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Aarvady 180 Szarvady
Alfred Meißner. Moriz Hartmann,
mit dem gemeinschaftlich erPetöfy's Ge»
dichte überseht hat, und Friedrich Bach,
der, deutsches Wissen mit magyarischem
Wollen vereinend, schon im Vormärz ein
paar 3eaders im „?S8ti HiriHZ)" schrieb,
welche großen Beifall erhielten. S z. war
Sprecher der Reichstagsjugend, als sich
dieselbe im Nationalcostum. den Säbel
an der Seite, am 17. März als lebendige
Sturmpetition nach Wien begab. Auch
dominirle er damals die „Prehburger
Zeitung" durch in blendender Sprache
geschriebene revolutionäre Artikel. I n
der Folge wühlte er nach allen Seiten,
in Wien suchte er die „Theater-Zeitung"
an sich zu bringen, um sie für seine unga«
rischen Agitationszwecke zu verwenden,
aber so verlockend die Anträge auch
waren und so trübe die Aussichten für
dieses conservative Blatt in nächster Zu-
kunft sich zeigten, der alte Bauer le
wies doch alle noch so günstigen Aner»
bieten — Schreiber dieses war Zeuge
des Vorganges und konnte seine Ansicht
in die Wagschale legen — entschieden
zurück. Nun machte Szarvady Cou«
riörreisen zwischen Pesth und Paris,
dann zwischen Wien und Pesth, überall
thätig, die Gemüther für Ungarn zu
interessiren und, wo sich der rechte Voden
fand. zu gewinnen. Die Zeit der falschen
Propheten war eben gekommen. Als die
Revolution in Ungarn, anfangs mit Be-
, dächtigkeit auftretend, bald immer ent»
schiedener fortschritt und Kossuth mit
seinem Anhange sich der öffentlichen
Meinung bemächtigte, da stellte S z a r.
vady bei dem Dictator den Antrag:
,Die Magyaren möchten die gefammte
polnische Emigration in ihren Schooß
aufnehmen". Dadurch gewänne Ungarn
einen bewaffneten Kern und würde eine
Aussöhnung mit den Croaten und Serben durch die Polen als stammverwandte
Brüder möglich werden. Kossu th
neigte sich dieser Idee hin, aber in Wien
erkannte man die Schlinge, man appel>
lirte an Batthyäny's Loyalität und
erklärte, die Differenzen mit den Croaten
und Serben weit wirksamer beizulegen,
als dies durch die Polen geschehen könne.
So ließ man die angeregte Idee in Pesth
fallen. Die ungarische Revolutions«
regierung sendete den Grafen Ladislaus
Teleki nach Paris, um Frankreich für
die Sache Ungarns zu gewinnen. Aber
die Franzosen wollten mit dem x^s
daldarO) wie sie Ungarn nannten, nichts
zu schaffen haben, und die Unterhand«
lungen Teleki's blieben erfolglos. Da
wurde ihm Szarvady im August nach«
geschickt. Er sollte durch die Presse die
Aufmerksamkeit Frankreichs auf daS
xa^s dardaro lenken, und er war eS
denn auch, welcher im „Aktiona.!", dem
Blatte der Pariser vorgeschrittensten
Partei, einige Artikel über Ungarn
brachte, die den Franzosen erst die poli«
tischen Zustände Ungarns, deffen Ver<
fafsung, dessen Verhältniß zu Oesterreich
u. s. w., natürlich in einem der Revolu»
tion günstigen Sinne, darlegten. Man
begann im Elysöe sich bereits für die
Magyaren zu interesfiren, und als die
October«Nevolution in Wien auSbrach,
traten die Socialisten offen und unge-
stüm für Ungarn ein. Dieses Drängen
der Umsturzpartei aber genügte, um der
scharfsichtigen französischen Regierung
das ganze Intriguenspiel zu entschleiern,
und wie Szalay in Deutschland und
dann in London, Pastor Wimmer in
Berlin, so machten Teleki und Szar-
vady in Paris FiaSco. Wohl neigten
sich spater, als die Sache der Ungarn
gut stand, die Franzosen noch einmal
denselben zu, aber die Waffenstreckung
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Susil-Szeder, Volume 41
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Susil-Szeder
- Volume
- 41
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1880
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 340
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon