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Stur, Karl (Maler) 213 Stur, Karl (Maler)
streben keine Rede sein konnte, versteht
sich von selbst- hätte der Zeichner Edleres
leisten wollen, so würde ihm die Zeit
dazu gefehlt haben, und das Publicum,
das eben diese Fratzen und Caricawren
vor Allem liebte, ihm für akademische
Acte und ideale Gestalten gar nicht dank.
bar und sein Bünoniß mit dem Redao
teur bald von der längsten Dauer ge<
wesen sein. So hatte er sich denn all»
malig aus schlimmster Noth herausgear«
beitet und seiner alten Mutter ein ertrag«
liches Dasein geschaffen, als diese nach
kurzem Leiden. 1864, starb. Dieser Schlag
traf den jungen Kunstler, der stets mit
inniger Liebe an seinen Eltern gehangen,
allzu schwer, sein Leben war mit einem
Male, da er für Niemand mehr zu sorgen
hatte, inhaltlos, seine Freude, seine Lust,
Witze zu machen und zu illustriren, war
dahin, und nur mit Widerstreben fügte
er sich in eine Aufgabe, die ihm allmalig
widerwärtig wurde. Da kam es wie eine
Erlösung über ihn, als er hörte, es
würden Freiwillige nach Mexiko gewor.
ben. Erzherzog Ferdinand Maxi«
mi l ian hatte die mexikanische Kaiser»
kröne angenommen, und ein Freiwilligen«
Corps. daS mit dem jungen Kaiser zu.
gleich übers Meer gehen sollte, wurde
errichtet. S tu r besann sich nicht lange;
um seiner Gemüthsstimmung eine andere
Richtung zu geben, ließ er das Witze«
machen und Caricaturenzeichnen fahren
und sich als Gemeiner afsentiren, er
wurde mexikanischer Freiwilliger. I n
Laibach und Trieft machte er die Orga»
nisation und die ersten Einübungen deS
neuen Corps mit, rückte zum Nnterjager
auf und kam bei der Einschiffung der
Transporte in Trieft in Verwendung.
Nebenbei griff er auch zum Zeichenstift
und lieferte mehrere sein Corps betref»
fende Blätter für die Leipziger „I l lu. strirte Zeitung" und für Hackländ er's
„Ueber Land und Meer", wie er denn
auch im Auftrage seines Corps-Comman-
danten mehrere Bilder für den Kaiser
Max imi l ian ausfübrte, auf denen er
die Uniformirung der Freiwilligen im
Detail und malerisch zu behandeln hatte.
Ehe er mit seinem Schiffe in die neue
Welt absegeln sollte, erhielt er noch einen
kurzen Urlaub nach Wien. um von den
wenigen wahrend feines mehrjährigen
Aufenthaltes daselbst liebgewordenen
Menschen Abschied zu nehmen. Da trat
ihm das Schicksal in Gestalt eineS Mäd-
chens entgegen, das er schon langer
kannte und welches ihm rückhaltlos ihr
Bedauern darüber aussprach, daß er von
seiner Gemüthsstimmung sich hinreißen
lafse und so mir nichts dir nichts Heimat,
Freunde und angewöhnte Verhältnisse
aufgebe. Diese Vorstellungen freund«
schaftlichfter und wohl noch innigerer
Theilnahme fielen nicht auf todten
Grund. Stur begann nachzusinnen,
seinen Schritt und dessen Folgen zu er-
wägen, und was die Liebe begonnen,
vollendeten die Freunde, auf deren ge>
meinschaftliches Zureden er den Gedan»
ken, Europa zu verlassen, aufgab und
nun mit allen ihm zu Gebote stehenden
Mitteln seinen Austritt aus dem mexi»
karlischen Freilvilligen.Corps betrieb. Nur
nach vieler Mühe und mannigfachen
Opfern gelang eS ihm. Er trat in die
alten Verhältnisse beim „Kikeriki" wieder
ein. zeichnete, malte nebenbei auch Ande«
res und ward nach einem Intermezzo
von sechs Monaten, während welcher er
Soldat gewesen, wieder der frohgemuth,:
Künstler, der die Wiener mit seinen halb
ernsten, halb komischen Witzgeftalten be-
lustigte und erheiterte. Bald führte er
auch das Mädchen seiner Wahl. deren
Rath ihn dem Vaterlanoe zurückgewon»
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Streeruwitz-Suszncki, Volume 40
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Streeruwitz-Suszncki
- Volume
- 40
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1880
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 394
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon