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Stepanek 207 Stöpanek
schaft, stellte sick an ihre Spitze und
gab serbische Stücke, deren Ertrag zu
wohlthätigen Zwecken bestimmt war. So
wurden in der Zeit von <8!2 bis
18!3. also innerhalb nur dreier Jahre,
28 solcbe Vorstellungen gegeben, welche
eine Summe von über 13.0W fl. zu
wohlthätigen Zwecken abwarfen'. und
in der Zeit von 18l5 —1820 wieder
21 öechische Stücke mit einem Gesammt«
ergebniß von über 14.000 st. Diese an»
sehnlichen Summen wurden an die
Wohlthätigkeits-Anstalten Prags baac
abgeführt. Er setzte diese Wohlthätig.
keits'Vorstellungen auch in den folgen»
den Jahren fort und auch diese lieferten
stattliche Summen zu den edlen Zwecken,
aber dem Herausgeber fehlen die Ueber«
sichten dieser Einnahmen. Wirkte S. in
vorgenannter Weise nach einer, der hu«
mamstischeil Richtung, mit bestem Er»
folge, so war er nicht minder bemüht,
das patriotische Gefühl durch Stücke zu
beleben und zu erheben, in welchen
vaterlandische Begebenheiten mit begei-
stertern Patriotismus behandelt wurden.
So brachte er im I . 1812 das Schau-
spiel „Die Belagerung PragS durch die
Schweden" oder „Böhmische Treue und
Tapferkeit". — im Jahre 1313 das
Schauspiel ,Bre t is law, der Böhmen
Achilles" oder ,Der Sieg der Böhmen
bei Tauß", und in eben demselben Jahre
zur Feier des Sieges bei Leipzig das
GelegenheitSstück ,Die Patrioten" zur
Aufführung, welche Arbeiten der Stim«
mung, wie sie in der denkwürdigen Zeit
der Befreiungskriege erforderlich war,
Rechnung trugen und auch eine enthu«
siastische Aufnahme fanden. Er war es
auch, der den Einfall hatte und der Erste
ausführte, in den Wintermonaten an
den Sonn- und Feiertagen in dem land«
ständischen Schauspielhause um die vierte Nachmictagsstunde aechische Stücke und
Singspiele aufzuführen, was bei einer
zweckmäßigen Wahl der Stücke und in
einer Zeit, in welcher der Nationalitäten-
Hader noch nicht in fo verderblicher Weise
wie heute fortwucberte. auf die Bildung,
ja auf die Sittlichkeit der Bevölkerung
einen wohlthuenden Eindruck übte. I n
Folge dieser anerkennenswerthen Bestre»
bungen erhielt Stop anek im I . t8i6
die Stelle eines SecretärS und Buch»
Halters an der böhmisch » ständischen
Bühne, in welcher Anstellung er bis an
sein Lebensende verblieb. Wie sckon
oben bemerkt wurde, war S. für die
Bereicherung des Repertoires der öechi«
schen Bühne rastlos thätig; nickt nur
schrieb er eine stattliche Reihe von Ori»
ginalstücken. er war auch unermüdlich
im Uebersetzen der besten dramatischen
Arbeiten deS Auslandes, vornehmlich
der deutschen Bühne, von denen eine
Sammlung der ersteren wie ein großer
Theil der letzteren auch im Druck er-
schien. (Die dramatischen Arbeiten S.'S
werden auf Seite 209 angeführt.) Im
Jahre l8<9 begann Stepänek die
Herausgabe seiner, Stücke unter dem Ge-
sammttitel ^OivHäio«, wovon bis zum
Jahre 1332 16 Bande mit 52 Stücken
veröffentlicht wurden. Warum er die«
selbe nicht weiter führte ist nicht bekannt,
aber um so mehr auffällig, als auch nach
dieser Zeit mehrere Orig'malftücke und
eine große Menge von Uebersetzungen
durch den Druck in Einzelausgaben
ausgegeben wurden. Im Ganzen be«
lauft sich die Zahl der von Stspanek
geschriebenen theils originalen, theils
übersetzten Trauer-, Schau» und Lust-
spiele. Possen und Opern auf über
zweihundert, von denen jedoch wohl
nur die Hälfte in der oben genannten
Sammlung .oder in Einzelausgaben er»
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Stehlik-Stietka, Volume 38
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Stehlik-Stietka
- Volume
- 38
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1879
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 398
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon