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S^alay, Ladislaus 1
geistiges war ihm aus jener verfehlten
Frankfurter Sendung geblieben, er hatte
nämlich wahrend seines Aufenthaltes in
der alten Kaiserftadt persönlichen innigen
Verkehr mit den besten deutschen Man.
nern, mit Gagern. Heckscher, Na«
dowitz u.A. angeknüpft, blieb mit ihnen
in spateren Jahren im Briefwechsel und
nannte, da zu jener Zeit die deutsche
Reichsregierung abgehenden Gesandten
keine Orden verleihen konnte, diese
Briefe zutreffend „seine werthvollsten
Decorationen". Von Frankfurt kehrte er
nicht ins Vaterland zurück, sondern be-
gab sich nach Frankreich und England,
um daselbst die Stimmung für Ungarn
zu prüfen und in dessen Interesse zu
wirken. Was er da erfuhr, klang wenig
tröstlich, ja in London, wo es ihm nach
einigem Bemühen gelang, an einem neu»
tralen Orte mit einem der vornehmsten
Mitglieder der englischen Regierung
zusammenzutreffen, sogar niederschmet«
ternd. „Wenn Ungarn", bemerkte der
englische Staatsmann, „nichts weiter
als seine alten verfassungsmäßigen Rechte
behaupten, wenn es nichts durchsetzen
wolle, was den Bestand der österreichi.
schen Monarchie unmöglich mache, dann
werde England nicht ermüden, in Wien
zur Nachgiebigkeit und Versöhnlichkeit zu
rathen; zerreiße Ungarn jedoch das
Band, welches zwischen ihm und der
Monarchie bestehe, dann habe es von
Großbritannien selbst nicht einmal mo»
ralische Unterstützung zu erwarten, ja es
könnten sogar Eonftellationen eintreten,
unter denen die britische Regierung sich
veranlaßt sehen würde, der österreichischen
bei der Wiedereroberung Ungarns jede
mögliche Hilfe zu leisten...". So lautete
die Eröffnung des englischen Staats«
mannes Szalay gegenüber, der sich
beeilte, diese Kunde in die Heimat ge- y, Ladislaus
langen zu lassen. Und obwohl Ko ssuth
davon Kenntniß erhielt, und zwar noch
geraume Zeit vor dem 14. April 1849,
so führte er doch den Hochverratherischen
Staatsstreich, die UnabhangigkeitSerklä'
rung, am genannten Tage aus, sie mit
der erdichteten Angabe begründend, daß
nächstens ein Congreß der europäischen
Mächte in Verona stattfinden werde',
wenn bis dahin die Unabhängigkeit des
Landes nicht ausgesprochen und dadurch
nicht die Aufmerksamkeit Europa's auf
die ungarische Angelegenheit gelenkt
worden sei, dann würde die italienische
Frage auf Kosten Ungarns geregell
werden, während im entgegengesetzten
Falle die ungarische Nation ebenso ge.
hört werden müßte, wie die Abgesandten
der Lombardei in Brüssel. -^ Die Er-
fahrungen, welche Szalay in London
gemacht hatte, ließen ihn trotzdem nicht
alle Hoffnung aufgeben, er eilte nach
Brüssel. Doch da erreichte ihn die Kunde
von Ko ssii th's StaatSverrath und er
— war gebrochen. Er zog sich nun m
die Schweiz zurück, an die Ufer des
Züricher Sees, in der Arbeit — er voll-
endete daselbst sein Werk: „Ungarns
Staatsmänner und Redner" — das
Weh zu vergessen suchend, mit welchem
die trostlose Lage seines Vaterlandes ihn
erfüllte. Und nur aus diesem Wehe, das
seinen gesunden Blick trübte, läßt sich
eine That erklären, welche seine Bio>
graphen — selbst Falk — sämmtlich ver>
schweigen, seine in französischer Sprache
geschriebenen „Briefe über Ungarn".
„I^ttrsL sur 1a. NonIris" I—III (Zü>
rich 1849, Orell, Füßli und Comp., 3".),
die nicht wenig dazu beigetragen haben,
zu jener Zeit das Urtheil des Aus-
landes über Oesterreich zu verwirren.
Wenn diese in den Tagen tiefsten Wehs
geschriebenen Briefe dem Schreiber der-
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Susil-Szeder, Volume 41
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Susil-Szeder
- Volume
- 41
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1880
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 340
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon