin«
gegen wird von den Walzer. Compoft«
tionen berichtet, daß dieselben von vie«
len vorzüglichen Orchestern aufgeführt
wurden und ihrer reizenden Melodien
wie ihres musikalischen Schwunges we«
gen allgemeinen Beifall fanden. Als
Poet trat er kurz vor seinem Ableben
mit einer Sammlung, betitelt: „Das 3e.
ben des Volkrz" (Wien 1868, Gerold)
auf, über welches Buch die Meinungen
diametral auseinander gehen. Wahrend
». K u l k e von diesen Gedichten
schreibt, „daß Stelzmül ler ein Mann
von kräftiger Empfindung ist, dessen Ge«
danken aber oft unverständlich seien, daß
er den volksthümlicken Ton treffe, dieß
aber manchmal auf Kosten der schönen
Form und des künstlerischer?Maßes thue,
daß man im Ganzen aber diese Gedichte
nur freudig begrüßen und den Dickter
zu weiterer Thätigkeit aufrichtig ermun»
lern könne" erklärt die „Neue freie
Presse", diese «Dichtungen für namen»
los schleckte Reimereien, deren Verfasser
seine Zeit zu grammaticaliscden Stu>
dien hatte verwenden sollen, statt eine
Sammlung angeblicker „Gedickte" her»
auszugeben, die in Wirklickkeit nichts
als illustrirte Belege für den völligen
Mangel jeder elementaren Bildung deS
Autors sind. Aus den bodenlos schlech-
m Versen spreche ein Weltschmerz. der
deutlich auf ein verfehltes Leben hin«
weise, was in Hinsicht auf des AurorS
nfernalische Lyrik doppelt zu bedauern
st. Nach einer mitgetheilten Probe,
chließt die „Neue freie Presse", könne
das „Literatur-Gericht", wie ein solckes
Ste lzmül ler in einem seiner Gedichte
anführt, die Verse S telzmüller 's nur
um Tode verurtheilen«. Das Richtige
>ieser Gegensatze dürfte wohl in der
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Stehlik-Stietka, Volume 38
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Stehlik-Stietka
- Volume
- 38
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1879
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 398
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon