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thematisch geschulten Vopfe nickt zu. Ei
nahm also Wolf 's. Sturm's u. A
physikalische Schriften ror und studirte
sie gründlich. Von Olmütz kam er nach
Glatz und von da nach Sckweidnitz. an
welch beiden Orten er selbst in den un
tercn Classen daS Lehramt versah. Wät)>
rend dieser Beschäftigung mit der Iu>
gend. welche durch drei Jahre anhielt,
war ihm nur wenig Muße geblieben,
seine mathematischen Studien fortzusehen,
und alles, was er in dieser Richtung
thun konnte, beschrankte sich auf seine
mathematischen Unterhaltungen mit dem
Jesuiten Johann Claudian. der vor-
mals die Mathematik in Olmütz vor
getragen hatte und zu jener Zeit in
Schweionitz sich befand. Nun schickten
ihn seine Oberen selbst nach Prag, da
mit er dort ordnungsmäßig seinen ma>
thematischen Studien obliege. Daselbst
war der Jesuit Heinrich M ü h l w e n z l
IBand XIX, S. 318) sein Lehrer. Im
Jahre 1743 endlich begann er die eigent
lichen theologischen Studien, in denen
er weniger auf die Vortrage der Lehrer
Ackt hatte, als sich in die Quellen selbst
vertiefte. Während er diesen Studien
oblag, mußte er noch den jungen Novi«
zen Vortrage aus der Mathematik hat«
ten. Aus dieser Zeit bereits stammt
S t e p l i n g's Corresponden; mit be«
rühmten Mathematikern seiner Zcit, wie
mit Heinrich Hiß in Ingolstadt. Chri«
stoph le Maire in Rom und Christian
Wolf in Halle. Nachdem er noch aus
den theologischen Wissenschaften öffent-
lich disputirt hatte, erhielt er endlich
die Priesterweihe. Im I . 1748 wurde er
zum Professor der Aristotelischen Philoso -
phie bestellt;-aber Stepl ing erklärte
den Normen des Iesuitismus zuwider,
der von seinen Mitgliedern unbeding.
ten Gehorsam forderte, freimüthig als ehrlicher Mann, eine Wissenschaft, mit
deren Ansichten er durchaus nicht über«
einstimme, nicht lehren zu können, und er
bat demnach, ihm zu gestatten, daß er
seine Mitbrüder in der Mathematik und
Experimentalphysik unterrichten dürfe.
Man gewährte ihm dieses Verlangen.
Nnd so war Stepl ing der erste Lehrer
der Experimentalphysik zu Prag, jedoch
nur für die Jesuiten allein. Immerhin
hatte er selbst bei dieser Beschränkung
für die Verbreitung seiner Wissenschaft
wesentlich genützt, denn zu feinen Schü«
lern zählten u. A.: Jacob Heinisch
Mand VIII, S. 220, in den Quellen),
Florian Asole, Johann Herber st ein
^Bd. VI I I , S. 334. Nr. 28). Kaspar
Sagner Md. XXVII I , S. 7l), Ste-
phan Schmid t Ad. XXX, S. 3l3,
Nr. 93), Johannes W e n d l i n g e n.
nachmals Lehrer der Mathematik zu Ma>
drid, und die polnischen Jesuiten, S i-
kerzin ski. Bohomolecz und Z i e«
browski, welche, wo sie lehrten, den
neuen durch Stepl ing vorgetragenen
Lehren der Physik Eingang verschafften.
Im obgenannten Jahre. 1748, hatte die
Berliner Akademie beschlossen, neue und
nach den Ergebnissen der Astronomie ab«
gefaßte Karten von Deutschland heraus«
zugeben. Zu diesem Zwecke sollten auf
an die Prager Universität gestelltes Er«
suchen der Berliner Akademie die Sonn»
und Mondessinsternisse des Jahres 1748
beobachtet und darnach die geographi»
sche Lage von Prag bestimmt werden.
Mit der Ausführung dieser Aufgabe
wurde Stepl ing betraut, welcher sie
auch entsprechend löste. Bei dieser Ar«
beit drängte sich ihm der Mangel einer
wohleingerichteten Sternwarte sehr fühl«
bar auf. Er machte darüber seinen Obe-
-en dringende und begründete Vorstel»
ungen und war so glücklich, Gehör zu
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Stehlik-Stietka, Volume 38
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Stehlik-Stietka
- Volume
- 38
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1879
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 398
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon