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Stephanie, Christian Gottlob 218 Stephanie^ Christian Gottlob
Kirchhof , beide m-t ihren Frauen,
Reichard, Mü l le r der Vater, Ste-
pHanie ihre Entlassung nahmen. Ste-
phanie wendete sick mit K i r chho f
und einigen anderen Collegen zunächst
nach Altona. wo sie eine eigene Gesell»
schaft bildeten. und im dortigen Drei«
teufel'Hof nur regelmäßige Stücke ga-
ben. Stephanie spielte damals die
ersten Liebhaber« und Charakterrollen.
Aber theils war die Theilnahme des
PublicumS eine geringe, theils eiferte
die orthodoxe Geistlichkeit von den Kan»
zeln herab gegen das sündhafte Gaukel-
spiel und endlich hatte die Anschaffung
der Costurne und neuen Decorationen
die Mittel der Ges-llschatt erschöpft, so
daß sich dieselbe auflöste. Stephanie
mit Kirchhof und seiner Frau begaben
sich nun nach Mietau. wo eben ein
neues Theater errichtet wotden war.
Dort fand Stephanie solchen Beifall,
daß der Ruf seiner Leistungen bis nach
Wien drang und von dort an ihn die
Einladung erging, in Wien zu spielen.
Mar ia Theresia hatte eben damals
den Entschluß gefaßt, das deutsche Thea
ter in einer dem Glänze und der Größe
ihres Hofes entsprechenden Weise herzu»
stellen, und Graf D u r a z z o ward
beauftragt, die entsprechende Bühnen»
reform durchzuführen. Durch Weiß .
k e r n's Vermittlung wurde 1760 S.
an die Wiener Bühne berufen. Ob«
gleich seine Berufung ausdrücklich für
das Auftreten in regelmäßigen
Stücken erfolgte, so wollte sich doch
Stephanie im vorhinein sichern und
bestand darauf, daß diese feine theatra»
lrschc Thätigkeit fest begrenzende Klausel
in seinen Vertrag geseht werde, was
auch in der That geschah. Ungeachtet
dessen war er doch genöthigt, nicht auf
der strengen Durchführung dieser Klau« sel zu beharren, da in dem damaligen
Wiener Publicum der Geschmack für die
extemporirte Komödie noch stark vor»
herrschte und eS einiger Zeit noch bedürfte,
um dasselbe für eine edlere Richtung
zu gewinnen. Wollte Stephanie seine
Laufbahn nicr-t aufgeben, so mußte er
sich zu dem kleineren Uebel entschließen;
blieb ihm dann doch die Hoffnung, das
Wiener Publicum für edlere Aufgaben
vorzubereiten. Und in der That hatte
S t e p h a n i e richtig gerechnet. Sein
Auftreten in der ertemporirten Komödie
hatte ihm die Theilnahme des Publi-
cums so gewonnen, daß eS nun auch
Verlangen trug. den jungen tüchtigen
Künstler im regelrechten Stücke zu sehen,
und er hatte das Glück so zu gefallen,
daß er durch sein treffliches Spiel die
Theilnahme deS Publicums für das
edlere Drama weckte, und es dahin
brachte, daß im Jahre 4762 von der
Dircction ausdrücklich festgesetzt wurde,
daß in jeder Woche ein Trauerspiel und
ein regelmäßiges Lustspiel gegeben wer«
den muffe. So war der erste Schritt
für die Verbesserung der Bühne im
Kaiserstaate geschehen. Um Wese Rich«
tung auch noch in anderer Weise zu för»
dern, begann Stephanie im Jahre
4766 eine Monatsschrift herauszugeben
unter dem Titel: „Gesammelte Schritten znm
Vergnügen nnd ;um Anterrichj", wovon jeden
Monat ein Stück, sechs Bogen fassend,
erschien, das prosaische Aufsatze aller
Art, Erzählungen, kleine Theaterstücke,
Fabeln und andere Gedichte, sowie Kri-
tiken zugleich mit Uebersetzungen auS dem
Englischen und Französischen enthielt.
Diese Monatfchrift fand Theilnahme und
es gelang, sie durch drei Jahre, 1766,
4767 und 4768, fortzuführen. Um diese
Zeit trat Sonnenfels auf mit seinen
reformatorischen Ideen über das Thea»
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Stehlik-Stietka, Volume 38
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Stehlik-Stietka
- Volume
- 38
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1879
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 398
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon