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Stentzsch (Genealogie) 204 Sten^l
Kriegsdienste begegnen. Es gab eine fchlesi-
sche Familie dieses Namens, die im Kreise
Schwiebus und im Glogau'schen seĂźhaft
war und deren Sprossen theils in Hofdiensten
des Bischofs von Breslau standen, theils als
Deputirte in Landesangelegenheiten thätig
waren. Die in Meisten unfähige Familie hatte
ihr gleichnamiges Stammhaus Stentz sch
in Meissen und war später (um 1663) im
Stifte WĂĽrzen seĂźhaft. Ueber eine Zusam,
mengehöcigkeit beider Familien fehlen alle
Daten.— Bemerkenswerth sind noch folgende
Träger dieses Namens: l. Ignaz Freiherr
von Stentz (geb. zu Innsbruck 21. August
l743. gest. <790). Allem Anscheine nach ein
Sohn des Georg Frciherrn von S t e n tz sch,
der ja eben um <743 commandirender Gene-
ral in Tirol war. Ignaz erhielt seine mili<
tarische Ausbildung in der Wiener-Neustädter
Militär-Akademie, wurde später bei Koch«
Infanterie Nr. l? Hauptmann und bei
Ausbruch des Erdfolgekneges des Kaisers
FlĂĽgel.Adjutant. In der Folge wurde er
Oberst bei Lattermann «Infanterie Nr. 45.
Am i6. September l?89 commandirte er im
Gefechte bei Borec» ein Bataillon seines
Regimentes mit rĂĽhmlicher Tapferkeit, wohnte
der Belagerung und Einnahme von Bel«
grad am v. October bei und escortirte die
23.000 Mann starke Besatzung nach Orsooa.
Mit mcht minderer Auszeichnung comman»
dirte rr da« 2. Bataillon bei der Eroberung
von Gladowa. Er starb im besten Mannes«
alter von erst 47 Jahren. — 2. Ein Johann
Sientzsch (geb. 24. Juni 177l. gest. zu
Prag 1827). ein Sprosse der obenerwähnten
schlesischen Familie, fĂĽhrte in den letzten Iah.
ren des vorigen Jahrhunderts (um l?9?)
die Direction des sogenannten „vateiländi«
schen" Theaters in Prag. daS im aufgehobe«
nen Kloster der Hiberner seine Vorstellungen
in deutscher und öechischer Sprache gab. Nach-
dem Guolfinger Ritter von Steinsberg
lsiehe S. !52) die Direction des odenge«
nannten Theaters im Jahre t?9? von Frei<
Herrn von Stentz sch ĂĽbernommen, trat
dieser die DireclMi des Nationaltheaters
an, welches dem Grafen Nllstitz<Rhien<
es gehörte und später in den Besitz der
böhmischen Stände überging. Stentz sch
hatte bei diesem Geschäfte den größten
Theil seines Vermögens eingebüßt und war
noch im Laufe desselben Jahres genöthigt,
die Direction niederzulegen, welche nunmehr
auch Ste insberg antrat. Freiherr von Stentz sch wird als ein Mann von gründ«
lichem Wissen, feiner Bildung und vornehmem
Wesen geschildert. Seine Lieblings beschäf-
tigung bestand in Geschichte und vornehm»
lich jener Böhmens. I n dieser wieder richtete
er sein ganzes Augenmerk auf das Leben
und die Zeit Albrechts von Wal len st ein,
nachmaligen Herzogs von Friedland, und
sammelte die Materialien zu einer Geschichte
desselben mit groĂźer MĂĽhe und nicht geringen
Kosten, indem er alle Archive Böhmens und
der sächsischen Lausitz durchforschte. S. hatte
die Absicht, die Unschuld Wa l l enstein's zu
erweisen. Was mit diesen Materialien ge.
schehen, ist nicht bekannt. Ich entsinne mich
aber, von Emanuel St räube, der in der
böhmischen vereinigten Hofkanzlei — jetzt Mini.
sterium des Innern — angestellt war, aehört
zu haben, daß er (Sträube) einmal nack
Böhmen abgeschickt worden, um dort eine
Kiste WallensteiwActen zu ĂĽbernehmen, welche
auch Jahre lang in den Kellern der damaligen
Hofkanzlei oeponirt waren. Was damit
geschehen, ist mir nicht bekannt. — Die letzten
Ttentzsch, die in öffentlichen Diensten
erscheinen, find: Franz Anton Freiherr
von Stentz sch (geb. zu Prag um <777),
gest. als Oberstlieutenant in Pension zu
St. Pötten am l4. April 1343. und ein
Ka r l Freiherr von Stentz sch, der zu meiner
Zeit (i843) Unterlieutenant im 4. Cheoaui>
leger«Regiment, damals Alfred Fürst Win-
dischgrätz. im Jahre 1863 Oberstlieutenant
bei GroĂźfĂĽrst Nikolaus'Huszaren Nr. 2 war.
sich aber nicht mehr in Actwität befindet.
Stenzl, C. F. (Kapellmeister,
geb. in Wien, Geburtsjahr unbekannt,
gest. ebd. 42. November 1864). Ueber
seinen LebenS» und Bildungsgang lie-
gen nur spärliche Nachrichten vor. Da
er gut musikalisch geschult war und die
Violine trefflich spielte, widmete er sich
der musikalischen Laufbahn und war
mehrere Jahre als Violinspielör im Or«
chefter des Theaters an der Wien ange<
stellt. Später kam er als Kapellmeister
in das Carltheater in der Leopoldstadt,
in welcher Stellung er auch nach lan«
gerer Krankheit starb. S t e n z l war
auch als Componist Thätig. So hat er
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Stehlik-Stietka, Volume 38
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Stehlik-Stietka
- Volume
- 38
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1879
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 398
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon