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Sternberg) Caspar 253 Caspar
ßischon Feldzug mitgemacht hatte, eine
besondere Vorliebe für den Soldaten«
stand; die Mutter Anna Joseph a.
eine geborene Grasin K o l o w r a t -
K r a k o v s k y , Tochter des nachma.
ligen Oberstburggrafen von Böhmen,
war eine sehr gebildete Frau, die mit
großer Fertigkeit deuisch, französisch, ita«
lienisch. spater auch englisch sprach und
schrieb, und eine besondere Neigung für
die französische, mit der Zeit auch für
die deutsche und englische Literatur an
den Tag legte. Der junge C a s p a r
wurde in seinem siebenten Jahre, nach-
dem er bereits durch Umgang die böh»
mische, deutsche und französische Sprache,
dann aucd etwas Latein erlernt hatte,
nach damaliger Sitte einem französischen
Abb6 Namens 3 ambin zur Erziehung,
zwei Jahre spater einem Jesuiten Na«
menS S p a l e k, zur weiteren Ausbil«
düng übergeben. Frühzeitig schon bekun«
dcte er eine große Vorliebe für Na-
turwifsenscb asten und es machte ihm
besonderes Vergnügen, seinem Bruder,
der in seinen Mußestunden Mineralogie
und Chemie, ja selbst Alchymie trieb,
als Famulus zur Seite zu stehen. Seine
erste Entwicklung siel in die letzten Jahre
der glorreichen Regierung der Kaiserin
M a r i a The res i a , wo sich eine
erfreuliche Regung aller Zweige der Wis-
senschafren bemächtigt hatte. Von den
Eltern zum geistlichen Stande bestimmt,
wurde dem jungen Sternberg schon
in seinem elften Jahre durch Empfeh.
lung der Kaiserin eine Domherrnprä-
bende in Freising vom Papste C l e>
mens XIV. und spater auch die von
Regensburg ertheilt, ohne daß er jedoch
hievon sonderlich Notiz nahm. Bei Aus»
bruch der Feindseligkeiten mit Preußen
im Jahre 1778, wollte er den ihm zuge»
dachten schwarzen Rock mit dem weißen vertauschen und inS Militär treten; man
rieth ihm jedoä) hievon ab und be<
stimmte ihn, die Theologie in Rom. im
dortigen Ooiis^ium ^ermaniouin zu stu«
diren. Nachdem er die Firmung und die
kleinen Weihen empfangen hatte, reiste
er sofort nach Wien zu seinem Onkel
dem Minister Grafcn Ko lowrat , der
ihn nach Rom befördern sollte, zuvor
ihn jedoch noch der Kaiserin M a r i a
T h e r e s i a vorstellte. Bei dieser Gc-
legenheit sagte die Monarchin zu ihm:
„Er reist jetzt nach Rom ins deutsche
Kollegium, um sich für den geistlichen
S:ano vorzubereiten. Er muß aber nicht
glauben, daß er dieserwegen geistlich
werden muß, menn er keine Vocation
hat. Wenn Er etwas gelernt hat. kann
er auch in einem andern Stand sein
Forlkommen sinden". Zu Anfang De«
cember 1779 verließ der nun 18jährige
CaSpar Wien, und kam am 23. De«
cember in Rom an. Vor seiner Auf-
nähme ins Collegium wurde ihm eine
Eidesformel vorgelegt, nach welcher er
schwören mußte, geistlich zu werden und
geraden Weges aus dem Collegium wie»
der zurückzureisen, ohne eine Nacht außer-
halb desselben in Rom zuzubringen, auch
nicht über Neapel zu reisen. Er legte
diesen Eid ab, wußte sich aber spater
durch päpstliche Dispens von seiner Er«
füllung zu befreien. Den zweijährigen
Aufenthalt und die klösterliche Lebens«
weise im Collegium, schildert der Graf
in seiner Selbstbiographie reckt ausführ«
lich und anziehend; spät erst war auch
dorthin die Kunde von dem Tode der
Kaiserin Mar ia Theresia, dem Re«
gierungsantriite Kaiser Josephs und
der Reise des Papstes P i u s VI. nach
Wien, gedrungen. Nach der resultatlosen
Heimkehr des Letzteren wurde eS den
am Collegium studirenden österreichischen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Stehlik-Stietka, Volume 38
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Stehlik-Stietka
- Volume
- 38
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1879
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 398
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon