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Sternberg) Caspar 238 Sternderg) Caspar
Verluste durck Abtretung deS linken
Rheinufers an Frankreich festsetzen sollte.
Als Opfer wurden hiebei die geistlichen
Stände auSersehen. deren Befchthümer
die CompensationSobjecte bilden mußten.
Hierüber war Sternberg so indig«
nirt, daß er zu den anwesenden Gesand-
ten sagte: „Ich wünsche, daß die Für-
fien, die sich nun ihres Gewinnes freuen,
diese Handlung nie bereuen mögen'. Wer
aber die Antastbalkeit rechtlich erwor«
benen Eigenthumes factisch anerkennt,
hat auch seine eigene Amovibilität mit
unterzeichnet!" — Regensburg, das
Domcapitel undBisthum. kamen 1803
an den Kurfürsten>Erzkan,zler von Mainz.
Dalberg. der Sternberg zum Vice»
Präsidenten deS neugeschaffenen LandeS»
commiffariats, später bei Auftösung des
letzteren zum Präsidenten der LandeS»
direction ernannte. Im April 1804 er-
folgte die Huldigung der Stadt Regens»
bürg; im nächsten Jahre reiste Stern-
berg, wegen der von Napo leon ge»
wünschten Ernennung eines Koadjutors.
mit einer Note des Kurfürsten-Erzkanz-
lers nack Paris, wo er durch Alexander
von Humboldt und General N u m.
fo rd Gelegenheit fand, mit den be>
rühmtet Gelehrten Lap lace . Ber>
tho le t , 3ac6pöde. Cuvier u. A.
zusammenzukommen. Hier erhielt er zu»
gleicb den ersten Impuls zum Studium
fossiler Pflanzen. in dem er später so
Großes leistete. Auch fand er Gelegen,
heit in Malmail'on die Kaiserin Jose«
pH ine kennen zu lernen, mit der er
sicb über Botanik unterhielt und von ihr
die Erlaubniß bekam, Setzlinqe neuhol-
l^ndischer Pflanzen in ihrem Garten zu
wählen, während er ihr eins Centurie
deutscher Alpenpflanzen verehrte. — Im
Jänner 4806 wurde S ternbe rg nach
München berufen, um bei der Trauung deS Stiefsohnes von N a p o l e o n ,
E u g e n B e a u h a r n a i s , mit der
Tockter des Königs von Bayern, dem
Primas zu assistiren. Am folgenden Tage
mußte der ganze bayerische Adel nach
einem von B o n a p a r t e vorgeschrie«
benen Ceremoniell dem Brautpaar und
ihm aufgeführt werden. DieseS Cere«
moniell beschreibt S t e rnb erg in fol«
gender drastischer Weise: „Unter einem
Thronhimmel stand ein Tisch, an wel«
ckem der Kai'er in der Mitte zwischen
der Königin und der Braut, der König
neben der Königin, der Bräutigam neben
der Braut saßen. Vor diesem Tische
mußten nun zuerst die Damen, dann die
Herren vorbeidesiliren und fünf Knickse
machen; es war eine der lächerlichsten
Hoffcenen. der ich je (dem Himmel sei
Dankl blos als Zuseher) beigewohnt
habe; ich dachte in China zu sein. Der
König, damals noch Kurfürst, der alles
Ceremoniell in den Tod haßte, wäre
dabei beinahe eingeschlafen, hätten nicht
ein Paar Damen einander auf die
Schleppe getreten, wodurch sie so aus
dem Gleichgewiä't kamen, daß sie bei»
nahe unter den Tisch gerollt wären". —
Inzwischen war der Plan zur Gründung
des Rheinbundes herangereift, und der
Erzkanzler D a l b e r g wurde aufge«
fordert, demselben beizulreten. Dieser,
unschlüssig und zaghaft, ließ sich zu die»
sem Schritte bestimmen, und damit war
auch sein S.-bicksal besiegelt. I n Folge
dessen sah sich auch Sternberg ver»
anlaßt, aus den politischen Geschäfts«
Verhältnissen mit dem Trzkanzler zu schei«
den und seine Enilassutig zu nehmen,
die ihm letzterer auch mit schwerem Her«
zen bewilligen mußte. Sein Leben war
von nun an fast ausschließlich den Wis.
senschaften und der Kunst gewidmet;
vom politischen Leben hielt er sich fast
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Stehlik-Stietka, Volume 38
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Stehlik-Stietka
- Volume
- 38
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1879
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 398
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon