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LadislauZ 137 ^ Ladislaus
deutend werden ließen. Er ging stets
seinen eigenen Weg. der oft von dem
seiner Mitlebenden weitab bog. Als bei
der ersten ungarischen Vorstellung im
Pesther deutschen Theater im Zuschauer«
räum ein Beifall so frenetischer Art auS»
brach, als wäre das Vaterland von einer
neuen Türkeninvasion befreit worden,
betrübte den Jüngling dieses Verhalten
seiner Landsleute auf daS tiefste.
Wahrend ste die Hände vollauf zu thun
gehabt hatten, um ihre Existenz in
Europa zu retten, konnten sie stch über
eine solche Lappalie begeistern. „Mir
wurde", schreibt er in einem Briefe, der
diesen Umstand berührt. ,damals un«
endlich weich umS Herz, weil ich sah. wie
unsere Leute stch noch in einer primitiven
Ideenwelt bewegten, weil ich aber auch
wußte, daß ein Land zu Grunde gehen
müsse, welches sich in der Nachbarschaft
so vieler reifer Völker in kindischen
Träumen zu wiegen vermöchte, und ich
begriff die schmerzliche Entrüstung jenes
Engländers, dem einst die Bewohner von
Dotis, statt den Wasserreichthum ihrer
Gegend nutzbar zu machen, wunderbare
Märchen von den goldflossigen und
grünäugigen Fiscbeu in der Tiefe ihrer
Gewässer erzählten". — Nachdem er im
Jahre 1831 seine Studien beendet hatte,
trat er beiKölcsey M . X I I , S.2l3^.
der damals Obernotar in Szathmar
war. in die Rechtsvraris ein. Dieser,
einer der bedeutendsten Poeten Ungarns,
übte nicht geringen Einfluß auf den
Jüngling aus, der gleichfalls der Poesie
huldigte und bereits seine ersten Dick»
tungen unter dem Titel „Il'?n5oH", d. i.
Knospen (Pesth 1831) hatte erscheinen
lassen. Sä>on im folgenden Jahre wurde
Szalay als Notar der königlichen
Tafel in Eid genommen, und nun wirkte
er einige Zeit als Concepts-Practicant bei der Stattbalterei in Ofen. indem er
sich zugleich für die Doctorwürde vor»
bereitete, nach deren Erlangung er 1333
daS Advocaten-Diplom erwarb. Diese
anstrengenden Vorbereitungen für seinen
Beruf hinderten ihn aber durchaus nicht,
der Muse zeitweis ein Stelldichein zu
geben, und so erschienen denn: „X?-
^ o n s s ?6vs?si" , d. i. Alphonsens
Briefe (Buda 1832) und „FV^'K es
^att", d. i. Friedrich und Katt (Pesth
1833), in welch' letzterem Werke er die
tragische Episode im Leben Friedrichs
des Großen behandelte, der durch die
drakonische Screnge seines Vaters seinen
Jugendfreund verbluten sah. Aber auch
wissenschaftliche Arbeiten veröffentlichte
Szalay in den damaligen, dem er-
wachenden geistigen Leben Ungarns ge>
widmeten Zeitschriften, so in „Nu^r ian",
„Ninervg.", „Urania.", Aurora" und
in der „i'liä.omä.n^oL ^ü^tOmön^'",
d. i. Wissenschaftliche Sammlung. Der
Drang, seine im Heimatlande erwor»
bene Bildung durch Eindrücke, die er in
fremden Ländern gewänne, theils zu be«
richtigen, theils zu steigern, veranlaßte
ihn, auf Reisen zu gehen, und so durchzog
er außer Oesterreich einen großen Theil
der Schweif Deutschland, Frankreich,
England und Belgien. Ueberall knüpfte
er Verbindungen mit gelehrten Männern
an. von denen manche nicht ohne be»
stimmenden Einfluß auf sein Denken und
Schaffen blieben, wie er denn selbst, als
man ihn spöttelnd in den gelehrten
Kreisen Pesths den „Hegelianer" zu
nennen pflegte, diese Bezeichnung mit
der Thatsache zurückwies, „daß er nur
ein Schüler von einem Jünger Heg el's
sei". Und dieser Jünger war Moriz
Gans , den er offen als seinen „Lehrer.
Führer und Freund" bezeichnete. Aus
dem Briefwechsel, den er mit diesem
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Susil-Szeder, Volume 41
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Susil-Szeder
- Volume
- 41
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1880
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 340
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon