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S)autern 212 Szautern
betrauere ich das Schicksal dieses un<
glücklichen jungen Mannes, und nik
werde ich aufhören zu glauben, daß e
von vornehmer Geburt und daß sein
tadelhafte Aufführung daS Ergebniß de
Situation war, in welche er gerathen"
Alle diese Umstände veranlaßten di<
Forscher über Rousseau's Leben, auch
Näheres über diesen Ungarn zu erkuri»
den, denn von einem Nngarn des Na-
mens Szautern oder Sauttein
war nichts bekannt. F. Brockerhof
bringt in seiner Monographie: „Ieai
Jacques Rousseau. Sein Leben und
leine Werke" (Leipzig 1874) die ersten
Fingerzeige über den in Rede Stehen»
den. „Es war ein Mann", schreibt ge<
nannter Biograph, „von etwa dreißig
Jahren, groß und wohlgebaut, wenn
auch für sein Alter ziemlich beleibt, mit
braunen Haaren und einem einnehmenden
Gesichte. Sohn eines Bürgermeisters
von Ofen, hatte er seinen Angaben zu
folge mehrere Jahre in den Bureaux
der Wiener Hofkanzlei gearbeitet und
war zu seiner weiteren Ausbildung auf
Reisen gegangen". Es galt nun, nach
dem Namen Szautern oder Saut»
iern zu forschen, und man hatte an der
Angabe, daß der Vater des Unbekannten
Bürgermeister von Ofen gewesen, eine
Handhabe gewonnen. Ein Name Saut«
tern fand sich wohl nicht, aber in der
„Vollständigen Beschreibung der könig»
lichen Hauptstadt Ofen" von Franz
SchamS entdeckte man im Verzeich«
nifse der Bürgermeister deren zwei, welche
Sautermeister von S a u t e r S-
heimb hießen, und zwar 1703 Fried»
rich Sautermeister von SauterS«
heimb, der 1707 Stadtrichter von
Ofen wurde, und 1741—1764 Joseph
E manuel Sautermeister von
SauterSheimb, welcher 23 Jahre hindurch die Würde deS Ofener Bür»
germeisterS bekleidete, waS für einen
ganz ungewöhnlichen Grad deS Ver»
trauenS seiner Mitbürger spricht, da
diese ihn immer wieder zu ihrem Vor«
stände wählten. Weitere Nachforschungen
in den Protokollen deS Ofener Magi»
strats ergaben nun, daß in der That am
22. April 1708 Friedrich Saurer-
meister zum Bürgermeister gewühlt
wurde. Also nicht Sautersheimb,
sondern Sautermeister war der Fa>
milienname, zu welchem erst mit Erlan-
gung des Adels das Pcädicat Sau«
terSheimb hinzukam. Dieser Adel
war — wie eS den Anschein hat — kein
ungarischer, denn in Ivan Nagy'S
großem ungarischen Adelswerke: »^2.-
i tädläkkai" findet sich der
Name weder in der Schreibweise Sau»
termeister, noch Sauttern oder
Szautern. UebrigenS gibt eS auch
eine Adelsfamilie Sautter mit dem
Prädikate von Degen schi ld, welcher
der Adel mit Diplom aus dem Jahre
1716 in der Person des kaiserlichen
OberstwachtmeifterS Johann Bal«
thasar Sautter verliehen wurde.
Was nun die Stellung unseres Ungarn
bei der Wiener Hofkanzlei anbelangt,
so liegen darüber keine Nachrichten vor;
aber ein Ignaz Sauttermeister
diente im Jahre 1764 als Concipift im
Cameralarchiv, welches sich damals in
Preßburg befand. Da meint denn
Adolph Dur, daß derselbe vordem
vielleicht in der ungarischen Hofkanzlei,
oder wenn nicht er selbst, doch sein
Bruder in diesem Amte gedient habe.
Dux hielt nun den oben genannten
Joseph Emanuel Sautermeister
ür den Vater unseres Szautern, der
wischen 1762 ^nd 1766 ungefähr
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Susil-Szeder, Volume 41
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Susil-Szeder
- Volume
- 41
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1880
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 340
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon