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6. .Mai 1796. Todesjahr unbekannt).
Von armenischen Eltern. Er besuchte
das Gymnasium und die Hochschule
in Lemberg und zeigte frühzeitig un»
gewöhnliche geistige Begabung. Als
Knabe von zwölf Iahien lieferte er
poetische Arbeiten und vollendete später
in der Zeit von vier Wochen eine Tra>
gödie „Nie Mediieer", welche er an die
königliche Gesellschaft, der Wiffenschafts«
freunde in Warschau einsendete. Trotz
seiner 35eblingsneigung lag er mit Eifer
den rechtswiffenschaftlichen Berufsstudien
ob und erlangte am 24. Juni 1824
daraus die Doctorwürde. Bei seiner
Unabhängigkeitsliebe zog er dem Eintritt
in ein öffentliches Amt die Advocaten»
Praxis vor und zeichnete sich als Rechts»
anwalt bald durch die Schärfe seines
Geistes und die Gründlichkeit seiner juri»
dischen Kenntnisse so überlegen aus. daß
die Rechtsgelehrten und insbesondere die
Professoren der Lemberger Hochschule
nicht selten in streitigen Fällen seine An»
ficht und seinen Rath einholten. Aber
sein poetischer Geist fand mit der Zeit an
der Prosa des praktischen Lebens immer
weniger Behagen und flog nicht selten
in höhere Sphären, den Begeisterten bald
ganz dem WeiktagStreiben des täglichen
Einerlei, dessen Regelmäßigkeit ihn er«
müdete, zuletzt anwiderte, entführend.
Der Poet wollte Poesie, nicht Wirklich-
keir. Er hatte eben vom Becher der
Phantasie getrunken, dessen Feuertrank
den Einen belebt, wenn er den Anderen
zerstört. So wurden ihm allmälig die
Dinge, welche ihn täglich umgaben,
schaal, ec sehnte sich, nirgends Rast und
Ruhe sindend, von den Zerrbildern einer
immer regelloser sich gestaltenden Phan«
tasie umgaukelt, nach Abwechslung, vei«
nachlässigte seinen Beruf und als er
gar betreff seines Vermögens in unan- genehme Rechtsstreitigkeiten verwickelt
wurde, verließ er Lemberg und ging
zunächst auf Reisen. Welche anderen,
vielleicht nicht minder mächtigen Momente
sein Sinnen und Trachten sonst noch be»
einfiußt haben mochten, ist nie ermittelt
worden. Kurz. er besuchte Deutschland,
dann Paris und segelte endlich über den
Canal nach London. Aber der trübe
Nebel AlbionS legte sich schwer auf die
ohnehin vom Druck der Verhältnisse be»
lastete Seele und übte auf den ruhelosen
Wanderer einen nachtheiligen Einftuß.
S. raffte sich auf, verließ die Themsestadt
und kehrte auf das Festland zurück.
Nach einigen Umwegen erreichte er Wien.
wo er einige Jahre verweilt und aufs
neue seinem rechtswiffenschaftlichen Be>
rufe, wie auS einigen daselbst veröf»
fentlichten Arbeiten zu schließen, gelebt
zu haben scheint. Aber der in seinem
Gleichmaß gestörte Genius fand sich nicht
wieder. Schließlich gab sich Szadb ej
durch Selbstmord den Tod. Heraus»
geber suchte vergebens nach genauen
Daten', doch möchte der Zeitpunkt dieser
tragischen Katastrophe nicht vor Ende
der Dreißiger«Iahre zu setzen sein, da
eines seiner Werke noch im Jahre 4838
im Druck erschien. Sz. schrieb, und zwar
in deutscher und polnischer Sprache
gleich geläufig, theils Rechtswissenschaft-
liches. theils Poetisches, doch nur in letz.
terer Richtung gab er selbstständige
Werke heraus. Die Titel derselben sind:
os2l^'s./-. ^ackös^'a« (Wien 1833,
Mechitaristen); — « ^ o s ^ " (Lemberg
1837. 8o.) eine Fortsetzung der ersten
Sammlung'. — „Sllphllilisbe. Gin Tiuuer-
zpiü in lünk Aufznglll" (PariS 1838, 8<i.);
— „Hanliibjils Gai>. Oin Granerspill in liint
Ällhügen« (ebd. 1838). Seine rechts«
wissenschaftlichen Arbeiten veröffentlichte
er, die Inauguraldissertation zur Erlan»
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Susil-Szeder, Volume 41
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Susil-Szeder
- Volume
- 41
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1880
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 340
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon