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Stur, Karl (Maler) 214 ^ Karl (Maler)
die begonnene Laufbahn auf. sich wieder
ganz der Malerei widmend, die er übri
genS auch wahrend der Wandermonate
des Mimen fieißig geübt hatte. Aber
noch manche Episode trat dazwischen, bis
er an ihr seinen richtigen und dauernden
Halt fand. Die Vermögensverhaltnisse
deS Vaters hatten durch deffen Ver«
trauensseligkeit anderen Menschen gegen«
über einen argen Stoß erlitten, und
ein wiederholter Schlaganfall fesselte ihn
ganz an daS Krankenlager, welches er
nach einem Jahre schwersten Leidens nur
als Leiche verlassen sollte. Dem Sohne
blieb nunmehr die Mutter in einer nahezu
hilflosen Lage. Das Studium der Kunst
fortzusetzen, war ihm unter solchen Nin»
ständen nicht möglich, es galt, sich und
die Mutter zu erhalten. Bereits während
der Krankheit des Vaters hatte er für
Geld gearbeitet, aber doch noch Zeit zum
Studium gefunden. Das war nun bei
der völligen Verarmung und Hilflosig-
keit der Mutter anders geworden. AuS
diesen Tagen stammt seine erste größere
humoristische Zeichnung: „Der Einlaß
ins Burgtheater". eine Lithographie, von
welcher eine Copie mit Aenderungen von
unbekannter Hand einige Jahre später
in einer Wiener Kunsthandlung erschien;
dann folgten neben einigen anderen Zeich«
nungen ^eine Auswahl der besseren Blät-
ter Stur 's, namentlich seiner Bildnisse
und Chargen siehe S. 21H „Nestroy
als Fliege", nicht zu verwechseln mit der
Arbeit Dautha ge's. und „Karl Treu»
mann als Pluto" im „Orpheus in der
Unterwelt", beide nach der Natur aufge»
nommen; ferner „Heinrich Anschütz als
Lear", eine noch unfertige, aber treue
Zeichnung, jetzt im Besitze des Hofschau«
spielersLewinSky. Aber dergleichen Ar>
beiten brachten keinen Verdienst, und um
den nöthigen Lebensunterhalt zu beschaf. fen, mühte er sich Tag und Nacht für
Kunsthändler und Bildertrödler, die be«
kanntlich den Künstler wie ein Alp drücken
und wie eine Citrone auspressen. Seit
den Tagen seines Bühnenlebens mit dem
Schauspieler und Theaterdichter S t ix
^Bd. XXXIX, S. 61^ befreundet, lernte
er durch diesen den Journalisten und
Theaterdichter O. F. Berg (Pseudonym
für Ebersberg. Bd. XI , S. 396)
kennen, der zu jener Zeit eben das illu»
strirte Wiener Spott» und Witzblatt
„Kikeriki" begründet hatte. Alsbald für
dieses Blatt gewonnen, illustrirte er daS»
selbe, anfänglich in Gemeinschaft mit den
Zeichnern Domaier und Moser. dann
ein Iahrzehend hindurch allein. Es war
dies, wenn eben keine sichere, noch a:lch
sehr lucrative Stellung, doch eine Basis,
und je tiefer die Muse der Kunst über die
fratzenhaften Gebilde des „Kikeriki" auf.
seuzte, um so mehr lachte über dieselben
der luftige Wiener, der ja nicht Kunst»
studien machen, sondern nur erlustigt
sein wollte. Und dafür war reichlich ge»
sorgt, denn Stur , der aus Verzweiflung
Humorist geworden, um seine Mutter zu
erhalten, besaß in der That eine uner-
schöpfliche Ader des Witzes und wußte
seine oft grotesken Einfalle und noch
groteskeren Figuren in einer Weise zu
bringen, wie sie das „Wiener Volk"
vorzugsweise liebte. Das bewies der
Aufschwung und die Dauer deS „Kike«
riki", der oft genug nachgeahmt nnnde.,
und welcher sich trotzdem hielt, während
alle seine Copien zu Grunde gingen.
Die Zeichnungen Stur'S im genannten
Blatte zählen nach Tausenden und sind
durch die ihnen aufgedrückte Manier
'elbst dann noch kenntlich, wenn ihnen
auch daS Verrätherische ,8t.« nicht bei.
gefügt ist. Daß aber unter solchen Ver«
Hältnissen von einem eigentlichen Kunst»
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Streeruwitz-Suszncki, Volume 40
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Streeruwitz-Suszncki
- Volume
- 40
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1880
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 394
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon