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Sturm, Eduard 223 Eduard
deutsche Gesinnung entschieden zu be-
tonen. Besonders that er dieS im De
cember 1869, als er in Brunn einer
Schiller- und Arndtfeier beiwohnte,
welcde von der Scbillerftiftung daselbst
in Gemeinschaft mit den Turnern ver
anstaltet worden war. Bei dieser Ge>
legenheit sprach er einen Toast auf
Oesterreich, und Deutschland, in welchem
es unter Anderem hieß: ,»W«r lieben
unser österreichisches Vaterland und
wollen Oesterreicher bleiben, aber wir
können nicht aufhören. Deutsche zu sein.
Das möge man überall wissen, wo man
mit uns neue Experimente vorhat, in
denen man die Schaffung einer böhmi
schen Landergruppe denkt, welche sofort
an die Stelle der czechischen Frage
die deutsche Frage setzen müßte. Wir
wollen keine Schmerzenskinder, keine
verlorenen Söhne der Mutter Germania
werden, sondern mit allen unseren
Kräften festhalten an dem theueren
Muttetlande, und wenn wir auch den
Anschluß an ein geeinigtes Deutschland
noch nickt verlangen können, so wollen
wir wenigstens laut und entschieden ein
echtes und rechtes Bündniß mit Deutsch,
land zum Schutz und Trutz anstreben
und fordern sein Decennium später sollte
Sturm's Forderung der Verwirklichung
nahe rücken) Gegen das casaristische
System der stehenden Heere regt sich eine
weit ausgebreitete Agitation des Frie«
denS und der Freiheit. . . . Die Völker
haben eS nicht nöthig, sich wechselseitig zu
bekriegen. Auch in der Abrüstungsfrage
muß der Wille deS Volkes endlich durch-
dringen und es nur noch ein wahres und
echtes V o l k s h e e r zur Vertheidigung
der Rechte und Freiheiten des Volkes
geben. Unwiderstehlich äußert sich der
Freiheitsdrang der Völker nach vor-
warts, und wenn sich gleich fünfhundert
v.Nurzbach, biogr. Leriton.XI^. sGedr. 7. Bischöfe unterfangen sollten, der Fort-
schrittsbewegung der Menschheit Halt
zu gebieten, was Wissenschaft und Recht
geheiligt, zu verfehmen . . . . so wird die
Welt dabei ruhig bleiben und Freiheit
und Wissenschaft ihre Entwickelung unbe-
hindert fortsetzen. Die moderne Welt
setzt dem mittelalterlichen Eoncil in Rom
sofort das Freidenkerconcil in Neapel
entgegen, und während man in Rom
daran geht. über die Triumphe der Wis-
senschaft das Anathema auszufprechen.
sehen wir in der Residenzstadt unseres
Reiches einen der hervorragendsten Ver»
treter der freien Forschung (Hofrath
R o k i t a n s k y) daS Evangelium der
Wissenschaft predigen!". Es wurden hier
die Hauptmomente jener Rede Sturm's
wiedergegeben, weil sie sozusagen sein
politisches und culturelles Programm
enthalten. Demselben entsprechend war
auch stets seine Haltung im Abgeord-
netenhause. Wie in diesem entwickelte er
auch als geschaftSleitendes Mitglied des
Landtags'Wahlcomitäs der uerfassungS«
treuen Partei in Mahren eine eifrige
Thätigkeit. Im Jahre 4871 aber trat er
aus dem Reichsrathe aus, um die auf
ihn gefallene Wahl als Mitglied des
mährischen Landesausschusses annehmen
zu können. Als er bald darauf die Advo-
catur in Wien erhielt, gab er jene Stelle
wieder auf, da er durch dieselbe an den
Ort wäre gebunden gewesen, in welchem
der Ausschuß seine Geschäfte führte, und
er candidirte neuerdings für den Reichs«
rath, in welchem seine Wahl durch den
Rücktritt des Abgeordneten 3 eydo l t
möglich wurde. Im Abgeordnetenhause,
dem er seit l873 bis zur Gegenwart
angehört und das ihn später auch in die
Delegation wählte, vertrat er immer ent-
chieden seine Meinung und stand damit
in Opposition zur Regierung. Auch zählt
Dec. i879.) 43
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Streeruwitz-Suszncki, Volume 40
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Streeruwitz-Suszncki
- Volume
- 40
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1880
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 394
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon