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folgungen, die in nicht geringem Maße
störend auf seinen Lebensgang einwirk»
ten. Die von so verhängnißvollen Folgen
begleitete Unthat aber bestand darin, daß
er 1834 bei der Festvorstellung. welche
im Lemberger Theater anläßlich der
Geburtstagsfeier des Kaisers gegeben
wurde, von der Galerie herab ein ten«
denziöses Gedicht vorgetragen hatte. Es
war der übermüthige tolle Streich eineS
Schuljungen, aber kein Verbrechen. Er
wurde jedoch verhaftet und zu einer
Gefängnißstraft verurtheilt, welche auf
anderthalb, nach Anderen auf zwei
Jahre bemessen war! Aus dieser Haft
trug er ein Augenleiden davon, das ihn
nie wieder verließ und zuletzt in völlige
Blindheit ausartete. Freigelaffen, hatte
er noch immer alles Ungemach Polizei»
licher Maßnahmen zu empfinden, so
wurde er zunächst in Mikolajow, dann
in Zydaczow. zwei Ortschaften im Stryer
Kreise, wo die Mutter in armlichen Ver-
Haltnissen lebte, inlernirt und durfte sich
nicht ohne behördliche Erlaubniß darauS
entfernen. Im Jahre 1838 ward ihm
auf vieles Bitten gestattet, in Lemberg
zu wohnen, er mußte aber auf Schritt
und Tritt polizeiliche Beaufsichtigung
über sich ergehen lassen. Ohne eigene
Mittel, ohne Unterstützung von irgend
einer Seite, unterhielt er sich mühselig
vom Stundengeben, und von dem kargen
Erlöse dieser geistig erdrückenden Beschaf»
tigung mußte er noch seiner Mutter und
den Geschwistern Unterstützung ange»
döihen lassen. Um diese Zeit versuchte er
sich zuerst in belletristischen Arbeiten und
schrieb einige Erzählungen, welche in
dem in Lemberg erschienenen Pariser
Modeblatt (Osisnink. mög par^skioli)
abgedruckt wurden, in welchem sich die
polnischen Schriftsteller, wie etwa in
Wi tth a uer's „Wiener Zeitschrift" die
v. Würz dach. biogr. Leiikon. XI.I. österreichischen, ihre Spoien verdienten.
Die Erzählung „Komans na ntasus
002^ 'w-iäsian^", d. i. Der mit eigenen
Augen erlebte Roman, lenkte zuerst die
Aufmerksamkeit des polnischen Lesepubli-
cums auf den jungen Autor, welcher
bald mehrere Arbeiten im genannten
Blatte folgen ließ und imm.r festeren
Fuß auf literarischem Gebiete faßte. Her-
ausgeber dieses Lexikons, der zu jener
Zeit (1840—l848) in Galizien, vor-
nehmlich in Lemberg, lebte, hörte Szaj-
nocha's Namen in maßgebenden Krei«
sen immer als den eines stets beliebter
werdenden Autors nennen. Im Jahre
1843 begann der junge Literat für die
polnische Lemberger amtliche Zeitung
(ftassta Ino-n^ka), welche damals K a»
minski >M. X, S.4l7) redigirte, und
für die mit ihr vereinten „Ka^maitoLoi",
d. i. Miscellen. meistens Theaterkritiken
und sonstige kleinere Artikel'zu schreiben.
Um diese Zeit heiratete seine Mutter zum
zweiten Male und erleichterte so dem
Sohne nun einigermaßen seine 3ast.
Dieser aber versuchte sich jetzt auf dra«
malischem Gebiete. Er dichtete die vier»
actige Tragödie „Hasl'o", d. i. Stanis«
laus, welche nach ihrer am 8. Juni 4843
erfolgten Aufführung auf der Bühne zu
Lemberg auch in einer zu wohlthatigen
Zwecken herausgegebenen Sammelschrift:
„Ootad xoig.ru", d. i. Die Taube deS
Brandes, erschien. Dies Werk rief unter
den Lemberger Recensenten eine heftige
Polemik hervor, deren Angelpunkt die
ziemlich müßige Frage war. ob der
Dichter Eignung znm Drama besitze.
Doch dieser, unbekümmert, wie immer
die Entscheidung ausfallen mochte, schritt
auf der betretenen Bahn weiter und ließ
während der Jahre 4846 bis 1849
mehrere Dramen aufeinander folgen,
und zwar:
5. April 4880.)
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Susil-Szeder, Volume 41
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Susil-Szeder
- Volume
- 41
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1880
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 340
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon